Pflanzen verarbeitet: Einzelportraits

Passionsfruchtsamenextrakt

Passionsfrüchte

Neben pflanzlichen Ölen bilden selbst hergestellte Pflanzenextrakte die wesentlichen Komponenten meiner eigenen Naturkosmetik. Schön ist, dass viele Rohstoffe, die wir als Extrakte nutzen können, zuhause im Obstkorb oder im Kühlschrank auf uns warten. So ist es auch mit den Samen der herrlich schmeckenden Passionsfrucht (Passiflora edulis). In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, wie Sie den Extrakt herstellen können und was er kosmetisch leistet.

Mein Interesse an dieser Extraktion wurde durch Online-Recherchen geweckt: Extrakte aus den Samen der Passionsblume enthalten einen hohen Anteil an antioxidativ wirkenden Polyphenolen (darunter primär Piceatannol, d. h. 3,4,3′,5′-tetrahydroxy-trans-stilbene), zeigen positive Effekte auf die Collagensynthese (1) und schützen vor UVB-indizierten Hautschäden (2). Bei einer ethanolischen Extraktion werden zudem auch einige Anteile an lipophilen Substanzen extrahiert, so in den Samen enthaltene 2-fach ungesättigte, hautbarriereschützende Linolsäure. Beim nächsten Einkauf wanderten daher 4 Bio-Passionsfrüchte in meinen Einkaufskorb.

Die Vorbereitung der Passionsfruchtsamen

Die Vorbereitung der Samen erfordert einen gewissen Aufwand, da das Fruchtfleisch (die Pulpa) stark an den Samen haftet. Zunächst wurden die Früchte halbiert und das Innere mit einem Löffel durch ein Sieb gestrichen. Der aufgefangene Saft ist köstlich und wird der inneren kosmetischen Verwendung zugeführt. 😉

Anschließend werden die in der Pulpa eingebetteten Samen im Sieb gründlich unter fließendem Wasser gewaschen und mit einem Zellstofftuch trockengetupft. Ich habe sie mehrere Tage bei Zimmertemperatur in dünner Lage auf Zellstoffpapier gut trocknen lassen.

Nach dem Trocknen werden die immer noch mit Fruchtfleisch behafteten Samen in ein Küchentuch gegeben, das man wie einen Beutel an allen Ecken zusammenschlägt und mit einer Hand frei in der Luft hängen lässt; mit der anderen Hand kann das »Säckchen« mit den Samen geknetet werden. Auf diese Weise reiben die Samen an einander, und das getrocknete Fruchtfleisch löst sich weitgehend.

In einem letzten Arbeitsschritt werden alle Samen manuell verlesen und sehen dann so aus:

Passionsfruchtsamen, gereinigt

Herstellung des Extrakts

Ich schwankte zwischen einer Soxhlet-Extraktion und einer Turbo-Extraktion, habe mich dann aber für letztere entschieden. Für 100 g Extrakt habe ich 70%igen Ethanol vorbereitet (Sie benötigen dafür ca. 69 g Ethanol (95 Vol.-%) und 31 g Wasser. Sie können, wenn Sie reinen Ethanol haben, meinen Konservierungsrechner nutzen, um ihn auf 70 Vol-% herunterzurechnen. Für diesen Fall gilt hier die 2. Angabe in Gramm: 69,1 g 95%igen Alkohol und 30,9 g Wasser – ich habe gerundet. Hier sehen Sie das Ergebnis und meine Eingaben in meinen Rechner :

Umrechnen von Ethanol 95 Vol.-% auf 70 Vol.-%

Umrechnen von Ethanol 95 Vol.-% auf 70 Vol.-% mit dem Konservierungsrechner.

Die eigentliche Extraktion erfordert einen Stabmixer und eine kleine Schale mit kaltem Wasser zur Kühlung, damit der Extrakt nicht zu heiß wird.

Eine Turboextraktion (auch Wirbelextraktion genannt) zerkleinert das Pflanzenmaterial und verwirbelt die aufgebrochenen Feinstpartikel intensiv mit dem Lösungsmittel. Auf diese Weise werden alle Kammern des Pflanzenmaterials durchspült und die enthaltenen Stoffe herausextrahiert. Dieses Verfahren wird in der pharmazeutischen Praxis verwendet und erzeugt Extrakte, die mehr Inhaltsstoffe enthalten als wenn Sie Pflanzen mehrere Wochen in Alkohol ziehen lassen. Ich führe diese Extraktion mit einem Labordispergierer, einem Ultra Turrax® durch – ein Stabmixer leistet vergleichbare Dienste. Es ist wirklich phantastisch, was mit Küchenutensilien möglich ist, wenn man die Zusammenhänge kennt. 🙂

Füllen Sie einfach die Passionsfruchtsamen (die 4 Früchte ergaben 20 g nach Trocknung und Säuberung), 69 g Ethanol (95 Vol.-%) und 31 g Wasser in ein Becherglas und stellen Sie diesen in eine mit kaltem Wasser gefüllte Schale. Dann starten Sie die Extraktion. Sie sollte mindestens 5 Minuten, höchstens 10 Minuten dauern. Sie können das Extraktionsmittel auch vorher mischen und zweimal extrahieren, erst 5 Minuten mit einer Hälfte davon, dann pressen Sie die Samen aus und setzen sie noch einmal mit frischem Auszugsmittel an. Dieses Verfahren löst noch mehr Inhaltsstoffe, da im 2. Durchgang das frische Lösungsmittel noch nicht gesättigt ist und die Reste an Substanzen lösen kann. Wenn Ihnen das zuviel Aufwand ist: Auch eine einmalige Extraktion ist intensiver als die Extrakte nach üblichem Verfahren, die wochenlang ziehen.

Ich lasse den Extrakt im Becherglas gut verschlossen mehrere Stunden sedimentieren und filtere ihn anschließend erst durch einen Büchnertrichter, dann durch eine Glasfilternutsche. Die Pflanzenreste werden mit 2 Löffeln gut ausgepresst und ebenso gefiltert, um möglichst viel des kostbaren Extrakts zu gewinnen. Der Extrakt ähnelt farblich Kaffee und hat einen angenehmen, aromatischen Duft:

Passionsfruchtsamenextrakt in der Pipette

Einsatz in kosmetischen Produkten

Passionsfruchtsamenextrakt eignet sich in seinem Wirkprofil vor allem für die reife und trockene Haut, indem er die Collagensynthese fördert und die Hautzellen vor lichtbedingtem Stress schützt. Ich empfehle ca. 1–3 % Extrakt in Emulsionen (bei Handwärme hinzufügen) oder als Zusatz in einem Gesichtswasser oder einer Schüttellotion.

Abgefüllter Passionsfruchtsamenextrakt-abgefuellt

 

Quellen

  1. Yuko Matsui, Kenkichi Sugiyama, Masanori Kamei, Toshio Takahashi, Tamio Suzuki, Yohtaro Katagata, and Tatsuhiko Ito: Extract of Passion Fruit (Passiflora edulis) Seed Containing High Amounts of Piceatannol Inhibits Melanogenesis and Promotes Collagen Synthesis. J. Agric. Food Chem., 2010, 58 (20), pp 11112–11118

  2. Maruki-Uchida H1, Kurita I, Sugiyama K, Sai M, Maeda K, Ito T.: The protective effects of piceatannol from passion fruit (Passiflora edulis) seeds in UVB-irradiated keratinocytes. Biol Pharm Bull. 2013; 36 (5): 845-9.

  3. Silva, R. M., Placido, G. R., Silva, M. A. P., Castro, C. F. S., Lima, M. S. and Caliari, M.: Chemical characterization of passion fruit (Passiflora edulis f. flavicarpa) seeds. African Journal of Biotechnology, Vol. 14(14), pp. 1230-1233, 8 April, 2015.