Im September 2010 finden Sie einen Überblick über moderne naturkosmetische Rohstoffe in meinem neuen Buch. Weitere Informationen und eine ausführliche Leseprobe erwarten Sie auf olionatura.com.
Die hier aufgeführten Rohstoffe sind meine persönliche Auswahl empfehlenswerter und sinnvoller Ingredienzen in einer hautphysiologisch orientierten Natur-Kosmetik. Sie werden viele der aus der Hobbythek® bekannten Produkte daher nicht finden, dafür andere, die ich bei meinen Recherchen entdeckt und in mein Repertoire aufgenommen habe.

Montanov™ L der Firma Seppic ist ein BDIH-konformer, nichtionischer, umweltverträglicher Emulgator aus Glucose (aus GMO-freien Rohstoffen wie z. B. Maniok) und Fettalkoholen (u. a. aus Palmöl und Koskosöl). Er wird wegen der Verwendung nachwachsender Rohstoffe und vollständiger biologischer Abbaubarkeit im Bereich der Naturkosmetik sehr geschätzt und ist ecocert-konform und nicht irritativ. Die Zahlen kennzeichnen die Länge der jeweils verwendeten Fettsäureketten; es gibt unterschiedliche Produkte auf dem Markt, die sich im Wesentlichen nach der Länge dieser Ketten unterscheiden und je nachdem zum Teil als Emulgatoren, zum Teil als milde Tenside eingesetzt werden. Eine Besonderheit ist seine Fähigkeit zur Bildung lamellarer Bilayer um die inneren Öltröpfchen einer Emulsion, die diese vor Koaleszenz (vor dem Zusammenfließen) schützen und die Stabilität der Emulsion auch bei hohen Wasserphasen-Anteilen und eine gleich bleibende Viskosität gewährleisten.
In Deutschland ist dieser Emulgator bei Gisella Manske unter bei CMD (als »O/W-Emulgator für flüssige Emulsionen«) erhältlich; in der Schweiz hat ihn Allerlei Praktisches im Sortiment. Wir kaufen ihn in Form kleiner cremefarbener Pastillen mit sehr dezentem Duft. In Selbstrührerkreisen hat sich die Abkürzung CACG etabliert.
Montanov™ L hat einen HLB-Wert von 10 und ist ein O/W-Emulgator.
Montanov L ist ein selbstemulgierender O/W-Emulgator für niedrigviskose, leichte Lotionen, Feuchtigkeitsfluids oder sprühbare Rezepturen mit hohen Wasserphasen; ideal ist er für Formulierungen mit hohem Pigment- (Make Up-Formulierungen) oder anderem Feststoffanteil (wie Tonerden) und Sonnenschutz-Pigmenten. Auch in Haarkosmetika lässt er sich hervorragend einsetzen. Er ermöglicht ultraleichte Emulsionen ohne oder mit geringem Konsistenzgeberanteil. Die untere Abbildung zeigt Montanov™ L in der Basisrezeptur K1 mit 20 % Fettphase:

Der Emulgator wird in der Fettphase auf ca. 75 °C erhitzt (bitte darauf achten, dass Sie diese Temperatur erreichen!) und aufgeschmolzen. Anschließend wird die gleich erwärmte Wasserphase hinzugegeben, im Ganzen (die One-Pot-Methode) oder in mehreren Portionen, beides funktioniert zuverlässig. Optimal ist eine ca. 2–4 Minuten lange Emulgierung bei bevorzugt hohen Scherraten (Flügelrührer oder Stabmixer wie Zauberstab/Braun Multiquick, ca. 1500–3000 rpm, wenn möglich) und anschließendem sanften Kaltrühren bei geringen Umdrehungen. Dann können Sie die Emulgatorkonzentration stark senken und erhalten sehr feine, nicht aufliegende Emulsionen.
Seine Einsatzkonzentration liegt, kombiniert mit einem Gelbildner (z. B. 0,2 % Xanthan), bei ca. 2–3 %, ohne weitere Stabilisatoren bei ca. 3–4 %, wobei Sony und ich auch Lotionen mit 1 % Montanov™ L (mit 0,2 % Xanthan und einer geringen Menge Fettalkohol und Unverseifbarem) gerührt haben. Ideal erweist er sich für die Konzeptionierung von Lotionen; leichte Cremes können durch Andicken der Wasserphase durch Gelbildner und (1–2 %) Cetylalkohol erzielt werden bzw. durch Verwendung von Lipiden höherer Schmelzpunkte. Mit etwas Gelbildner kombiniert ist er auch gegenüber moderatem Salzzusatz und saurem pH-Wert tolerant. Wichtig ist eine kräftige Homogenisierung; sie sollten das stärkste Rührgerät nehmen, das sie haben; nur dann kann Montanov™ L seine Leichtigkeit entfalten; mit normalen Rührwerkzeugen wird er so dosiert wie unsere anderen Emulgatoren auch. Ich habe mit meinem Flügelrührer in meiner umgebauten Stand-Bohrmaschine mit 3000 rpm wundervolle leichte Lotionen mit 1,5 % Montanov und 0,5 % Koemulgator gerührt.
Für sprühbare Lotionen sollte die Fettphase nicht über 15 % liegen.
Mein bisheriger Eindruck: ein unproblematisch zu verarbeitender Emulgator für weiße, opake Emulsionen, die sich leicht auftragen lassen und ein angenehmes Hautgefühl hinterlassen, die allerdings nicht so sahnig-cremend wirken wie Montanov™ 68. Er ist ein ausgezeichneter Emulgator für eher fettende Hautpartien, da er sehr mild ist und ultraleichte Konsistenzen erzeugt; gleichzeitig vermag er deutlich mehr Feuchtigkeit zu binden als beispielsweise Tegomuls®, das er nach meinem Eindruck mittlerweile überflüssig macht. Im Vergleich zu Xyliance gibt er weniger Konsistenz und ist noch leichter im Hautgefühl. Für ausgeprägt trockene, reife Hautzustände kann er mit Unverseifbarem, hydratisierenden Ingredienzen und entsprechenden Ölen kombiniert durchaus als leichter Emulgator für Cremefluids eingesetzt werden. Hervorragend macht sich Montanov™ L in Reinigungspräparaten, da er keinen Film hinterlässt und sehr gut mit weiteren Ingredienzen (wie Tonerde usw.) kombiniert werden kann, und in getönten Feuchtigkeitscremes und ultraleichten Make Up-Formulierungen (hier auch für trockene Hautzustände). Interessant ist sein Fließverhalten: da sein Fließstrahl sehr dünn in einer Spitze ausläuft, sind Emulsionen auf Basis dieses Emulgators erfreulich leicht in enge Pumpspenderflaschenhälse zu füllen. Ursache dafür ist seine spezifische Emulsionsstruktur ohne flüssig-kristallines Netzwerk, sondern flüssig-kristallinen Emulgatorfilmen um die inkorporierten Öltröpfchen, die eine stabile niedrigviskose Emulsionsstruktur fixieren.