Pflanzen verarbeiten
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Hydrolate destillieren

Hydrolate destillieren: Aus der Destille tropfendes Hydrolat

Neben dem Ansatz als wässrig-alkoholische Tinkturen und Ölmazerate bieten Pflanzen eine weitere, wundervolle Möglichkeit, ihre Wirkstoffe in unserer Natur-Kosmetik zu nutzen: Wir können mit Wasserdampf (je nach Pflanze) ätherische Öle und Hydrolate destillieren. In diesem Beitrag möchte ich Ihnen das Prinzip der Wasserdampf-Destillation erläutern und Sie Schritt für Schritt, mit Fotos unterstützt, durch eine Destillation begleiten. Ich werde sie mit einer traditionellen Kupferdestille durchführen, deren Bauplan auf Konstruktionsskizzen Leonardo da Vincis zurückgeht und mit deren Typ heute noch weltweit destilliert wird, Sie erhalten dieses Modell in Österreich über die Webseite www.aetherischesoel.at.

Da ich regelmäßig gefragt werde, wie man zuhause qualitativ hochwertige Hydrolate herstellen kann, beginne ich diesen Beitrag mit meinen 7 Destillier-Tipps. Sie gelten für Destillierbedingungen in unserer heimischen Rührküche:

7 Destillier-Tipps im Überblick

  1. Eine gute Orientierung ist die Regel der 1:1-Destillation, das bedeutet 100 g (frisches) Pflanzenmaterial ergeben 100 g (ml) Destillat. Bei getrockneten Drogen ist der Ertrag ergiebiger; hier hat sich eine Destillation im Verhältnis 1:2 bis maximal 1:3 bewährt. Riechen Sie an dem Hydrolat, das heraustropft, schmecken Sie es, irgendwann lässt die Qualität deutlich nach. Auch der pH-Wert gibt Orientierung: Hydrolate bewegen sich im sauren Bereich; im Verlauf der Destillation bewegt sich der pH-Wert immer stärker gegen 6–7. Beenden Sie die Destillation, sobald der pH-Wert steigt.
  2. Nehmen Sie qualitativ hochwertiges, weiches Wasser oder – noch besser – stilles Quellwasser. Es muss nicht zwingend destilliert sein, denn das wird es ja im Laufe der Destillation sowieso. Nicht wenige bevorzugen destilliertes Wasser, um die Rückstände im Kessel zu minimieren – finden Sie Ihre Variante. Wichtig: Trockenes Pflanzengut saugt einen großen Teil des verdampften Wassers auf. Berücksichtigen Sie dies bei der Berechnung des zu erwartenden Hydrolats, sonst läuft Ihnen die Destille heiß, weil sie leer ist.
  3. Zerkleinern Sie in der Regel das Pflanzenmaterial, um die Ausbeute zu erhöhen; es dürfen keine größeren Hohlräume im Destilliergut auftreten. Es sollte jedoch nicht zermahlen oder gar pulverisiert werden, denn der Sauerstoffkontakt des Zellsaft aus den zerstörten Zellverbänden fördert oxidative und enzymatische Prozesse, die zur Bildung von sekundären Stoffwechselprodukten führen; auch verdichtet dies das Destilliergut im Aromakorb so stark, dass der Dampf nicht alle Partikel benetzen, sie aufquellen und in Folge die flüchtigen Stoffe durch Hydrodiffusion und Osmose nicht aus ihnen lösen kann. Bei stark krümelndem Destilliergut empfiehlt es sich, Zelltuch in den Aromakorb zu legen, damit keine Partikel in den Kessel gelangen und eventuell anbrennen. Auch ein weiteres Metallsieb ist denkbar, lässt aber staubfeine Partikel durch. Auf diese Weise verlangsamen sie auch den Durchsatz des Dampfes und lassen ihm mehr Zeit, das Destilliergut zu durchdringen. Rinde wird fein gehäckselt, Samen gemörsert und angestoßen, Blätter und Blüten mit scharfem (!) Messer zerkleinert.
  4. Arbeiten Sie mit größter Sauberkeit, sobald das Hydrolat aufgefangen wird. Desinfizieren Sie alle Behältnisse sorgfältig. Bei Hydrolaten mit Schwebstoffanteil, die mikrobiellen Verderb begünstigen, sollte das Hydrolat gefiltert werden. Suzanne Catty empfiehlt ungebleichte Kaffeefilter, die in der Mikrowelle sterilisiert werden (mehrmals kleine Einheiten sollen sehr effektiv sein). Ich habe gute Erfahrung mit einem Büchnertrichter bzw. einer Glasnutsche gemacht (Porosität 3 oder 4).
  5. Füllen Sie die Hydrolate in dampfsterilisierte oder mit Alkohol desinfizierte Glasflaschen (ich nehme den Dampfdrucktopf, um sie zu sterilisieren), lagern Sie die Hydrolate kühl (9–14 °C) und dunkel. Vermeiden Sie häufiges Öffnen.
  6. Geben Sie dem Hydrolat Zeit zu reifen: In der Literatur werden ca. 4–6 Wochen angegeben, in dem ein Hydrolat reift; erst danach verändert es sich nicht mehr im Duft. Ich kann dies bestätigen. Beim frischen Hydrolat ist der Geruchsertrag oft schwach ausgeprägt, oder es dominiert eine olfaktorische Komponente sehr stark. Im Verlauf des Reifungsprozesses verbinden sich die Aromen, der Gesamteindruck wird weicher und intensiver. Dabei verändern sich Hydrolate aus getrocknetem Pflanzengut deutlicher als solche aus Frischpflanzen. Kupfer erweist sich hier als vorteilhaft: Es bindet Schwefelkomponenten und Hefen an sich, die den Geruch beeinträchtigen; »[t]he destillate will be sweet and pleasant immediately«³.
Wichtig: Lassen Sie die Destille nicht unbeaufsichtigt, füllen Sie genügend Wasser in den Kessel, damit sie nie leer »fährt« und sich überhitzt.

Das Prinzip der Wasserdampfdestillation

Die Destillation von Pflanzen mit Wasserdampf entspricht im Wesentlichen immer dem gleichen Prinzip, auch wenn sich die Konstruktion der Destillen im Detail unterscheidet. Folgende Skizze zeigt am Beispiel der Leonardo-Destille, wie dieses Prinzip funktioniert:

  1. Unten im Kessel, der mit Wasser gefüllt ist, befindet sich der Aromakorb mit dem Pflanzenmaterial. Wichtig ist, dass der Boden des Aromakorbs über dem Wasserspiegel steht, so dass die Pflanzen keinen direkten Kontakt mit dem Wasser haben. Bei dieser Destille sind es 1–1,5 Liter.
  2. Die Kühlkuppel oben wird mit kaltem Wasser (eventuell Eis) befüllt bzw. über ein Pumpensystem mit frischem, kalten Wasser gekühlt.
  3. Das im Kessel befindliche Wasser wird nun erhitzt und beginnt zu sieden. Der nach oben steigende Wasserdampf durchdringt das Pflanzenmaterial und die feinen Spalten von Blüten, Blättern und Rinden und reißt dabei die flüchtigen Stoffe mit nach oben in die Kuppel. Dies sind vor allem Ketone, Alkohole, Oxide, Hydrocarbonate, Aldehyde, Acetate u. a., also Substanzen aus ätherischen Ölen und andere, wasserlösliche flüchtige Substanzen, die leichter sind als Wasser.
  4. Oben trifft der heiße Wasserdampf auf die innere, kühle Metallfläche der Kuppel, kondensiert und läuft seitlich die Kuppel hinunter in die Rinne und aus dem Dampfrohr nach außen. Das ist das Hydrolat mit Anteilen an ätherischem Öl.Oben: Das Prinzip der Wasserdampfdestillation (hier am Beispiel der Leonardo-Kupferdestille).
Leonardo-Destille, zusammengesteckt

Leonardo-Destille, zusammengesteckt

Unten: Mit der Leonardo-Destille kann je nach Ausgangsmaterial eine erstaunliche Menge an ätherischem Öl gewonnen werden. Hier sehen Sie das frisch nach der Destillation sichtbare Resultat aus angetrockneten Lavendelblüten; sie füllten gerade den Aromakorb. Der Rest feinst verteilter Öltröpfchen befindet sich noch im milchig wirkenden Hydrolat und hat einige Tage Zeit, sich auf der Hydrolat-Oberfläche zu sammeln, bevor es mit einer Pipette abgezogen wird.

Ätherisches Lavendelöl auf dem Hydrolat

Ätherisches Lavendelöl auf dem Hydrolat

Vorbereitung der Flaschen

Die für die Abfüllung vorgesehenen Flaschen werden vorher im Dampfdrucktopf 20 Minuten sterilisiert oder mit 70%igem Alkohol ausgespült, ebenso die Gefäße, in die das Hydrolat aufgefangen wird. Eine konsequent saubere Abfüllung ermöglicht auch für unkonservierte Hydrolate eine Haltbarkeit von mindestens einem 1 Jahr, je nach Hydrolat auch deutlich länger. Alternativ kann das Hydrolat mit Weingeist konserviert werden (ich tue dies allerdings nicht).

Wichtig ist absolut sauberes Arbeiten: Sterilisieren, desinfizieren, Vorräte kühl und dunkel lagern. Bewährt haben sich Sprühköpfe, die eine Kontamination während des Gebrauchs verhindern. Auch diese müssen vorher mit Alkohol desinfiziert werden! Optimal sind vermutlich Violettglasflaschen; ich selbst verwende bevorzugt Blauglas, da ich die Füllmenge besser kontrollieren kann.

Hydrolate destillieren: So geht’s

Sie begleiten mich nun bei der Herstellung eines Hydrolats aus Rosmarinzweigen. Hier sehen Sie die Leonardo-Destille zusammengesteckt. Ich schätze sie sehr; ihre kompakte Bauweise ist für das Destillieren im privaten Rahmen optimal. Ihre geringe Größe prädestiniert sie für kleinere Chargen und Pflanzen mit geringem Ätherisch-Öl-Anteil, da durch das gerade Dampfrohr kaum Ölverluste zu befürchten sind.

Auseinander genommen besteht sie aus 4 Teilen, drei kupfernen und einem haushaltsüblichen Dämpfeinsatz aus Edelstahl, dem Aromakorb, dessen Beine mit dünnen Metallrohren verlängert sind:

Leonardo-Destille in Einzelteilen

Die Einzelteile der Destille: Vorne links der Kessel für das Wasser, rechts vorne der Aromakorb, links oben der Dom (das ist die innere, obere Dampfkammer mit Kühlkuppel), rechts oben das Oberteil mit Einfüllstutzen.

Dies ist die Kühlkuppel von oben betrachtet: Man sieht einen der Zu- bzw. Ablaufstutzen. Ich schließe Silikonschläuche an und kühle mit Hilfe einer kleinen Pumpe (für Gartenteiche oder Zimmerbrunnen) und einem großen 10-Liter-Topf voll Wasser. Dies macht das Herstellen von Hydrolaten zu einem stressfreien Prozedere. Man kann die Schläuche auch direkt am Wasserhahn anbringen.

Rinne in der Kühlkuppel

Innen in der Kühlkuppel befindet sich eine Rinne, die den kondensierten Dampf auffängt und durch das Dampfrohr nach außen führt. So geht kein Tropfen des Kondensats verloren.

Rosmarin wird mit dem Messer zerkleinert

Die frischen Rosmarinspitzen werden fein geschnitten. Hier eignet sich eine entsprechende Küchenmaschine oder ein sehr scharfes Messer, um die Blattmasse nicht zu zerquetschen und nicht ätherisches Öl zu verlieren).

Unten sehen Sie den befüllten Aromakorb (durch die große Öffnung des Oberteils wird später weiter bis zum Beginn des geraden Stutzens aufgefüllt, um die Menge des Destillierguts zu erhöhen). Das Pflanzenmaterial sollte leicht festgedrückt werden (Ausnahme: Gewürze und kleine Pflanzenteile, die per se schon sehr dicht liegen).

Rosmarin im Aromakorb

Damit keine kleinen Partikel in den Kessel fallen und dort anbrennen, ist der Boden des Aromakorbs mit Zelltuch ausgelegt. Die Füllhöhe sollte mindestens das 2-fache der Breite betragen. Das Pflanzenmaterial ist hier noch zu grob zerschnitten (das hier war eine meiner ersten Destillationen – man lernt dazu.)

Der Aromakorb wird befüllt, entweder mit den Händen im geöffneten Zustand oder über die große Öffnung des Oberteils, wenn es aufgesteckt ist – befüllt werden darf bis fast obenhin. Darauf kommt die Kühlkuppel mit dem Dampfrohr, aus dem später das Destillat herausrinnt. Zum Schluss werden die Silikonschläuche angeschlossen – und die Destillation startet.

Es dauert ca. 10 Minuten, bis das Wasser im Kessel zu brodeln beginnt, und nach weiteren 20–30 Minuten liegt der Duft der Pflanze in der Luft, noch bevor das Hydrolat heraustropft. Das Hydrolat kommt erst zögernd, dann in regelmäßigen Stößen aus dem Dampfrohr.

Hydrolate destillieren: Aus der Destille tropfendes Hydrolat

Hydrolate mit sichtbarem Ätherisch-Öl-Anteil belasse ich im Hydrolat; ich filtere sie nicht.  Alternativ kann man sie in einem Gefäß mit schmalem Hals auffangen, um das ätherische Öl vorher abzuziehen. Hervorragendes Hydrolat z. B. aus Lavendel oder Rosmarin zeigt beim Schütteln unzählige Tröpfchen des ätherischen Öls  – eine solche Qualität kann man nur selbst herstellen. Diese Hydrolate sind besonders lange haltbar.

Hydrolate mit hohem Schwebstoffanteil – typisch ist Mädesüßhydrolat – werden mit einer Nutsche gefiltert, um den Blütenstaub zu entfernen.

 

Destillierbuch

Jede Destillation wird von mir dokumentiert – Datum, Pflanze, ihre Beschaffenheit (frisch, getrocknet, genaue Angabe der Pflanzenteile), wieviel Droge mit wieviel Wasser destilliert wurde; eine Spalte für Bemerkungen lässt Raum für meine Eindrücke. Damit ich später die Destillationen unterscheiden kann, vergebe ich Chargennummern. So ist es möglich, optimale Ergebnisse (und Fehler) nachzuvollziehen und daraus zu lernen.

Die Qualität selbst hergestellter Hydrolate

Selbst hergestellte Hydrolate sind, wenn sorgfältig und mit Wissen und Erfahrung gearbeitet wird, von hoher Qualität, die den Vergleich mit gekauften (je nach Anbieter und Qualität) wahrlich nicht scheuen müssen – im Gegenteil erreichen wir mit vielen Pflanzen eine Qualität, die die gekaufter Hydrolate deutlich übertrifft. Manche Hydrolate sind nicht in gleicher Qualität selbst zu destillieren: Entweder sind die entsprechenden Pflanzen weder in der Menge noch in der Frische verfügbar, die ein erstklassiges Hydrolat voraussetzt (z. B. hochwertige Rosenhydrolate), andere Hydrolate werden fraktioniert und über Stunden aufwändig destilliert (z. B. Ylang-Ylang-Hydrolat). Auch das werden wir nicht vergleichbar realisieren können.

Dennoch gilt: Selbst Hydrolate destillieren bedeutet unschlagbare Frische, wir haben Kontrolle über das Wasser sowie das Pflanzenmaterial und bestimmen selbst, ob und wie stark wir konservieren möchten. Hinzu kommt, dass wir es in der Hand haben, das ätherische Öl im Hydrolat zu belassen, während dieses in der Regel vollständig abgezogen wird – Hydrolate gelten in der Neuzeit traditionell als Neben-, um nicht zu sagen Abfallprodukte der Ätherisch-Öl-Produktion. Die Anerkennung des therapeutischen Nutzens qualitativ hochwertiger, reiner Hydrolate ist eine sehr junge Strömung, die vor allem aus Frankreich stammt und erst langsam Raum gewinnt. Für mich gilt daher bei der Produktion meiner Hydrolate: Sorgfältigste Auswahl der Pflanzen und immer die Entscheidung für weniger »Masse« und intensivere Qualität. Jede Flasche Hydrolat ist eine kleine Kostbarkeit. Kleine Chargen sind allerdings nur sinnvoll, wenn es nicht um die Gewinnung ätherischer Öle geht: Optimale Ergebnisse setzen soviel Pflanzenmaterial voraus, dass die jeweilige Pflanzen ausreichend Zeit hat, während der Destillation ihre typischen Komponenten an den Wasserdampf abzugeben, also ausreichend lange destilliert wird.

Kohobation: Zweifach destillieren?

Manche Hydrolate werde traditionell zweifach destilliert. Diese so genannte Kohobation wird gerne ins Auge gefasst, um ein intensiver duftendes Ergebnis zu erhalten: jedes ätherische Öl beinhaltet auch mehr oder weniger wasserlösliche Komponenten. Bei der einfachen Destillation bleibt ein Teil dieser Substanzen in Lösung und kann nicht als ätherisches Öl gewonnen werden. Aus diesem Grunde werden manche Pflanzendestillate kohobiert, d. h. das einmal destillierte Wasser wird dem Prozess erneut hinzugefügt und reichert sich an wasserlöslichen Komponenten an. Erst wenn es mit diesen gesättigt ist, bildet sich schließlich eine separate Schicht komplettierten ätherischen Öls auf dem Hydrolat. Bei der z. B. bei Rosen üblichen Kohobation werden die fettlöslichen Komponenten des ätherischen Öls (Mono- und Sesquiterpene u. a.) vorher in der so genannten Florentiner Vase abgetrennt (das »essential oil«), die wasserlöslichen Komponenten (Alkohole und Aldehyde) befinden sich gelöst im Destillat (man nennt sie auch »Water oil«), welches direkt wieder in den Kessel zurückgeleitet und dort in einem zweiten Destilliervorgang mit den wasserlöslichen Komponenten gesättigt wird –  das sind zum Beispiel die rosenartig duftenden Phenylethylalkohole. Aus diesem Grund wird Rosenhydrolat traditionell kohobiert, also (mindestens) zweifach destilliert, damit es seinen vollen, typischen Geruch erhält; die Ätherisch-Öl-Ausbeute wäre bei einer einfachen Destillation zudem sehr gering.

Die Frage nach der Qualität von kohobierten Hydrolaten wird in der Fachliteratur kontrovers diskutiert. Während Shirley Price die Vorteile der Kohobation betont, gibt Suzanne Catty den Rat: »If you want your hydrosols to have maximum therapeutical value, you should not cohobate, but you will lose oil yield as a result.«² Zweifellos gewinnen kohobierte Hydrolate durch die dadurch bewirkte Aufkonzentration an ätherischen Ölen an Haltbarkeit, da ihre Inhaltsstoffe antimikrobiell wirken.

Nach Lektüre unterschiedlicher Autoren tendiere ich dazu, Kohobation nicht grundsätzlich als Voraussetzung für besserere Qualität zu werten, wie Prof. Wabner in seinem Buch »Aromatherapie« formuliert. Jede Erhitzung verändert Substanzen und kann das Gesamtergebnis negativ beeinflussen. Wie so oft kommen wir jedoch an eigenen Erfahrungen nicht vorbei: Versuchen Sie es selbst und prüfen sie, welche Pflanzen von einer Kohobation profitieren.

Wunderbar ist, Hydrolate destillieren zu können, die auf dem Markt selten erhältlich sind, wie beispielsweise Mädesüßhydrolat, das wegen der geringen Ausbeute vorwiegend als Kodestillation mit anderen Pflanzen erhältlich ist. Manche Pflanze zeigt als Hydrolat ein ganz anderes, bisweilen grün-frisches oder auch honigartig-krautiges Gesicht –  wie das Johanniskraut, das eher als Tinktur oder Rotöl bekannt ist. Aus einigen getrockneten Pflanzenteilen lassen sich ansprechende Hydrolate herstellen, vor allem Hölzer, Samen und Harze sind sehr gut geeignet, wie z.B. die balsamisch duftenden Abelmoschussamen. In der Regel bringt frisches oder angetrocknetes Pflanzenmaterial von Blüten und Blättern deutlich authentischere Resultate als das getrocknete Kraut, können aber durchaus angenehm duften wie Hydrolat aus getrockneten Orangenblüten. Ein olfaktorischer Genuss ist Melissenhydrolat aus dem frischen Kraut: die Ausbeute an ätherischem Öl ist geringst, daher konzentriert sich mein Interesse nur auf das Hydrolat  – aber dieser Duft ist unbeschreiblich!

Hydrolate aus dem Espressokocher?

In manchen Büchern und auch auf manchen Webseiten wird der Espressokocher als Möglichkeit genannt, Hydrolate herzustellen. Offen gesagt: Leider klappt dies nicht. Sie können keine Hydrolate destillieren, weil die Pflanzenteile bei Temperaturen um die 100 °C mit Wasser und Druck durch das Steigrohr der Kanne ausgezogen werden. Es werden keine flüchtigen Komponenten mit dem Wasserdampf mitgerissen.

Bei einer Destillation addieren sich die Dampfdrücke der Einzelkomponenten in den Pflanzen und verdampfen unter 100 °C, was die sensiblen pflanzlichen Inhaltsstoffe schont, der Druck ist gering. Zudem haben die Pflanzen bei der Wasserdampfdestillation keinen Kontakt mit dem kochenden Wasser, sondern nur mit dem Dampf.

Das, was aus der Espressokanne kommt, entspricht eher einem starken Tee, wobei ein Teeaufguss die Pflanzen und ätherischen Öle in ihnen schonender behandelt. Auch Schwebstoffe lassen sich nie ausschließen; Sie sollten einen solchen Aufguss daher nie als Wasserphase für eine Emulsion verwenden, auch wenn es in ihrem frisch erworbenen Buch über das Herstellen von Naturkosmetik so steht. Ich persönlich würde (für Kompressen und zum Anrühren von Frischemasken z. B.) immer einen die Inhaltsstoffe schonenden Teeaufguss vorziehen.

Literaturtipps: Ätherische Öle und Hydrolate

  1. Len Price, Shirley Price: Understanding Hydrolats. The Specific Hydrosols for Aromatherapy. Edinburg: Churchill Livingstone, 2004
  2. Suzanne Catty, The Next Aromatherapy. Healing Arts Press, 2001
  3. Jeanne Rose: Hydrosols & Aromatic Waters©. San Francisco, 2007
  4. Jeanne Rose: Destillation. A How-To Booklet. San Francisco, 2001
  5. Eliane Zimmermann, Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe. Das Kursbuch zur Aromapraxis. Stuttgart: Sonntag-Verlag, 2011
  6. Eliane Zimmermann, Pflanzenwasser. Die vergessene Dimension. Aromapflege, 2013
  7. D. Wabner, C. Beier: Aromatherapie. Grundlagen · Wirksprinzipien · Praxis. München: Urban & Fischer, 2011
  8. Bettina Malle, Helge Schmickl: Ätherische Öle selbst herstellen. Göttingen: Verlag Die Werkstatt, 2005

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