Pflanzen verarbeiten

Pflanzeninhaltsstoffe

In diesem Beitrag finden Sie eine kurze Übersicht über typische pflanzliche Inhaltsstoffe, die wir kosmetisch nutzen.

Carotinoide

Carotinoide werden zu den sog. Phytaminen gerechnet und kommen in den meisten Obst- und Gemüsesorten vor. Sie bedingen die gelbe bis rote Färbung von Blüten und Früchten. Bekannt sind sie insbesondere als Antioxidantien. Anders als das Carotin haben sie keinen Provitamin-Charakter. Carotinoide sind empfindlich gegen Wärme und Sauerstoffeinfluss.

In relevanten Mengen enthalten in

Pflanzenölen, z. B. Sanddornfruchtfleischöl und Wildrosenöl.

Flavonoide

Flavonoide gehören, wie auch die Phenolsäuren, zu den sog. Polyphenolen. Es gibt verschiedene Gruppen an Flavonoiden, die teilweise fett-, teilweise wasserlöslich sind (Flavone, Flavonole, Flavanone, Flavanole, Anthozyane, Isoflavanole, Isoflavonoide und Lignane; letzere sind Phytoöstrogene, die hormonähnlich wirken). Da sie in der Regel an Glucose oder andere Zucker gebunden sind, nennt man sie auch Glykoside. Sie bilden als Pflanzenfarbstoffe die typische gelbe Farbe bekannter Obst- und Gemüsesorten (das lateinische Wort flavus bedeutet gelb). Neben Vitamin E und C sind Flavonoide die wirksamsten Antioxidantien, die in Pflanzen vorkommen; sie gelten als Radikalfänger. Eine bekannte Eigenschaft vieler Flavonoide ist ihre hemmende Wirkung auf die Hyaluronidase, d. h. dem Abbau von Hyaluronsäure im Bindegewebe. Weiterhin wirken viele Flavonoide entzündungshemmend.

In relevanten Mengen enthalten in

Rotklee (Trifolium praetense), Hopfen (Humulus lupulus), Grüner Tee (Camellia sinensis).

Gerbstoffe

Gerbstoffe sind wasser- und alkohollösliche Substanzen (vorwiegend in Stamm- und Wurzelrinden, Wurzelstöcken, aber auch in Blättern und Früchten enthalten), die vor allem adstringierend (zusammenziehend) wirken. Sie gehören zu den Polyphenolen und wirken auf die Collagenfasern der Haut, indem sie mit den Collagen-Proteinen unlösliche Komplexe bilden, sie zusammenziehen, verfestigen und verdichten. Auf diese Weise erhöhen sie die Barriere für Keime, wirken antibakteriell, verzögern den Abbau von Hyaluronsäure und vermindern den transepidermalen Wasserverlust. Geringerere Gerbstoff-Konzentrationen reduzieren die Sekretion der Hautdrüsen und die Flüssigkeitsabgabe, hohe Einsatzkonzentrationen verdichten die oberen Hautschichten und wirken leicht lokalanästethisch (betäubend).
Gerbstoffhaltige Kosmetika unterstützen aus diesen Gründen insbesondere die Pflege entzündlicher Haut, mindern Sonnenbrand, Juckreiz und reduzieren die Schweißbildung.

In relevanten Mengen enthalten in

Katechine: Eichenrinde, Ratanhiawurzel
Tannine: Hamamelis, Grüntee (Camellia sinensis).

Phytohormone

Diese Stoffgruppe fasst Substanzen mit hormonähnlicher Wirkung zusammen. Dazu zählen z. B. Wachstumshormone, Blühhormone oder Phytooestrogene. Sie gelten als starke Antioxydanzien. Die innerliche Einnahme von Pflanzenhormonen wird derzeit noch kontrovers diskutiert, die Ergebnisse verschiedener Studien unterschiedlich bewertet. Ihr Einsatz in Kosmetika ist jedoch sehr beliebt: sie sollen nachweislich den Zellstoffwechsel aktivieren und die Zellteilung beschleunigen, die gerade bei reifer Haut deutlich verlangsamt ist.

In relevanten Mengen enthalten in

Rotklee (Trifolium praetense), Hopfen (Humulus lupulus), Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa).

Phytosterine

Phytosterine sind mit dem Cholesterin verwandte fettähnliche Substanzen, die in pflanzlichen Quellen (dort vor allem in fetthaltigen Samen) vorkommen und zu den Sterolen gezählt werden. Phytosterinreiche Pflanzenprodukte sind z. B. Sheabutter (dort vor allem im so genannten Unverseifbaren), Avocado- und Sojaöl. Kosmetisch interessant sind Phytosterine in ihrer Eigenschaft als Emmolients (d. h. weichmachende, glättende Stoffe), Konsistenzgeber und Emulgatoren. Sie ersetzen das in den Lipidlayern des Stratum Corneum enthaltene Cholesterin und stabilisieren die Barrierefunktion der Haut.

In relevanten Mengen enthalten in

Sheabutter (Butyrospermum parkii), Avocadoöl (Persea gratissima), sehr konzentriert in Phytosteryl Macadamiate und Avocadin® HU 25.

Saponine

Saponine sind seifenähnliche Inhaltsstoffe, die ihren Namen von dem lateinischen Wort sapo, Seife, erhalten haben. Sie setzen die Oberflächenspannung von Wasser herab und fördern in pflanzlichen Extrakten die Aufnahmefähigkeit der Haut, so dass Inhaltsstoffe besser eindringen können. Daraus resultiert die häufige Beobachtung, dass Gesamtpflanzenauszüge oft besser wirken als isolierte Einzelsubstanzen.
Einige Saponine wirken hemmend auf das Wachstum von Bakterien und Pilzen.

In relevanten Mengen enthalten in

Bekannt ist die Wirkung der Triterpensaponine in der Rosskastanie, die die Zellwände der Venen stabilisieren und den Collagenabbau hemmen.

Schleimstoffe

Schleimstoffe gehören wie auch Zellulose, zu den Polysacchariden. Sie sind hochmolekular und in Wasser gut löslich. Im Gegensatz zu Zellulose, die stark gerüstbildend ist und die Zellen der Pfanze stabilisiert und härtet, bilden Schleimstoffe in Wasser ein mehr oder weniger festes, nicht klebriges Gel. Je nach Art der Zuckerbausteine (z. B. Glucose, Mannose u. a.) gibt es neutrale und saure Schleime; letztere gelen stärker.
Kosmetisch interessant sind Schleimstoffe wegen ihrer einhüllenden und hautschützenden Wirkung. Insbesonders sensible Haut profitiert von den reizlindernden und entzündungshemmenden Eigenschaften schleimhaltiger Pflanzendrogen.

In relevanten Mengen enthalten in

Malve, Quitte, Eibisch oder Spitzwegerich.