Häufig gestellte Fragen

  1. Rühren wir reine Naturkosmetik?
  2. Wie kann ich mit dem Konservierungs-Rechner Weingeist auf einen gewünschten Wert verdünnen?
  3. Wie funktioniert der Emulsions-Rechner?
  4. Brauche ich zusätzliche Wirkstoffe, um gute Emulsionen herzustellen?
  5. Gibt es für Selbstrührer wirksame Anti-Aging-Rezepte?
  6. Kann ich meine Haut ausschließlich mit Ölen pflegen?
  7. Ist selbst gerührte Kosmetik grundsätzlich qualitativ besser als Kaufkosmetik?
  8. Gibt es Anhaltspunkte für die jeweiligen Mengenverhältnisse, die man an Öl, Wasser, Emulgator und Wirkstoffen braucht?
  9. Welche Öle und Pflanzen sind für meinen Hauttyp geeignet?
  10. Wie wirken pflanzliche Öle und pflanzliche Auszüge?
  11. Muss ich mit unerwünschten Hautveränderungen rechnen, wenn ich auf selbst gerührte Kosmetik umsteige?
  12. Wie verträglich sind selbst gerührte Kosmetika?
  13. Welche Vorteile hat selbst gemachte Kosmetik?

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Rühren wir reine Naturkosmetik?

Naturkosmetische Produkte nach Olionatura-Rezepten
Naturkosmetik aus meinem Buch Naturkosmetik selber machen

Das ist eine sehr legitime Frage, und ich möchte Ihnen gerne meine Gedanken dazu mitteilen.

Auch wenn ich meine Naturkosmetik nur für mich selbst konzipiere, sind damit viele Entscheidungen verbunden, die die berechtigte Frage aufwerfen, ob sie dem Begriff »Naturkosmetik« gerecht werden. Der Titel meines 2. Buches, »Naturkosmetik selber machen«, formuliert bereits ein zugrunde liegendes kosmetisches Konzept, das u. a. die Auswahl und ökologische Bewertung der Ingredienzien, ihre Herkunft und Herstellung berührt. Ich habe diesen Titel sehr bewusst gewählt, bin mir jedoch darüber im Klaren, dass die Vorstellungen über Naturkosmetik, auch über Naturkosmetik aus der heimischen Küche, deutlich differieren. Im öffentlichen Verständnis ist der Begriff »Naturkosmetik« mit sehr unterschiedlichen Assoziationen verknüpft.

Als Fachautorin kenne ich naturgemäß unterschiedliche naturkosmetische Konzepte, die sich in Publikationen von Autoren, in der Zusammensetzung kommerzieller Kaufprodukte und in Aussagen von Menschen spiegeln, die Naturkosmetik konsumieren oder herstellen.
Klassische naturkosmetische Rezepturen aus diesem Segment basieren überwiegend auf pflanzlichen Ölen und Bienenwachs, emulgiert mit Lanolin oder Wollwachsalkohol. Lanolin und Wollwachsalkohol genießen den Ruf, in besonderem Maße natürliche Rohstoffe zu sein – was jedoch vor dem Hintergrund der chemischen Verarbeitungsprozesse, die ihrer Nutzung vorausgehen, durchaus die ein oder andere Frage aufwirft. So wird Rohwollwachs mit verdünnter Salz- bzw. Phosphorsäure gekocht, u. a. mit Natronlauge oder Natriumkarbonat von freien Fettsäuren befreit, mit Wasser und Alkohol gewaschen, mit Wasserstoffperoxyd, Natriumhypochlorit oder Natriumchlorit gebleicht, destilliert oder desodoriert und in der Regel mit dem als kanzerogen diskutierten BHT (Butylhydroxytoluol) als Antioxidans versetzt. Ein natürlicher Emulgator? BHT-freies Lanolin gibt es übrigens im Handel, aber der Verzicht wird explizit in den Produkteigenschaften ausgelobt. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch; Lanolin ist ein hautphysiologisch sinnvoller und effektiv wasserbindender und restrukturierender Rohstoff, aber das Etikett »Reine Natur« blendet wichtige Aspekte einer sachlichen, faktenorientierten Bewertung aus.
Rezepte nach dem Hobbythek®-Rezept verwenden z. T. Rohstoffe (u. a. Parabene, Pflanzenextrakte auf Basis von Ethoxydiglycol und Butyleneglycol, PEG-basierte Tenside sowie vergällte Alkohole), auf die ich persönlich gerne verzichte, weil es hautfreundliche oder gesundheitlich unbedenkliche Alternativen gibt.

Industriell hergestellte, bewährte Emulgatoren und Tenside auf Basis pflanzlicher Öle und Zuckern werden hingegen von manchen Verbraucherinnen als »Chemie« abgelehnt, obwohl ihre Herstellung umweltschonend, zum Teil sogar rein auf enzymatischem Weg erfolgt. Vereinzelt bewerten selbst Seifensiederinnen (bei denen man ein gewisses chemisches Grundwissen voraussetzen können sollte) Zuckertenside abfällig als »Chemie«; ihnen ist offenbar völlig unbekannt, dass ihre »natürlichen« Seifen durch Esterspaltung gewonnene, halbsynthetische Tenside sind. Ein großes Problem ist aus meiner Sicht der Mangel an fundiertem Wissen, der zu solchen Aussagen führt. Manche Bewertungskommentare auf Amazon.de über Selbstrührerbücher anderer Autoren mit Aussagen, die Verwendung von »Montanov, Emulsan, Cetylalkohol« und anderer Rohstoffe führe »direkt in den Chemiebaukasten« oder »mit ein wenig Rosenwasser, Bienenwachs, Pflanzenölen« (ich las sogar einmal die Empfehlung, Rotwein zu verwenden) könne man »mit etwas mehr Geschick bessere Kosmetik« herstellen, offenbaren eklatante fachliche Lücken und die naive Vorstellung, alle Frauen hätten die gleichen Ansprüche an Haptik, Auftragsverhalten und Konsistenz einer kosmetischen Emulsion. Darf kein Autor, keine Autorin mehr von alten Konzepten abweichen? Dürfen alle Selbstrührerinnen fortan nur mehr mit Lanolin und Bienenwachs arbeiten? Ist ein Emulgator der Montanov-Riege »mehr Chemie« als ein durch diverse chemische Prozesse aufbereitetes Lanolin? Glauben Sie mir: Eine Umweltbilanz wird Lanolin gewiss kein besseres Zeugnis ausstellen.

Konkret zu Ihrer Frage: Das Spektrum meiner selbst hergestellten Naturkosmetik offenbart sich in dem Versuch, weitgehend biologisch erzeugte Naturrohstoffe und daraus gewonnene Produkte zu verwenden und auf Ingredienzien zu verzichten, die nach heutigem Kenntnisstand gesundheitlich oder ökologisch kritisch diskutiert werden. In Konsequenz bedeutet dies u. a. den Verzicht auf Parabene und umstrittene Konservierungsmittel wie Phenoxyethanol, auf synthetische Duftöle, kationische quartäre Ammoniumverbindungen (z. B. Incroquat), PEG-basierte Emulgatoren und Tenside (z. B. Rewoderm und Polawax), auf mit Propylenglycol versetzte Tinkturen (wie fast alle käuflichen) und die bevorzugte Verwendung nativer, pflanzlicher Bio-Öle aus kontrolliert-biologischem Anbau, pflanzlicher Auszüge aus eigener Herstellung oder aus biologischer Erzeugung (als Tinktur, Mazerat, Hydrolat), natürlicher Emulgatoren (d. h. PEG-freier Emulgatoren aus pflanzlichen Rohstoffen), ätherischer Öle statt Duftöle und einer kleinen Auswahl an bewährten Wirkstoffen. Hieraus ergeben sich durchaus Unterschiede zu anderen Ressourcen im Internet, die z. B. mit Parabenen und Phenoxyethanol konservierte, mit Rewoderm verdickte und mit synthetischen Riechstoffen beduftete Rezepturen veröffentlichen. Auch in meinem Konzept existieren Widersprüche, deren ich mir bewusst bin und die ich nicht immer lösen kann. Wie beispielsweise soll man die Verwendung von Seidenpulver bewerten oder die von Emulgatoren und Tensiden, die auf aus Palmöl gewonnenen Fettsäuren basieren? Nun: Palmölfreie Emulgatoren gibt es bereits (z. B. Xyliance oder Montanov™ 202).

Mir ist wichtig aufzuzeigen, dass eine Diskussion um »echte«, »konsequente« Naturkosmetik eine lebendige und kritische, aber immer eine sein sollte, die sich keiner Dogmen bedient und differenzierte Aspekte in den Blick nimmt. Auch wenn es manche nicht wahrhaben wollen: Bei nur wenigen Hautzuständen reicht auf Dauer die pure Pflege mit reinen Ölen und Hydrolaten, nicht alle Frauen schätzen die Schwere einer Lanolincreme, und eine mit Parabenen konservierte Emulsion ist im Vergleich sicher besser zu bewerten als eine unkonservierte, die nach 3 Wochen im Badezimmer mehr Schaden als Nutzen anrichtet. Moderne Naturkosmetik bemüht sich um Lösungen, die verschiedenen Haut- und Anwenderbedürfnissen gerecht wird, und manchmal bedarf es Kompromisse.

Ich hoffe, dass Sie mit diesen Informationen meine Entscheidungen bezüglich der von mir verwendeten Rohstoffe bzw. die Konzeption meiner Rezepte besser nachvollziehen können, auch wenn Sie nicht alle Entscheidungen teilen. Mir tut meine selbst hergestellte Pflege so gut wie kein anderes Konzept zuvor. Kein Kaufprodukt hat das erreicht, was meine fein ausbalancierten Fluids für meine Haut leisten. Suchen Sie für sich das heraus, was Ihnen und Ihrer Position entspricht, modifizieren Sie mein Konzept nach eigenen Wünschen und Bedürfnissen. Stellen Sie Ihre ganz persönliche Naturkosmetik her.