Pflanzen verarbeitet: Einzelportraits

Granatapfel-
und Olivenblatt-Extrakt

Olivenblätter, getrocknet

In meinem Spezialkühlschrank stehen wundervolle Pflanzenextrakte aus eigener Herstellung, alle basierend auf einem Auszugsmittel aus reinem Weingeist, pflanzlichem Glycerin und selbst destilliertem Hydrolat. Seit letztem Wochenende haben sie Zuwachs bekommen: Durch Olivenblatt- und Granatapfelextrakt. Ich werde oft gefragt, wie ich meine Extrakte herstelle, und vor allem die Verwendung von Turrax und Glasfilternutsche zur Qualitätsoptimierung ist für viele ein Novum. In diesem Beitrag möchte ich daher kurz dokumentieren, wie ich vorgehe.

Den Sommer 2012 verbrachte ich mit meiner Familie u. a. in der Nähe von Cala Llombards auf Mallorca. Auf den umliegenden Hängen standen Olivenbäume, und im Garten unseres Ferienhauses blühte ein Granatapfelbaum. Von beiden nahm ich eine gute Handvoll junger Zweigspitzen, die ich im Schatten trocknen ließ; zuhause ergaben sie jeweils ca. 10 g Blätter – nicht viel, ich weiß, aber ich bevorzuge kleine, frische Chargen, und da turboextrahierte Pflanzenextrakte sehr intensiv sind, können Sie niedrig dosiert eingesetzt werden. In Apothekergläsern verschlossen warteten meine Pflanzen-Schätze nun seit August auf ihre Verarbeitung; in ihnen hatten sie einen erstaunlich angenehmen und sehr intensiven Duft entwickelt, den ich bei den optisch unspektakulären, graugrünen Blattdrogen gar nicht vermutet hätte.

Sie werden sich möglicherweise fragen, warum ich diese beiden Pflanzen gewählt habe. Olivenblattextrakt ist kosmetisch bekannt und gilt als hautschützendes Antioxidans durch das in den Blättern konzentriert vorliegende Polyphenol Oleuropein; Granatapfelblattextrakt wird seltener vermarktet, enthält jedoch auch nachweislich verschiedene Flavone und Polyphenole sowie das Egallitannin Punicafolin mit zellschützenden Eigenschaften. Mein gesamtes naturkosmetisches Konzept setzt auf Zellschutz: Stabile Pflanzenöle und Phytosterole, Tocos (Tocopherole und Tocotrienole) sowie pflanzliche Antioxidantien wie Gamma-Oryzanol und Extrakte bilden ausgezeichnete Grundlagen, um die Haut vor oxidativem Stress zu schützen.

Hier sehen Sie meine getrockneten Granatapfelblätter (die Olivenblätter sind oben auf dem Artikelbild zu sehen) …

Granatapfelblätter

Durchführung einer Turbo-Extraktion

Zu Beginn stelle ich das Lösungsmittel her aus

  • 50 % reinem Alkohol,
  • 20 % pflanzlichem (Bio-)Glycerin und
  • 30 % Hydrolat (ich habe mich für mein Mädesüßhydrolat entschieden).

Die Blattdroge wird grob vorzerkleinert (mit einem scharfen Messer oder durch Zerdrücken in einer Tüte). Anschließend fülle ich sie in ein Becherglas und gieße das Lösungsmittel ca. im Verhältnis 1:10 auf. Wichtig ist, dass die Pflanzen vollständig vom Lösungsmittel bedeckt sind. Anschließend beginnt die sogenannte Turboextraktion, hier mit einer IKA Ultra Turrax T 18. Der Rotor/Stator des Dispergierwerkzeugs (das S 18 N – 19 G) zerkleinert das Pflanzenmaterial bei ca. 10.000 rpm; da hierbei durch die Reibungs- und Scherkräfte viel Wärme entsteht, stelle ich das Becherglas in eine Schale mit kaltem Wasser. So gewährleiste ich eine Temperatur des Ansatzes unter 35 °C. Die Extraktion dauert ca. 5 Minuten. Sie haben vermutlich keinen Turrax? Kein Problem: Ein Stabmixer wie der ESGE Zauberstab ist für eine Belastung über 5 Minuten ausgelegt und hervorragend (und wirklich gleichwertig) für diese Extraktionsmethode geeignet. Er wird auch in vielen Laboren verwendet. Da ich nun einmal einen Turrax habe, verwende ich ihn auch hierfür – das ist der einzige Grund.

Turboextraktion im Wasserbad

Der Begriff Turboextraktion stammt übrigens nicht von mir, auch nicht die Methode selbst. Ich lernte sie durch ein sehr schönes Buch kennen, »Pharmazeutische Technologie« von Rudolf Voigt (ich habe die Ausgabe von 2006; dort ist die Methode auf S. 530 beschrieben). Die Turboextraktion, so hat sich in der Praxis erwiesen, extrahiert intensiver als das gewöhnliche wochenlange Ausziehen von Pflanzen. Ausschlaggebend ist das Erreichen eines Konzentrationsgleichgewichts zwischen dem Pflanzenmaterial und dem umgebenden Lösungsmittel. Ist die Wirkstoffkonzentration in beiden gleich, findet keine weitere Extraktion mehr statt. Durch das Verwirbeln und Zerkleinern bei der Turboextraktion wird das pflanzliche Gewebe intensivst durchspült und gibt im Kontakt mit dem Auszugsmittel seine Schätze frei – und dies innerhalb von wenigen Minuten: »Durch das intesive Wirbeln der Extraktionsflüssigkeit und der Droge werden die Lösungs- und Diffusionsvorgänge exttem beschleunigt, so dass eine Extraktionszeit von 5–10 min ausreicht. […]. Die Turboextraktion liefert Auszüge, die den nach den Mazerations- oder Perkolationsverfahren hergestellten Auszügen vergleichbar oder sogar höherwertiger sind.« (a. a. O.) Eine Freundin, die für ihre Naturkosmetik Parakresse (Spilanthes oleracea L.) extrahiert, konnte dies bestätigen: Während der normale, mehrwöchige Pflanzenextrakt kaum Wirkung zeigte, spürte sie die betäubende Wirkung des turboextrahierten Extrakts sofort; die ganze Zungenspitze wurde beim Kosten taub. Überzeugender kann keine Studie sein. 🙂

Unten: Nach der Extraktion ist das Lösungsmittel mit Schwebstoffen und Feinstpartikeln durchsetzt, sodass sich empfiehlt, das Becherglas zunächst 24 Stunden gut abgedeckt stehen zu lassen, damit die Partikel sedimentieren.

Frischer Extrakt

Unten: So sieht der Extrakt nach 24 Stunden aus: Klare Flüssigkeit hat sich über einem Bodensatz organischer Feinstpartikel abgesetzt.

Sedimentation der Festpartikel

Unten: Die klare Flüssigkeit gebe ich direkt in die Glasfilternutsche. Ich habe Porosität 5 gewählt, das ist eine Sterilfilterung (Nr. 4 ist auch sehr gut; kleiner als 3 sollten Sie nicht wählen). Ganz unten werde ich die gesamte Apparatur mit entsprechenden Bezugshinweisen noch einmal nennen:

Unten: Im Glas sammelt sich der glasklare, golden reflektierende Extrakt (hier ist es der farblich intensivere Olivenblattextrakt). Kosmetische Kaufextrakte sind oft aus Gründen der Marktakzeptanz entsprechend aufbereitet und weitgehend farblos – was sich negativ auf den Wirkstoffgehalt auswirkt.

Der gefilterte Extrakt

Den Bodensatz im Becherglas habe ich derweil durch einen Kaffeefilter grobgefiltert (Teefilter sind auch geeignet). Der Filter wird zum Schluss mit zwei Löffeln ausgepresst, um nichts vom kostbaren Extrakt zu verlieren, dann filtere ich den Rest ebenfalls durch die Nutsche.

Diese Extrakte sind kleine Kostbarkeiten und werden in einer Einsatzkonzentration von 1–3 % eingesetzt. Vor allem, wenn man die Pflanzen selbst erntet und verarbeitet, wenn man sie gar selbst gezogen hat, ist der Extrakt aus ihnen nicht nur naturkosmetischer Rohstoff, sondern Erinnerung an sonnige Nachmittage im Garten oder an die von Mandelduft geschwängerte Luft, wenn man in einem Mädesüß-Feld steht. Meine beiden Extrakte werden mich an diesen Sommer erinnern, an meinen Blick morgens von der Terrasse in den Olivenhain.

Das Zubehör

So sieht der Gesamtaufbau aus: Auf der sogenannten Saugflasche sitzt in einem Gummikonus die Glasfilternutsche (hier habe ich den Konus und die Nutsche Porosität 4 zusammengestellt). Der notwendige Unterdruck in der Flasche wird durch den Peleusball erzeugt. Lassen Sie sich gegebenenfalls telefonisch beraten.

Nutsche mit Glasflasche, Gummikonus und Peleusball

Der Peleusball ist einfach zu verwenden. Oben sehen Sie, wie er an dem Saugstutzen befestigt ist. So erzeugen Sie einen Unterdruck in der Saugflasche:

Peleusball: So setzt man ihn ein (Schritt 1)

Peleusball: So setzt man ihn ein (Schritt 2)

»Vakuum« stimmt nicht wörtlich; wir erzeugen einen Unterdruck. Ich denke jedoch, Sie wissen, was ich sagen möchte.

Warum ich meine eigenen Pflanzenextrakte herstelle

Bis auf CO2-Extrakte (vor allem die einiger nativer Pflanzenöle) bevorzuge ich meine eigenen Auszüge. Gründe gibt es mehrere: Einer ist die Vielseitigkeit, die sich mir bietet, frische Pflanzen oder getrocknete pflanzliche Drogen aus dem Fachhandel zu verarbeiten. Vor allem habe ich die Wahl, meine Lösungsmittel selbst zu wählen. Während die im Handel verfügbaren Pflanzenextrakte überwiegend auf Propylenglycol beruhen, kann ich bei meinen eigenen reinen Weingeist einsetzen und pflanzliches Glycerin. Darüber hinaus kenne ich ihre alkoholische Konzentration – Kaufextrakte weisen nur selten aus, wie hoch sie konzentriert sind. Gerade wenn man Pflanzenextrakte in konservierender Zusatzfunktion nutzt, ist dies ein echtes Handycap.

Der wichtigste Grund ist jedoch ein emotionaler: Pflanzen verarbeiten und sie für das eigene Wohlbefinden einzusetzen macht glücklich. Versuchen Sie es. 🙂