
Sie möchten lernen, welche Charakteristika und Wirkungen naturkosmetischen Rohstoffe haben, wie sie sinnvoll kombiniert und verarbeitet werden? Sie stellen bereits Ihre Kosmetik selbst her, möchten jedoch Ihr Wissen über naturkosmetische Rohstoffe vertiefen? In meinen Seminaren biete ich privat und beruflich interessierten Menschen die Möglichkeit, dies zu tun. In meinem Blog informiere ich Sie über aktuelle und geplante Termine.

Xyliance ist ein BDIH-konformer, nichtionischer O/W-Emulgator der Firma Soliance auf Basis von hydrolisierten Zuckern aus Weizenstroh (Polyxyloside, exakter D-Xyloside, L-Arabinose und D-Glucoside), dem hydrophilen Teil, und lipophilen C16- und C18-Fettalkoholen (Cetearylalkohol, ca. 45 %) aus Kokosöl. Wir kaufen ihn in Form weißer Flakes mit dezentem Geruch. Xyliance ist als einer der wenigen Emulgatoren auf dem Markt seit Mitte 2010 palmölfrei.
Sein Schmelzpunkt liegt bei ca. 60–70 °C. In einer 10%igen Lösung in Wasser und 2-Propanol (1:1) weist Xyliance einen pH-Wert von ca. 4,5–6 auf.
Xyliance erhalten Sie bei Allerlei Praktisches (CH), Behawe, Aroma-Zone (F) (unter dem Namen »Cire émulsifiante d'origine végétale n°2«). Eine Übersicht aller Online-Shops mit Direkt-Link ist in dieser Liste zusammengestellt.
Xyliance hat einen HLB-Wert von 8 und ist ein O/W-Emulgator.
Xyliance gilt als pH-Wert-unempfindlich, meine eigenen Versuche belegen dies in einem pH-Wert-Bereich von 3–8. Salz kann laut Datenblatt bis 0,4 % in die Emulsion eingearbeitet werden, das ist nicht viel. Urea in höheren Konzentrationen über 5 % führt schnell zu Instabilitäten; hier empfiehlt sich ein Mischen mit einem diesbezüglich stabilisierenden Emulgator wie Lamecreme oder Emulsan.
Im Hautgefühl ist Xyliance eher matt, wenig aufliegend und »leicht«, im Hautgefühl ist er Tegomuls® ähnlich, auf Grund seiner pH-Wert- und seiner breiten Fettphasen-Toleranz jedoch wesentlich vielseitiger in der Anwendung. Ich selbst empfinde ihn als mild, aber tendenziell »trocken«: seine flüssig-kristallinen Emulsionsstrukturen halten Feuchtigkeit in einem Depot und erzeugen wenig freies, direkt hydratisierendes Bulkwasser. Mit Lysolecithin lässt sich das Freigabeverhalten erhöhen: Sony hat ihn in dieser Kombination getestet; meine Variante ihrer Rezeptur ergab eine sehr leichte, angenehme Emulsion mit gutem Auftragsverhalten, einer ausgesprochen weichen, deutlich feuchteren Haptik und einer verringerten Viskosität. In der Rührküche finden Sie Anwender-Erfahrungen zu Xyliance.
Xyliance ist, so mein Eindruck aus der Praxis, ein vielseitiger und unkomplizierter Emulgator für leichte, in der Tendenz cremige Texturen und Lotionen im klassischen Emulsionsbereich zwischen 25–45 % Fettphase; er kann jedoch bis zu 60 % Lipide emulgieren. Seine Einsatz-Konzentration liegt bei ca. 3–5 %, abhängig vom Fettphasengehalt: für niedrigviskose Lotionen werden ca. 3, für hoch viskose, lipidreiche Cremes bis zu 5 % (je nach gewünschtem Viskositätsgrad) empfohlen. Weitere Konsistenzgeber sind nicht zwingend erforderlich, da Xyliance die koemulgierenden Fettalkohole bereits mit sich bringt, können aber auf Wunsch selbstverständlich hinzugefügt werden, um die Emulsionen kompakter und viskoser zu gestalten. Bei Emulsionen unter 25 % erhöhen ca. 0,2 % Gelbildner Temperaturstabilität, Haptik und Auftragsverhalten. Tatsächlich muss bei der Beurteilung der Emulgatorkonzentration berücksichtigt werden, dass Xyliance eben anteilig bereits einen Fettalkohol mitbringt: auch 5 % Emulgatoranteil liegen mit Xyliance hautphysiologisch völlig im Rahmen.
Schmelzen Sie Xyliance in der Fettphase bei ca. 70 °C und geben Sie die Wasserphase unter Rühren schluckweise oder in einem gleichmäßigen Strahl in die Fettphase. Auch die One-Pot-Methode ist möglich: beide Phasen werden auf gleiche Temperatur erhitzt, zusammengegeben und dann ca. 1–2 Minuten hochtourig, anschließend moderat weitere 2–4 Minuten emulgiert. Reduzieren Sie dann die Geschwindigkeit weiter und rühren Sie die Emulsion bis zum Erkalten; Wirkstoffe und Konservierung können bei Handwärme ergänzt werden.

Die Verarbeitung ist problemlos, er emulgiert auch ohne weitere Koemulgatoren willig und ist konsistenzbildend. Wasser und Öle lassen sich, so Sonys Ergebnisse in der Rührküche, auch nachträglich einarbeiten, ohne dass die Emulsion instabil wird. Meiner Erfahrung nach profitiert Xyliance von einer kurzen, hochtourigen Rührphase (1–2 Minuten); sobald er Konsistenz bildet, genügt ein moderates Kaltrühren, um eine Überhomogenisierung und Lufteinschlüsse zu vermeiden.
In Aussehen und der Art, wie er Konsistenz bildet, ähnelt Xyliance Montanov™ 68; die Emulsionen sind opak und ein wenig matt. Unten sehen Sie Montanov™ 68 (links) und Xyliance (rechts) in der Basisrezeptur K4 mit 40 % Fettphase:

Die beiden folgenden Rahmenrezepturen decken zwei typische Emulsionen mit Xyliance ab. Wählen Sie Öle und Buttern nach Wunsch; Anhaltspunkte für sinnvolle Ölmischungen finden Sie in dem Beitrag »Vorschläge für Ölkombinationen«, Hinweise zu sinnvollen Wirkstoffen und ihren Einsatzkonzentrationen in den jeweiligen Rohstoff-Portraits oder in der Rohstoff-Tabelle. Die in Klammern notierten Konsistenzgeber sind nicht zwingend notwendig, geben den Emulsionen jedoch mehr »Körper«. Das folgende Bild zeigt die reichhaltige Creme (40 % Fettphase) mit Xyliance:

| Ingredienzen | Cremefluid (50 g)¹ 25 % Fettphase |
Reichhaltige Creme (50 g)² 40 % Fettphase |
|---|---|---|
| ¹ 4 % Emulgator (16 % auf die Fettphase) ² 5 % Emulgator (13 % auf die Fettphase) |
||
| Öle | 8,0 g | 12,0 g |
| Buttern | 2,5 g | 5,5 g |
| Emulgator | 2,0 g | 2,5 g |
| Konsistenzgeber | (0,5 g) | (1,0 g) |
| Wirkstoffe | 2–5 g | 2–5 g |
| Gelbildner | 0,1 g | — |
| Wasser | auf 50,0 g auffüllen | auf 50,0 g auffüllen |
| Konservierung | 10 Tr. Rokonsal™ BSB-N | 10 Tr. Rokonsal™ BSB-N |