Im September 2010 finden Sie einen Überblick über moderne naturkosmetische Rohstoffe in meinem neuen Buch. Weitere Informationen und eine ausführliche Leseprobe erwarten Sie auf olionatura.com.
Die hier aufgeführten Rohstoffe sind meine persönliche Auswahl empfehlenswerter und sinnvoller Ingredienzen in einer hautphysiologisch orientierten Natur-Kosmetik. Sie werden viele der aus der Hobbythek® bekannten Produkte daher nicht finden, dafür andere, die ich bei meinen Recherchen entdeckt und in mein Repertoire aufgenommen habe.

Glycerinstearat SE ist ein rein kosmetisch eingesetzter, nichtionischer Emulgator auf pflanzlicher Basis, den wir als elfenbeinfarbenes grobes Pulver kaufen. Er wird jedoch, je nach Hersteller und Produkt, auch in Form kleiner Pellets angeboten. Der Zusatz SE in der Handelsbezeichnung bedeutet selbstemulgierend und charakterisiert die emulgierenden Fähigkeiten des Produkts, die chemisch durch einen Zusatz an Alkali- oder Kaliumstearat (je nach Hersteller) erzeugt werden. Der Monoglycerid-Anteil liegt herstellerabhängig bei etwa 32 – 40 %. Die Kosmetikindustrie nutzt die nicht selbst emulgierende Form, (Glycerylmonostearat, Glycerinstearat mit HLB 4) als Konsistenzgeber und leichten Koemulgator. Bisweilen wird das Produkt auch als Glycerinmonostearat mit dem Zusatz selbstemulgierend deklariert, z. T. ergänzt durch die Angabe des Monoester-Anteils und des Alkalistearat-Typs (Beispiel: Glycerylmonostearat, 32/36, Kalium). Dieser Alkali-Stearat-Anteil (die Alkaliseife) ist der hydrophile Teil des Emulgators, das reine Glycerylmonostearat ist lipophil.
Auf dem Markt sind im Wesentlichen drei Produkte: Tegin® (Evonik, ehemals Degussa), Cutina® GMS SE (Cognis) und Imwitor® 960K (Sasol). Wir kaufen in der Regel Tegin®.
Wichtig: das mit der INCI-Bezeichnung »Glycerinstearat SE« deklarierte Tegomuls® aus dem Lebensmittelbereich hat eine andere Zusammensetzung und andere Eigenschaften als dieses Produkt. Weitere Informationen zu Tegomuls® finden Sie im entsprechenden Emulgatorportrait.
Glycerinstearat SE hat einen HLB-Wert von 12 und ist ein O/W-Emulgator.
Glycerinstearat ist insbesondere für Cremes mit einer Fettphase zwischen 20 und 40 % zu empfehlen; ich habe ihn als einen ausgezeichneten Emulgator für Lipidphasen zwischen 20 und 30 % empfunden; bei Lipidphasen deutlich über 40 % ist Montanov™ 68 besser geeignet (im Sinne eines angenehmeren Hautgefühls und Auftragsverhaltens); alternativ können Sie Glycerinstearat SE mit Lamecreme mischen.
Glycerinstearat SE erzeugt im optimalen Einsatzbereich sehr angenehme Emulsionen mit einem »feuchten«, leichten Hautgefühl. Ein Nachteil dieses Emulgators ist seine Intoleranz gegenüber verschiedenen Ingredienzen: bei Rezepturen mit säurehaltigen Inhaltsstoffen mit leicht sauren pH-Werten oder Mineralsalzen neigen Emulsionen mit Glycerinstearat SE zu Instabilität; der Hersteller empfiehlt hier eine zurückhaltende Dosierung. Der pH-Wert der Emulsionen liegt optimal zwischen 6,8 und 8,2, also im neutralen bis leicht basischen Bereich; er kann jedoch auch vorsichtig (!) mit Milchsäure nach unten korrigiert werden – leider genügt manchmal der eine Tropfen, um die Emulsion gerinnen zu lassen. Die Basisrezepturen K1 bis K3, die Sie auf der unteren Abbildung sehen, sind alle mit 12 % Alkohol (auf die Wasserphase gerechnet) und mit 2 Tropfen Milchsäure (zur Hydratation) gerührt. Wie man sieht, gibt er von sich aus bereits eine gewisse Konsistenz (mehr als beispielsweise Xyliance oder Montanov™ L).

Die Einsatzkonzentration variiert je nach Hersteller laut Datenblatt zwischen 6 bis 8 % auf die Gesamtmenge an Emulsion bezogen. Nach meiner Erfahrung nach garantiert eine Orientierung am Fett- und Wasserphasen-Rechner stabile und angenehme Emulsionen, das bedeutet konkret 4–5 % im bevorzugten Fettphasenbereich. Bei Dosierungen unter 4 % kann die Emulsion (je nach Gesamtkonzeption) nach 2–3 Wochen leicht inhomogen wirken.
Ein Zusatz an Gelbildnern in der Wasserphase hilft, die Einsatzkonzentration nach unten zu drücken. Glycerinstearat wird mit der Fettphase auf ca. 65 °C erwärmt, dann erfolgt die Zugabe der auf gleiche Temperatur erhitzten Wasserphase. Bei einem alleinigen Einsatz dieses Emulgators ist es wichtig, nach Emulsionsbildung sanft zu rühren, bis die Emulsion abgekühlt ist, also in keinem Fall zu stark zu homogenisieren. In der ersten Minute wird hochtouriges Rühren gut vertragen und fördert eine feine Dispergierung der inneren Ölphase, danach rühren Sie moderat weiter. Die zunächst eher dünnflüssige Emulsion wird zunehmend dickflüssig bis cremeartig. Typisch für Emulsionen mit Glycerinstearat ist, dass die einzelnen Ölpartikel eher etwas größer sind, also nicht so fein. Daher können stabile Emulsionen auf Basis von Glycerinstearat etwas »gläsern« aussehen.
Der Hersteller begründet die negativen Effekte einer Über-Homogenisierung mit einer verstärkten Adsorption des Kaliumstearat-Anteils an die Grenzflächen der fein dispergierten inneren Phase, so dass dieser für die Ausbildung emulsionsstabilisierender Gelstrukturen innerhalb der Emulsion eventuell nicht mehr ausreichend zur Verfügung steht; daher soll dieser Emulgator nicht zu fein dispergiert werden.
Nach meinen Erfahrungen neigen Emulsionen mit Glycerinstearat nach einigen Tagen zu einem »feucht gleitenden« Auftragsverhalten (»Glitsch«); die Emulsion bricht beim Auftrag und lässt schnell viel Wasser frei. Die Zugabe einer Messerspitze Gelbildner (Xanthan, Guarkernmehl) und eine sanfte Verarbeitungsweise mildern das Problem deutlich und verbessern dadurch Stabilität und das Auftragsverhalten.
Mein Fazit: ein schöner und vielseitiger Emulgator für feuchtigkeitsspendene Cremes und Lotionen mit leichten (Verarbeitungs-)Schwächen.
Die beiden folgenden Rahmenrezepturen decken zwei typische Emulsionen mit Glycerinstearat SE ab. Wählen Sie Öle und Buttern nach Wunsch; Anhaltspunkte für sinnvolle Ölmischungen finden Sie in dem Beitrag »Vorschläge für Ölkombinationen«, Hinweise zu sinnvollen Wirkstoffen und ihren Einsatzkonzentrationen in den jeweiligen Rohstoff-Portraits oder in der Rohstoff-Tabelle
| Ingredienzen | Lotion (100 g)¹ 25 % Fettphase |
Reichhaltige Creme (50 g)² 36 % Fettphase |
|---|---|---|
| ¹ 4 % Emulgator (16 % auf die Fettphase) ² 5 % Emulgator (14 % auf die Fettphase) ³ Myristylmyristat (TEGOSOFT® MM), Cetylalkohol, Cetylpalmitat u. a. |
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| Öle | 15,0 g | 12,0 g |
| Buttern | 5,0 g | 3,0 g |
| Emulgator | 4,0 g | 2,5 g |
| Konsistenzgeber³ | 1,0 g | 0,5 g |
| Wirkstoffe | 5–10 g | 2–5 g |
| Gelbildner | 0,2 g | 0,1 g |
| Wasser | auf 100,0 g auffüllen | auf 50,0 g auffüllen |
| Konservierung | 20 Tr. Rokonsal™ BSB-N | 10 Tr. Rokonsal™ BSB-N |