Öle, Buttern, Wachse

Literatur: Pflanzliche Öle

  1. Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel (BfEL): Datenbank SOFA (Seed Oil Fatty Acids)
  2. von Braunschweig, Ruth: Pflanzenöle. Qualität, Anwendung und Wirkung. Wiggensbach: Stadelmann-Verlag, 2007
  3. Untersuchungen über die Fettsäure- und Tocopherolgehalte von Pflanzenölen. Abschlußbericht über das Arbeitsprojekt »Pflanzenöle«. Rheinstetten, 2001
  4. Käser, Heike: Naturkosmetische Rohstoffe. Wirkung, Verarbeitung, kosmetischer Einsatz. Linz: Freya, 2. Auflage 2011
  5. Krist, S./Buchbauer, G./Klausberger, C.: Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle. Wien/New York: Springer-Verlag, 2008
  6. Matthäus, B./Münch, E. W. (Hrsg.): Warenkunde Ölpflanzen/Pflanzenöle. Agrimedia, 2009
  7. Chargenbezogene Analysen der Henry Lamotte Oils GmbH, Bremen

Babassuöl

INCI: Orbignya Oleifera (Babassu) Seed Oil

Babassuöl (Orbignya Oleifera (Babassu) Seed Oil)
Aufschlagen der Babassunüsse (© Martin Gerdemann)

Sonnenstabiles Öl Dieses Öl ist nach dem Öffnen bei kühler, dunkler und gut verschlossener Lagerung ca. 18 Monate haltbar.

(MTC-Öl: Ölgruppe PF-2)

Babassuöl wird aus einer der Kokosnuss ähnlichen, ca. 10–12 cm langen, braun-marmorierten Frucht der brasilianischen Babassupalme aus der Familie der Arecaceae gewonnen, deren 3–5 Samen 60–70 % Öl enthalten. Das Öl kann durch Kochen und Abschöpfen oder schonender durch Kaltpressung gewonnen werden. Das gelblich-weiße, in der Konsistenz talgartige, native Fett riecht nussig-kokosartig bis -talgig; raffiniert ist es geruchlos und weiß. Beim Kauf sollten Sie dringend auf rückstandsgepüftes Babassuöl mit kosmetischer Eignung nach Kosmetikverordnung achten, da vor allem natives Babassuöl mit Hefen und Bakterien belastet sein kann. Daher wird es bevorzugt raffiniert angeboten. Natives Bio- Babassuöl mit deutschem Analysezertifikat aus einem Fair Trade- Projekt erhalten Sie u. a. online bei Martin Gerdemann.

Inhaltsstoffe

Babassuöl ähnelt in seinem Fettsäurespektrum dem Kokosöl; es ist daher bei unter ca. 22 °C tendenziell fest. Neben der mit ca. 40 % dominierenden Laurinsäure (C 12:0) weist es ca. 15 % Myristinsäure (C 14:0), um die 16 % der einfach ungesättigten Ölsäure (C 18:1) und ca. 4 % der zweifach ungesättigten Linolsäure auf. Seine nach dem naturkosmetischen Spreitmodell von Olionatura ausgeprägte Spreitfähigkeit resultiert u. a. aus dem Gehalt an (kosmetisch betrachtet) kurzkettiger Capryl- (C 8:0) und Caprinsäure (C 10:0).

Kosmetischer Einsatz

Typisch ist sein Schmelzverhalten: bei Hautkontakt schmilzt es sofort und erzeugt ein weiches, seidiges Hautgefühl, spreitet ausgezeichnet und zieht (vergleichbar Kokosöl) schnell, jedoch nicht tief in die Haut ein. In Emulsionen wirkt es interessanterweise, analog zu Kokosöl, eher viskositätsmindernd. Es ergänzt, wie auch Kokosöl, Rezepturen mit öl- und linolsäurereichen Ölen zu einer ausgewogenen Spreitkaskade. Eine Besonderheit des Babassuöls ist sein hoher Gehalt an Laurinsäure, die eine antimikrobielle Wirkung aufweist. Die Kosmetikindustrie verwendet Babassuöl daher nicht nur bei trockener, spröder Haut, sondern auch bei fettiger Haut oder Mischhaut mit entzündlichen Unreinheiten sowie als kühlende Ölkomponente bei juckender, neurodermitischer Haut.

Fettsäurespektrum von Babassuöl
Fettsäurespektrum von Babassuöl mit den dominierenden Fettsäuren.

Babassuöl (Orbignya Oleifera (Babassu) Seed Oil)

Kerndaten zu Babassuöl (Orbignya Oleifera (Babassu) Seed Oil):

Die Werte von Jod- und Verseifungszahl basieren auf Durchschnittswerten und sind, wie die Spannen der genannten Inhaltsstoffe, verschiedenen, mir vorliegenden chargenbezogenen Analysen entnommen. Eine Erläuterung der Begriffe finden Sie im Glossar.

Jodzahl
14–20
Verseifungszahl
245–256
HLB-Wert
8
Schmelzbereich
21–26 °C
Typ (nach Römpp)
nicht trocknend
Spreitverhalten nach Olionatura®
hochspreitend
Hinweis: In dem in der Kosmetikindustrie verwendeten Spreitmodell von U. Zeidler würde es im Vergleich mit (halb-)synthetischen Estern und Mineralölderivaten als mittelspreitendes Öl gelten. Diese Systematik ist jedoch auf native pflanzliche Lipide nicht übertragbar. Erläuternde Informationen dazu finden Sie in diesem Beitrag.
Zusammensetzung
Laurinsäure (ca. 39–41 %), Ölsäure (ca. 16 %), Myristinsäure (ca. 15 %), Linolsäure (ca. 4 %), Caprylsäure (ca. 4 %), Caprinsäure (ca. 4 %)
Anteile an Unverseifbarem (%)
1
Kosmetischer Einsatz
Hochspreitendes Lipid für trockene, strapazierte Haut und entzündliche Haut, sehr gut als Massageöl geeignet.