Pflanzen verarbeitet: Einzelportraits
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Extrakt aus weißen Taubnesselblüten

Vorbereitung der Taubnesselblüten

Wer im Frühjahr in der Natur mit aufmerksamen Augen unterwegs ist, begegnet ihr überall: der weißen Taubnessel, Lamium alba L., ein Lippenblütengewächs. Sie wächst wild entlang von Wegen, an Waldrändern und auf Wiesen. Die Pflanze wird in der Volksheilkunde vor allem gegen leichte Hautentzündungen eingesetzt; klinische Erfahrungen bestätigen ihre entzündungshemmenden Wirkungen¹, die vor allem auf ihrem Gehalt an ca. 14 % Gerbstoffen, Iridoiden, Saponinen, Flavonen und Schleimstoffen beruhen. Verwendet werden die weißen, leicht nach Honig duftenden Blüten.
Ich habe diesmal einen Extrakt auf Basis von Weingeist und Glycerin hergestellt, da reine Glycerite sich schlecht durch eine Glasnutsche filtern lassen und die verbleibenden pflanzlichen Partikel die mikrobielle Stabilität selbst hergestellter, naturkosmetischer Emulsionen verringern können.

Zunächst werden die Blüten aus den Kelchen gelöst und mit einem scharfen Messer fein geschnitten. Anschließend gebe ich sie in ein Becherglas. Für 100 g Extrakt benötigen Sie 10 g Blüten; als Auszugsmittel werden z. B. 23 g reines Glycerin und 67 g Alkohol (70 % vol.) ergänzt. Selbstverständlich sind auch andere Mischungen möglich; ich werde diese Saison verschiedene ausprobieren.

Taubnesselblüten im Auszugsmittel

Frische Taubnesselblüten im Auszugsmittel

Oben: Hier sehen Sie einen kleinen Ansatz; ich werde zunächst 30 g herstellen, da ich dieses Jahr mit verschiedenen Pflanzen experimentieren möchte und mir sehr wichtig ist, alle Extrakte innerhalb eines Jahres aufzubrauchen.

Turboextraktion frischer Taubnesselblüten

Turboextraktion frischer Taubnesselblüten

Fertiger Taubnesselextrakt

Fertiger Taubnesselextrakt

Oben: Für eine sogenannte Turboextraktion eignet sich zuhause ein Stabmixer wie der Zauberstab hervorragend. Eine Turboextraktion extrahiert nachweislich intensiver und vollständiger als ein mehrwöchiges Mazerat: durch die hohen Scherkräfte und die Messer des Stabmixers wird das Pflanzenmaterial feinst verkleinert, intensiv mit dem Auszugsmittel durchmischt und die Inhaltsstoffe durch das Konzentrationsgefälle zwischen Pflanze und Auszugsmittel annähernd vollständig ausgespült. Am Ende der 5-minütigen (!) Extraktionszeit haben wir einen qualitativ hochwertigen Extrakt ohne pflanzliche Zersetzungsprodukte, wie sie oft in wochenlang mazerierenden Ansätzen entstehen. Wichtig ist eine gute Kühlung während der Extraktion, z. B. durch eine Schale mit kaltem Wasser. Dies garantiert eine Temperatur des Ansatzes unter 35 °C. Ich verwende meinen Ultra Turrax® T18 mit dem kleinen Dispergierwerkzeug S 18 N-10 G (siehe Foto oben). Nach dem Filtern durch eine Glasnutsche (Filter mit der Porosität 4) ist der fertige Extrakt vollkommen klar und frei von Schwebstoffen.

Eingesetzt werden kann der sanft entzündungshemmende Blütenextrakt in Emulsionen, Fluids und Gesichtswässern bei fettender, entzündlicher und gereizter Haut; durch den Glycerinzusatz wirkt er leicht hydratisierend. Als Einsatzkonzentration empfehle ich 3–5 %; geben Sie den Extrakt bei Handwärme in das Produkt und arbeiten Sie ihn gut ein.

Mengenangaben für einen Auszug mit reinem Weingeist und Glycerin (100 g)

1. Möglichkeit (mit reinem Alkohol)

  • 45,0 g Alkohol (96 % vol.)
  • 23,0 g Glycerin (99 %)
  • 22,0 g Wasser oder Hydrolat
  • 10,0 g Pflanzen

2. Möglichkeit (mit 70 %igem Alkohol)

  • 67,0 g Alkohol (70 % vol.)
  • 23,0 g Glycerin (99 %)
  • 10,0 g Pflanzen

Sie können selbstverständlich auch das »normale« Glycerin (86,5 %) verwenden; die Gesamtkonzentration an Alkohol und Glycerin reicht für eine Konservierung des Extrakts aus.

Quellenangabe

¹ Matthias Augustin, Yvonne Hoch (Hrsg.): Phytotherapie bei Hauterkrankungen. Grundlagen – Praxis – Studien. München, Urban & Fischer, 2004, S. 236 ff.

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