Im September 2010 finden Sie einen Überblick über moderne naturkosmetische Rohstoffe in meinem neuen Buch. Weitere Informationen und eine ausführliche Leseprobe erwarten Sie auf olionatura.com.
Die hier aufgeführten Rohstoffe sind meine persönliche Auswahl empfehlenswerter und sinnvoller Ingredienzen in einer hautphysiologisch orientierten Natur-Kosmetik. Sie werden viele der aus der Hobbythek® bekannten Produkte daher nicht finden, dafür andere, die ich bei meinen Recherchen entdeckt und in mein Repertoire aufgenommen habe.
Tegomuls® 90 S ist ein nichtionischer Emulgator pflanzlichen Ursprungs aus dem Lebensmittelbereich (dort unter der E-Nummer 471 gelistet), der durch die Hobbythek® als kosmetischer Emulgator bekannt wurde. Wir kaufen ihn als naturweißes Pulver mit schwachem charakteristischen Geruch. Häufig taucht neben der Deklaration »Glycerinmonostearat« die INCI-Bezeichung »Glycerinsterarat SE« auf. Dies ist chemisch gesehen durchaus korrekt; Tegomuls® ist jedoch nicht mit dem gleichnamigem selbst emulgierenden Glycerinstearat SE identisch, das wir ausdrücklich unter dieser Bezeichung kaufen. Der Unterschied liegt in der Komposition: Tegomuls® 90 S verfügt über 80–85 % Monoester und geringe Mengen an (emulgierendem) Alkalistearat, während es sich bei dem als Glycerinstearat SE verkauften Emulgators entweder um ein Produkt der Firma Cognis handelt, Cutina® GMS SE (SE für »selbstemulgierend«) mit um die 32 bis 40 % Monoesteranteil und einem Alkalistearatanteil von ca. 4,5 %, oder um das von Degussa (heute Evonik) produzierte Tegin®. Sein Schmelzpunkt liegt bei 64–69 °C.
Tegomuls®, ein in den 1930er Jahren für einen Einsatz im Margarine entwickeltes registriertes Produkt der Firma Goldschmidt (es ermöglichte dort die Senkung des Öl- und Erhöhung des Wasseranteils), gehört nicht mehr zur Standard-Produktpalette. Nach Auskunft der Firma gibt es keine Spezifikationen und Beispielrezepturen dieses Emulgators wie bei anderen üblich, da es sich um ein in seiner Rezeptur (wie am Monoesteranteil zu sehen) modifiziertes Produkt handelt und der Emulgator nach dem Lebensmittelrecht klassifiziert wird.
Tegomuls® 90 S hat einen HLB-Wert von 12 und ist ein O/W-Emulgator.
Tegomuls® eignet sich als Emulgator für Cremes und Lotionen. Er erzeugt eher leichte Rezepturen, die schnell einziehen. Daher wird er oft als Emulgator für junge oder eher fette Haut empfohlen. Im Vergleich zu anderen O/W-Emulgatoren wie Glycerinstearat SE, Montanov™ 68 und Montanov™ L ist das Hautgefühl mit Tegomuls® jedoch deutlich weniger befeuchtend und glättend.
Wie Glycerinstearat SE reagiert Tegomuls® leider empfindlich auf säurehaltige Zusätze und sollte daher eher im neutralen bis leicht basischen Bereich eingesetzt werden (pH-Wert nicht unter 7), was dermatologisch gesehen nicht optimal ist. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, Tegomuls® grundsätzlich in Verbindung mit einem weiteren Emulgator, z. B. TEGO® Care PS (Emulsan) zu verarbeiten – dann ist es möglich, einen hautfreundlichen Wert im leicht sauren Milieu einzustellen. Auch gegenüber Salzzugabe verhält sich Tegomuls® sensibel, weil die positiven Ionen des Natriums aus dem Salz die negativ geladene, hydrophile Carboxylatgruppe des Alkalistearatanteils anzieht und ihre Fähigkeit mindert, Wasser zu binden (Hydrathüllen auszubilden). Hier gilt die gleiche Empfehlung wie bei zu saurem pH-Wert, kombinieren Sie Tegomuls® z. B. mit Emulsan oder Lamecreme..
Tegomuls® erzeugt in einer Einsatzkonzentration von ca. 18–20 % der Fettphase stabile Emulsionen. Bei Dosierung im unteren oder geringeren Bereich sollte Tegomuls® in jedem Fall mit einem Koemulgator kombiniert werden. Auf diese Weise wird auch die Schwäche des Emulgators, im sauren Bereich auseinanderzufallen, aufgefangen. Bewährt hat sich zudem eine geringe Zugabe an einem Hydrokolloid (Guarkernmehl und Xanthan in ca. 0,1–0,2 % Einsatzkonzentration, also eine Messerspitze), um das »Wässern« von Emulsionen zu verhindern.
Tegomuls-Rezepturen neigen verstärkt zum so genannten »Weißeln«, ein sichtbarer weißer Film beim Verstreichen der Lotion oder Creme. Diese Eigenschaft ist ein Charakteristikum von Rezepturen mit Fettalkoholen und lässt nach einigen Tagen nach. Die Kosmetikindustrie kennt das kleine »Problem« und verwendet u. a. Dimethicone (also Silikonderivate), um dieses Weißeln zu verhindern. Ich denke, ein wenig Weißeln ist weitaus akzeptabler als eine Lotion mit Silikonen.
Mein Fazit: Tegomuls® wird von vielen Rührer(inne)n immer noch als verträglicher O/W-Emulgator geschätzt; er gehört jedoch in meinen Augen zu einer mittlerweile vergangenen Ära des Selbstrührens. Moderne kosmetische Emulgatoren wie Xyliance und Montanov&trade L, zwei im Auftragsverhalten, Pflegeverhalten und Hautgefühl ausgezeichnete Emulgatoren, machen ihn aus meiner Sicht heute weitgehend überflüssig.