Rührkurse

Rührkurs Teil 1: Bevor Sie starten …

Rezepte planen

Im Folgenden habe ich Ihnen noch einmal die wichtigen vorbereitenden Schritte zusammengestellt, die jeder Herstellung vorausgehen. Sie betreffen vor allem Aspekte eines hygienischen Herstellungsprozesses, geben jedoch auch Tipps für ein ökonomisches Arbeiten.

Sie lernen lieber unter Anleitung?

Heike

In meinen Einsteiger-Seminaren begleite ich Sie einen Tag bei Ihren ersten Schritten in einer kleinen Gruppe von 6 Gleichgesinnten. Das Programm für das neue Seminarjahr wird jeweils Anfang Januar veröffentlicht. Haben Sie Interesse? Hier können Sie sich unverbindlich in meine Infoliste eintragen und werden bei Freischaltung der neuen Termine per E-Mail informiert.

Alle Vorbereitungen im Überblick

Schritt 1: Bereiten Sie Ihren Arbeitsplatz vor:

  • Desinfizieren Sie Ihre Hände, die Arbeitsplatte, alle Gerätschaften (Stabmixeraufsatz, Spatel, Löffel, Bechergläser und andere Behältnisse), die Wägeplatte der Feinwaage sowie Cremedosen oder -flaschen (vor allem die Deckel, in denen sich gerne Reste des vorherigen Inhalts festsetzen). Dazu eignet sich 70%iger Alkohol, alternativ der günstigere Isopropylalkohol. Es reicht, die Utensilien an der Luft trocken zu lassen; der Alkohol verfliegt schnell. Tipp: Füllen Sie den Alkohol in eine kleine Sprühflasche, sodass er schnell und unkompliziert eingesetzt werden kann.
    Wenn Sie mehrere Produkte herstellen wollen, lohnt es sich, Bechergläser, metallene Rühraufsätze, metallene Spatel, Löffel, Glasschalen- und flaschen sowie Metalllöffel 20 Minuten im Dampfdrucktopf zu sterilisieren. Der Energieaufwand ist bei modernen Herden gering, sie sparen Alkohol und haben die Garantie annähernd steriler Utensilien. Vorsicht, viele Kunststoffe sind nicht hitzebeständig und verformen sich.
  • Legen Sie mit 70%igem Alkohol besprühtes Küchenrollen-Papier aus, auf das die gereinigten Utensilien abgelegt werden können.Bitte berühren Sie nichts mehr mit den Fingern, was mit den Rohstoffen Kontakt hat! Wer Alkohol an den Händen nicht verwenden möchte, kann alternativ Einweghandschuhe anziehen und die Innenflächen kurz mit Alkohol besprühen.
  • Legen Sie sich einige Küchenrollen-Tücher bereit. Sie können mit ihnen zwischendurch Verunreinigungen der Arbeitsfläche oder der Feinwaage beseitigen.

Tipp: Legen Sie sich das Rezeptblatt (und einen Stift) bereit – warum den Stift, erkläre ich im unteren Abschnitt.

Schritt 2: Stellen Sie Ihre Rührutensilien zusammen:

  • 1 Feinwaage¹ zum Abwiegen der Ingredienzien,
  • 2 feuerfeste Gläser (Marmeladengläser, optimal Bechergläser), die man im Wasserbad erhitzen kann. Wenn Sie sich in dieses Hobby »verliebt« haben, werden Sie Bechergläser schätzen, weil sie direkt auf die Herdplatte gestellt werden können.
  • Mehrere Löffelchen zum Abwiegen und Entnehmen der Zutaten (Metall, alternativ Kunststoff),
  • einen Stabmixer oder Knethaken zum Emulgieren der Wasser- und Fettphase (ein Schneebesen rührt zu viel Luft unter),
  • ein Thermometer (ein digitales Braten-, Tee- oder Laborthermometer); es ist nicht zwingend notwendig, aber sehr sinnvoll,
  • pH-Messpapier oder -stäbchen zur Korrektur des pH-Werts,
  • Cremedosen, Lotionflaschen usw. für die fertigen Kosmetika, eventuell Klebeetiketten, um sie zu beschriften.
¹ Eine Feinwaage, die mindestens in 0,5-g-Schritten wiegt und mindestens 400 g tragen sollte, gehört zu den wenigen Investitionen, die Sie sich leisten sollten. Für den Einstieg bzw. solange Sie unsicher sind, ob Sie bei diesem Hobby bleiben, reicht eine günstige Feinwaage. Leider sind sie nicht für flüssiges Wiegegut gedacht, und ein wenig ins Gehäuse gelaufenes Öl oder Hydrolat kann sie dauerhaft beeinträchtigen. Wenn Sie bei diesem Hobby bleiben, werden Sie später professionelleres Zubehör bevorzugen; hier empfehle ich Waagen mit 0,1-Gramm-Schritten.

Schritt 3: Wiegen Sie alle Zutaten ab und stellen Sie sie bereit:

  1. Das Wasser: Kochen Sie das für die Rezeptur notwendige Wasser (destilliertes Wasser, weiches (!) Leitungswasser) mindestens 5 Minuten im offenen Topf ab, damit es keimfrei ist. Lassen Sie einen Teil davon abkühlen, wenn sie später temperaturempfindliche Wirkstoffe auflösen wollen.
  2. Wirk- und Hilfsstoffe: Wiegen Sie alle Wirk- und Hilfsstoffe ab, die erst bei Handwärme oder nach Erkalten hinzugefügt werden (temperaturempfindliche Rohstoffe und Wirkstofföle der Ölgruppen W-1 bis W-3). Dispergieren Sie den Gelbildner, soweit vorgesehen, separat in ein wenig Alkohol (mindestens 70 Vol-%), Glycerin (optimal 99,5%ig) oder etwas Öl (je nachdem, was die Rezeptur enthält). Stellen Sie diese Vormischungen beiseite.
  3. Fettkomponenten: Geben Sie alle Fettkomponenten in das andere Glas (flüssige Basisöle, Buttern, Konsistenzgeber wie Wachse oder Cetylalkohol, fettartige Wirkstoffe wie Phytosteryl Macadamiate und den/die Emulgator(en). Es ist als Anfänger sinnvoll, die Zutaten einzeln abzuwiegen anstatt sie direkt auf der Waage zusammenzugießen, manchmal rutscht etwas mehr ins Glas als gewollt. Wenn Sie bereits routinierter sind, können Sie Rohstoffe direkt ins Becherglas einwiegen.
  4. Konservierungsmittel: Wählen Sie ein Konservierungsmittel und stellen Sie ggfs. Milch- oder Zitronensäure (zur pH-Wert-Regulation) bereit.

Halten Sie Ihre Beobachtungen fest:

Bei den Vorbereitungen gab ich Ihnen den Tipp, Rezeptblatt und Stift bereitzulegen. Sobald Ihre erste Emulsion gerührt ist, beginnt ihr Einsatz. Nutzen Sie die Reste der Creme oder Lotion, die im Becherglas oder am Spatel vorhanden sind und notieren Sie sich Ihre Eindrücke auf dem Rezeptblatt: Wie fühlt sich die Emulsion an? Wie verstreicht sie sich? Zieht sie schnell ein oder liegt sie eher wie ein Film auf der Haut? Gefällt Ihnen die Haptik, ist sie geschmeidig, weich, fest, stumpf? Wie ist die Konsistenz? Diese Beobachtungen helfen, Rezepte mit der Zeit und wachsender Erfahrung an eigene Bedürfnisse anpassen zu können – etwas mehr Konsistenzgeber oder eben weniger, kein Wachs mehr, Öle austauschen … Duftkombination gelungen? Sofort notieren!

Wichtig für eine realistische Beurteilung ist: Eine Gesichtscreme sollten Sie immer auch im Gesicht prüfen, eine Körperlotion am Körper, eine Hand- oder Fußcreme dort. Grund: Die Charakteristika einer Emulsion müssen zu ihrer Funktion passen, und wir haben im Gesicht, am Körper, an Händen und Füßen unterschiedliche Bedürfnisse. Ich liebe manche Rezepturen als Körpercreme, während sie sich im Gesicht für mich unangenehm anfühlen. Umgekehrt kann eine Creme im Gesicht sehr geschmeidig aufzutragen sein, während sie bei großflächigem Auftrag am Körper plötzlich stoppend wirkt. Der trockene, leichte Schutzfilm einer Handcreme erweist sich im Gesicht überraschend als unangenehm wachsige Schicht …

Schließlich: Prüfen Sie die Emulsion nach 24–48 Stunden noch einmal. Direkt nach dem Rühren ist die Bildung der stabilisierenden »Gerüste« innerhalb der Emulsion noch nicht abgeschlossen. Sie muss noch mindestens 24 Stunden »reifen«; richtig ausgebildet sind sie oft erst nach mehreren Tagen. Daher: Prüfen Sie die Emulsion nach einer Woche erneut nach oben genannten Kriterien und notieren Sie Ihre Eindrücke. Es lohnt sich: Mit der Zeit entwickeln Sie auf Basis Ihrer Beobachtungen wertvolle Erfahrungen für Ihre weiteren Experimente.