Im September 2010 finden Sie einen Überblick über moderne
naturkosmetische Rohstoffe in meinem neuen Buch. Weitere Informationen
und eine ausführliche Leseprobe erwarten Sie auf
olionatura.com.
Hinweis zur Rohstoffauswahl
Die hier aufgeführten Rohstoffe sind meine persönliche Auswahl empfehlenswerter
und sinnvoller Ingredienzen in einer hautphysiologisch orientierten Natur-Kosmetik. Sie werden viele
der aus der Hobbythek® bekannten Produkte daher nicht finden, dafür andere, die ich bei meinen
Recherchen entdeckt und in mein Repertoire aufgenommen habe.
Unter der Bezeichnung Lanette® O ist ein Gemisch aus 50 % Cetylalkohol (Hexadecan-1-ol) und 50 % Stearylalkohol (Octadecan-1-ol) (zwei C16- und C18-Fettalkoholen natürlichen Ursprungs) der Firma Cognis im Handel, das im pharmazeutischen und kosmetischen Bereich als nichtionischer Koemulgator, Konsistenzgeber und Emollient eingesetzt wird. Wir kaufen Lanette® O in Form kleiner weißer bis elfenbeinfarbener, wachsartiger Plättchen. Lanette® O emulgiert nur schwach und benötigt zur Stabilisierung von Emulsionen den Zusatz eines O/W-Emulgators. Eine weitere Bezeichnung für dieses Substanzgemisch ist Cetearylalkohol. Cetylstearylalkohol ist leicht biologisch abbaubar; gelagert werden sollte es trocken und gut verschlossen bei Zimmertemperatur nicht über 25 °C. Sie erhalten Lanette® O in der Apotheke (100 g haben die PZN 2272978) oder bei Omikron.
Neben Lanette® O gibt es u. a. auch einen so genannten anionischenemulgierenden Cetylstearylalkohol, ein Komplexemulgator, der hier in Deutschland primär als Typ A (Lanette® N) eingesetzt wird (INCI: Cetearyl Alcohol (and) Sodium Cetearyl Sulfate, CAS-Nummer 8038-28-6). Er besteht aus ca. 90 % Cetylstearylalkohol und ca. 10 % Natriumcetylstearylsulfat, einem anionischen O/W-Emulgator mit HLB 37. Dem in den Niederlanden gebräuchlicherem Typ B ist Natriumdodecylsulfat beigemengt (Lanette® SX).
Wenn in meinen Rezepturen Cetylstearylalkohol angegeben ist, meine ich immer das nicht selbst emulgierende, nichtionische Lanette® O. Grund dafür ist u. a., dass sein anionisches Pendant, Lanette® N, zu Kompatibilitätsproblemen (z. B. mit kationischen Tensiden) führen kann; auch kann die emulgierende Komponente aus der uns verfügbaren Palette an bewährten und verträglichen nichtionischen O/W-Emulgatoren frei gewählt werden.
HLB-Wert und Emulgator-Typ
Lanette® O hat einen HLB-Wert von 14,5 und ist ein Ko-Emulgator.
Wirkung und kosmetischer Einsatz
Lanette® O ist, wie Cetylalkohol und -palmitat (Walratersatz) in Verbindung mit einem geringen Anteil an O/W-Emulgatoren zur Ausbildung so genannter flüssig-kristalliner Gelnetzwerke fähig. Diese kann man sich wie ein aus Emulgator und Koemulgator gebildetes Netz mit Maschen vorstellen, das sich durch die Wasserphase einer Emulsion zieht, in den Maschen Wasser bindet und auf diese Weise viskositätserhöhend wirkt. Im direkten Vergleich mit Cetylalkohol sind Emulsionen mit Cetylstearylalkohol haptisch geschmeidiger, weniger trocken und stoppend.
Cetylstearylalkohol wird seit den 1970er Jahren ein gewisses kontaktallergenes Potential nachgesagt (vor allem bei Patienten mit Stauungsekzemen und Ulcus cruris (umgangssprachlich »offenes Bein«). Heute wird diskutiert, das dies offenbar primär auf Verunreinigungen durch den Herstellungsprozess zurückgeführt werden könnte und bewertet Lanette® O als Komponente mit einem eher geringen Sensibilisierungspotential; die Qualität nach Ph. Eu. darf als sicher angesehen werden. Es scheint jedoch schwieriger als bei den puren Ausgangssubstanzen Cetylalkohol und Stearylalkohol zu sein, Verunreinigungen auszuschließen, da Cetearylalkohol weniger stark raffiniert wird.
Verarbeitung
Cetylstearylalkohol weist einen Schmelzbereich von 48–53 °C auf und wird mit anderen Lipiden in der Fettphase aufgeschmolzen; anschließend werden die jeweils gleich temperierten Fett- und Wasserphasen emulgiert. Es kann mit anderen Fettalkoholen wie Cetylalkohol oder Cetylpalmitat ersetzt werden; auch nichtemulgierende Glycerolmonostearate sind eine gute Alternative.
Quellenangaben und weiterführende Informationen
Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände: Neues Rezeptur-Formularium. Rezepturhinweise: Cetylalkohol, Stearylalkohol, Cetylstearylalkohol und
emulgierender Cetylstearylalkohol. Stand: 2006