Babassuöl wird aus einer der Kokosnuss ähnlichen, ca. 10–12
cm langen, braun-marmorierten Frucht der brasilianischen Babassupalme aus der
Familie der Arecaceae gewonnen, deren 3–5 Samen 60–70 % Öl
enthalten. Das Öl kann durch Kochen und Abschöpfen oder schonender
durch Kaltpressung gewonnen werden. Das gelblich-weiße, in der Konsistenz
talgartige, native Fett riecht nussig-kokosartig bis -talgig; raffiniert ist
es geruchlos und weiß. Beim Kauf sollten Sie dringend auf rückstandsgepüftes
Babassuöl mit kosmetischer Eignung nach Kosmetikverordnung achten, da vor
allem natives Babassuöl mit Hefen und Bakterien belastet sein kann. Daher
wird es bevorzugt raffiniert angeboten. Natives Bio- Babassuöl mit deutschem
Analysezertifikat aus einem Fair Trade- Projekt erhalten Sie u. a. online bei
Martin Gerdemann.
Inhaltsstoffe
Babassuöl ähnelt in seinem Fettsäurespektrum dem Kokosöl; es ist daher bei unter ca. 22 °C tendenziell fest. Neben der mit ca. 40 % dominierenden Laurinsäure (C 12:0) weist es ca. 15 % Myristinsäure (C 14:0), um die 16 % der einfach ungesättigten Ölsäure (C 18:1) und ca. 4 % der zweifach ungesättigten Linolsäure auf. Seine nach dem naturkosmetischen Spreitmodell von Olionatura ausgeprägte Spreitfähigkeit resultiert u. a. aus dem Gehalt an (kosmetisch betrachtet) kurzkettiger Capryl- (C 8:0) und Caprinsäure (C 10:0).
Kosmetischer Einsatz
Typisch ist sein Schmelzverhalten: bei Hautkontakt schmilzt es sofort und
erzeugt ein weiches, seidiges Hautgefühl, spreitet ausgezeichnet und
zieht (vergleichbar Kokosöl) schnell, jedoch nicht tief in die Haut ein.
In Emulsionen wirkt es interessanterweise, analog zu Kokosöl, eher viskositätsmindernd.
Es ergänzt, wie auch Kokosöl, Rezepturen mit öl- und linolsäurereichen Ölen
zu einer ausgewogenen Spreitkaskade. Eine Besonderheit des Babassuöls
ist sein hoher Gehalt an Laurinsäure, die eine antimikrobielle Wirkung
aufweist. Die Kosmetikindustrie verwendet Babassuöl daher nicht nur bei
trockener, spröder Haut, sondern auch bei fettiger Haut oder Mischhaut
mit entzündlichen Unreinheiten sowie als kühlende Ölkomponente bei juckender,
neurodermitischer Haut.
Fettsäurespektrum von Babassuöl mit den dominierenden Fettsäuren.
Kerndaten zu Babassuöl (Orbignya Oleifera (Babassu) Seed Oil):
Die Werte von Jod- und Verseifungszahl basieren auf Durchschnittswerten und sind, wie die Spannen der
genannten Inhaltsstoffe, verschiedenen, mir vorliegenden chargenbezogenen Analysen entnommen. Eine
Erläuterung der Begriffe finden Sie im Glossar.
Jodzahl
14–20
Verseifungszahl
245–256
HLB-Wert
8
Schmelzbereich
21–26 °C
Typ (nach Römpp)
nicht trocknend
Spreitverhalten nach Olionatura®
hochspreitend Hinweis: In dem in der Kosmetikindustrie verwendeten Spreitmodell von U. Zeidler würde es im
Vergleich mit (halb-)synthetischen Estern und Mineralölderivaten als mittelspreitendes
Öl gelten. Diese Systematik ist jedoch auf native pflanzliche Lipide nicht übertragbar.
Erläuternde Informationen dazu finden Sie in
diesem Beitrag.