Öle kombinieren

Fettsäuren im Detail

Die kosmetischen Eigenschaften pflanzlicher Öle wird u. a. durch ihr spezifisches Fettsäuremuster geprägt. In diesem Beitrag möchte ich Ihnen die Charakteristiken der am häufigsten vertretenen Fettsäuren skizzieren. Die Kurzportraits werden Ihnen in Zukunft helfen, Pflanzenöle noch besser einschätzen und auswählen zu können.

Ölsäure

  • Kürzel: C18:1 Δ9
  • Chemische Bezeichnung: cis-9-Oktadecensäure
  • Schmelzpunkt: 13,4 °C
  • Typ: einfach ungesättigte Fettsäure
  • Omega-9-Fettsäure

Ölsäurehaltige Öle lassen sich gut verteilen und erzeugen ein weiches Hautgefühl. Belegt ist die Fähigkeit einfach ungesättigter Fettsäuren wie der Ölsäure, die Lipidbarriere der Haut durchlässiger und sie aufnahmefähiger für lipophile (fettlösliche) Wirkstoffe zu machen; Grund dafür ist ihre spezifische Struktur mit der Cis-Doppelbindung in der Mitte der C-Kette am 9. C-Atom, eine so genannte raumgreifende Kinkenstruktur, die Zellmembrane strukturell »auflockert«

Öle mit einem hohen Anteil an Ölsäure wirken daher als so genannte Enhancer für andere Stoffe, während linolsäurereiche Öle schnell, jedoch in der Regel nicht tief penetrieren. Gute Massageöle sind ölsäurebetont; sie ziehen gut und tief, aber nicht so schnell in die Haut ein, so dass sie einen angenehmen Auftrag und gute Verteilbarkeit ermöglichen. Klassisches Beispiel ist Mandelöl.

In Emulsionen bewirken ölsäurebetonte Öle ein angenehm sattes, feuchtes Hautgefühl. Sie eignen sich sehr gut für intensiv hydratisierende Pflegepräparate, lassen sich gut verteilen und halten die Feuchtigkeit in der Haut.


Linolsäure

  • Kürzel: C18:2
  • Chemische Bezeichnung: 9, 12-Octadecadiensäure
  • Schmelzpunkt: -5 °C
  • Typ: 2-fach ungesättigte Fettsäure
  • Omega-6-Fettsäure

Linolsäurehaltige Öle sind mit ihrer glättenden und stabilisierenden Wirkung auf die Barriereschicht des Stratum Corneum vor allem bei trockener, schuppiger Haut zu empfehlen. Linolsäure ist wesentlicher Bestandteil der Stratum-Corneum-Lipide: Sie ist chemisch an das Ceramid I gebunden, einer der lipiden Barrierestoffe des Stratum Corneum. Äußerlich aufgetragen, wird sie nachweislich in Ceramide 1 eingebaut. Dieses Ceramid 1 besitzt eine außergewöhnliche Moleküllänge und ragt damit in benachbarte Lipidmembrane hinein, sodass die Lipiddoppelschichten in ihrer Struktur stabilisiert werden. In Folge wird die Barriere gestärkt, die Hautrauigkeit vermindert und trans-epidermaler Wasserverlust reduziert. Wie auch α- und γ-Linolensäure wird sie in der Haut durch ein hauteigenes Enzym, die 15-Lipoxygenase, in eine entzündungshemmende Hydroxyfettsäure umgewandelt.
Forschungsergebnisse belegen eindeutig, dass Linolsäure nicht nur innerlich eingenommen wirkt, sondern auch – vor allem in Kombination mit γ-Linolensäure – neurodermitische Hautzustände deutlich bessern kann. In verschiedenen Doppelblindstudien führten z. B. Emulsionen mit Nachtkerzenöl zu deutlicher Steigerung der Hautfeuchtigkeit, einer Abheilung von Ekzemen und einer Abnahme der Hautrauigkeit.

Linolsäurebetonte Öle wirken im Hautgefühl im Allgemeinen leicht; sie ziehen schnell ein und wirken pur und in Emulsionen kaum fettend. Bei fettiger Haut mit Neigung zu Komedonen und Unreinheiten können linolsäurehaltige Öle das Hautbild deutlich verbessern. Ihre barriereschützende Wirkung erzielen sie in der Haut, nicht als fettende Barriere von außen. Dennoch sind sie sowohl für trockene als auch für fettende Hautzustände geeignet, sie sollten nur entsprechend kombiniert werden: fettige und unreine Haut profitiert von linolsäurebetonten Ölmischungen, trockene, barrieregestörte Haut von einer ausgewogenen Komposition mit ölsäurebetonten Ölen sowie gesättigten Fettsäuren und Unverseifbarem, insbesondere in der kalten Jahreszeit.


Gamma-Linolensäure

  • Kürzel: C18:3
  • Chemische Bezeichnung: 6, 9, 12-Octadecatriensäure
  • Schmelzpunkt: -18 °C
  • Typ: 3-fach ungesättigte Fettsäure
  • Omega-6-Fettsäure

Gamma-Linolensäure ist eine Vorstufe weiterer essentieller Substanzen im Körper (u. a. sog. Prostaglandine, die eine wesentliche Rolle bei der Bekämpfung entzündlicher Prozesse spielen). Nachweislich wirkt Gamma-Linolensäure nicht nur innerlich eingenommen, sondern auch äußerlich auf die Haut (also topisch) aufgetragen, regenerierend, entzündungshemmend und juckreizstillend. Weiterhin ist sie Bestandteil der Zellmebranen, die durch die mehrfach ungesättigte Fettsäure mit ihrer verwinkelten, beweglichen Molekülstruktur fluidisiert werden, d. h. an Geschmeidigkeit gewinnen, so dass hauteigene Stoffwechselprozesse (Stofftransporte in die Zellen und aus den Zellen heraus) ungestört ablaufen können.

Sie ist nur in wenigen Ölen in erwähnenswerter Menge enthalten, z. B. in Borretschöl, Nachtkerzen- und Johannisbeersamenöl. Öle mit einem hohen Anteil an γ-Linolensäure ergeben Emulsionen mit eher leichter Konsistenz, da ihr Schmelzpunkt sehr niedrig liegt; ihre Wirkung erzielen sie durch mittelfristige Veränderungen in der Haut. Anders als bei der α-Linolensäure, die in einigen wenigen Ölen in sehr hohen Werten vorkommt, ist der Gehalt an γ-Linolensäure in den spezifischen Ölen nicht ganz so ausgeprägt; auch wirkt diese Fettsäure beruhigend, so dass die Dosierung nicht so vorsichtig erfolgen muss wie bei α-linolenbetonten Ölen. Sie ist für verschiedene Hautbilder eine Wohltat; ausschlaggebend ist die Kombination. Mit linolsäure-dominierten Ölen und etwas Unverseifbarem gemischt hilft sie bei Verhornungsstörungen und fettender Haut; in ausgewogenen Mischungen mit Öl-, Palmitoleinsäure, Unverseifbarem und gesättigten Fettsäuren hilft sie barrieregestörter Haut, wieder ins Gleichgewicht zu kommen.


Alpha-Linolensäure

  • Kürzel: C18:3
  • Chemische Bezeichnung: 9, 12, 15-Octadecatriensäure
  • Schmelzpunkt: -11 °C
  • Typ: 3-fach ungesättigte Fettsäure
  • Omega-3-Fettsäure

Die seltene Alpha-Linolensäure ist essentiell, d. h. sie kann vom Körper nicht selbst hergestellt werden. Sie wirkt entzündungshemmend und unterstützt die Regeneration der Haut: gerade die mehrfach ungesättigten Fettsäuren weisen, bedingt durch ihre beweglichen Doppelbindungen, eine stark fluidisierende Wirkung auf Zellmembrane aus, halten sie geschmeidig und ermöglichen den ungestörten Ablauf zellerneuernder und regenerativer Prozesse in besonderer Weise.

Öle mit hohem Gehalt an α-Linolensäure (Wildrosen-, Sacha Inchi-, Hanf-, Sanddornkernöl u. a.) fördern die Neubildung von Zellen und aktiveren den Hautstoffwechsel. Aus diesem Grund sind sie prädestiniert für den Einsatz in Anti Aging-Rezepturen bei reifer und fahler Haut, bei der altersbedingt Stoffwechselprozesse verlangsamt ablaufen.
Im kosmetischen Einsatz ergeben Öle mit einem hohen Anteil an α-Linolensäure Emulsionen mit eher leichter Konsistenz, die schnell einziehen, da ihr Schmelzpunkt sehr niedrig liegt. Sie sind stark aktivierende und hauteigene Prozesse anregende Öle, daher sollten Sie gezielt und bewusst eingesetzt werden, wenn Sie zu sensiblen Hautreaktionen neigen. In moderater Dosierung (5–10 % auf alle Öle und Pflanzenbuttern gerechnet) zählen sie zu den wirksamsten Hautpflegemitteln, über die wir verfügen.


Stearinsäure

  • Kürzel: C18:0
  • Chemische Bezeichnung: Octadecansäure
  • Schmelzpunkt: 69,6 °C
  • Typ: Gesättigte Fettsäure

Stearinsäure ist eine gesättigte Fettsäure und mit ca. 10 % Bestandteil der Stratum Corneum- und der Talgdrüsen-Lipide. Öle mit hohem Anteil an Stearinsäure (und anderen gesättigten Fettsäuren) wirken abschirmend, ergänzen den Hydro-Lipid-Mantel und schützen die Haut vor äußeren Einflüssen; auch wirken sie konsistenzgebend in Emulsionen. Sie wird in Rezepturen auch isoliert als Konsistenzgeber verwendet. Stearinsäure gilt allgemein als gut verträglich; es wird ihr jedoch eine gewisse komedogene Wirkung nachgesagt, wenn die Veranlagung dazu da ist. Eine Ursache ist möglicherweise ihre Eigenschaft, die Zellmembrane innerhalb der Lipidlayer im Statum Corneum zu festigen und weniger flexibel zu machen, sodass der Talg bei sehr fettiger Haut nicht so leicht abfließen kann.


Palmitinsäure

  • Kürzel: C16:0
  • Chemische Bezeichnung: Hexadecansäure
  • Schmelzpunkt: 63 °C
  • Typ: Gesättigte Fettsäure

Palmitinsäure stellt mit ca. 37 % den höchsten Anteil an den Fettsäuren in den Bilayern des Stratum Corneum. Da sich ihr Anteil mit zunehmendem Lebensalter verringert, werden palmitinsäurereiche Öle gerne in Rezepturen für reife Haut eingesetzt. Ähnlich wie Stearinsäure bildet sie einen dünnen, allerdings etwas leichteren Schutzfilm auf der Haut, der bei entsprechendem Hauttyp komedogen wirken kann; Öle mit hohem Palmitinsäuregehalt und Gehalt an anderen gesättigten Fettsäuren wirken durch ihren hohen Schmelzpunkt leicht konsistenzgebend.


Palmitoleinsäure

  • Kürzel: C16:1
  • Chemische Bezeichnung: 9-Hexadecensäure
  • Schmelzpunkt: 0,5 °C
  • Typ: einfach ungesättigte Fettsäure
  • Omega-9-Fettsäure

Palmitoleinsäure ist mit ca. 4 % Bestandteil der hauteigenen Lipide im Stratum Corneum und gilt als ausgesprochen verträglich und hautphysiologisch wertvoll. Nur wenige pflanzliche Öle weisen einen nennenswerten Gehalt an dieser Fettsäure auf: Sanddornfruchtfleischöl, Avellanaöl, Macadamianussöl und Avocadoöl; primär ist sie in tierischen Fetten enthalten. Palmitoleinsäure wirkt regenerationsfördernd und wird gerne in Präparaten für sehr trockene und reife Haut eingesetzt; es gilt in Haar- und Hautpflegeprodukten als wirksamer Ersatz für Minköl (Nerzöl).

Auffallend ist, dass ein nenneswerter Anteil an Palmitoleinsäure nur in Ölen zu finden ist, die ölsäure-betont sind. Öle mit hohem Palmitoleinsäuregehalt besitzen ein gutes Spreitvermögen und dringen, ähnlich wie die Ölsäure, leicht in die Haut ein. Ihre »Kopplung« an Ölsäure und gesättigten Fettsäuren führt in Emulsionen zu geschmeidigen, stark hydratisierenden und pflegenden Rezepturen für spröde, feuchtigkeits- und fettarme Hautzustände.


Laurinsäure

  • Kürzel: C12:0
  • Chemische Bezeichnung: Dodecansäure
  • Schmelzpunkt: 44 °C
  • Typ: Gesättigte Fettsäure

Den höchsten Gehalt an Laurinsäure weisen Babassu- und Kokosöl auf. Laurinsäure wird eine stark antimikrobielle und pilztötende Wirkung nachgesagt. Öle mit ausgeprägtem Laurinsäureanteil haben aufgrund ihres niedrigen Schmelzpunktes eine leicht konsistenzmindernde Wirkung in Emulsionen. Sie sind hervorragende Spreiter, breiten sich schnell auf der Haut aus und dringen gut in die Haut ein. In Emulsionen sorgen sie für ein ausgesprochen glattes, weiches Hautgefühl. 10 % an der Fettphase runden ein Pflegeprodukt im Hinblick auf Auftragsverhalten und Hautgefühl wunderbar ab.