Basics

Das Handbuch

Naturkosmetik selber machen. Das Handbuch
Im Frühjahr 2012 wird mein neues Buch erscheinen: Das Handbuch kombiniert verständlich aufbereitete Theorie mit fundierter Herstellungspraxis und lädt mit über 100 Naturkosmetikrezepten zum Nachrühren und Selbstentwickeln ein. Sie können es bereits beim Verlag oder bei Amazon vorbestellen.

Beiträge für Einsteiger

Online-Shops
Wo bekommt man all die beschriebenen Zutaten? In dieser Liste finden Sie eine Auswahl an bewährten Bezugsquellen.
Emulgator-Tabelle
Jeder Emulgator hat bestimmte Eigenschaften: diese Tabelle zeigt Ihnen auf einen Blick, welche.
Wirkstoff-Tabelle
Diese Tabelle listet die Eigenschaften von Wirkstoffen auf und gibt Hinweise zu ihrer Dosierung und Verarbeitung.

Der Rührkurs: Öl-in-Wasser-Emulsionen

Emulsion mit Xyliance
Zuhause lassen sich wundervolle naturkosmetische Produkte herstellen: Cremes und Lotionen, Lippenpflege, Peelings, Concealer … der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Creme rühren ist einfach – eine passende Creme für den eigenen Hautzustand zu finden erweist sich als bedeutend schwieriger. Beim Kauf von Kosmetikprodukten ist es nicht anders: nicht jede Creme »passt« auf Anhieb. Dieser Rührkurs wird Sie zunächst bei der Herstellung einer Creme begleiten. Ergänzende Unterstützung erhalten Sie im Unterforum »Einsteiger willkommen« im Olionatura-Forum.

Zubehör

Für die ersten Rührversuche benötigen Sie kein besonderes Zubehör, Sie werden alles in Ihrer Küche finden. Einzige mögliche Ausnahme: eine Feinwaage, die möglichst in 0,1-g-Schritten wiegt und mindestens 400 g tragen sollte. Grund: mit Glas oder Becher kommen Waagen mit geringerer Akzeptanz schnell an ihre Grenzen, da Sie die Zutaten oft direkt auf der Waage zusammen mischen. Für den Einstieg bzw. solange Sie unsicher sind, ob Sie bei diesem Hobby bleiben, reicht eine günstige Feinwaage, z. B. eine der Firma Tomopol. Leider sind sie nicht für flüssiges Wiegegut gedacht, und ein wenig ins Gehäuse gelaufenes Öl oder Hydrolat kann sie dauerhaft beeinträchtigen. Wenn Sie bei diesem Hobby bleiben, werden Sie später professionelleres Zubehör bevorzugen.

Stellen Sie bitte folgende Utensilien zusammen:

  1. 1 Feinwaage zum Abwiegen der Ingredienzien,
  2. 2 feuerfeste Gläser (Marmeladengläser z. B.), die man im Wasserbad erhitzen kann. Wenn Sie sich in dieses Hobby »verliebt« haben, werden Sie Bechergläser schätzen, die direkt auf die Herdplatte gestellt werden können.
  3. Mehrere Löffelchen zum Abwiegen und Entnehmen der Zutaten (Metall oder Kunststoff),
  4. einen Stabmixer oder Knethaken zum ersten Emulgieren der Wasser- und Fettphase (ein Schneebesen rührt zu viel Luft unter),
  5. eventuell ein Thermometer (ein digitales Braten- oder ein Tee-Thermometer), ist aber nicht unbedingt notwendig.
  6. 70%igen Alkohol zum Desinfizieren der Geräte, der Cremedosen und des Arbeitsplatzes. Sie können eventuell den günstigeren vergällten Alkohol für diese Zwecke nehmen. Später, bei größeren »Rühraktionen«, lohnt es sich, die Bechergläser und Metall-Löffel (keinen Kunststoff!) 20 Minuten im Dampfdrucktopf zu sterilisieren. Der Energieaufwand ist bei modernen Herden gering und liegt sicher nicht höher als 5 Cent.
  7. Cremedosen, Lotionflaschen usw. für die fertigen Kosmetika.

Bereiten Sie Ihren Arbeitsplatz vor:

  1. Desinfizieren Sie die Hände, die Arbeitsplatte, alle Gerätschaften (Stabmixeraufsatz!) und die Cremedosen oder -flaschen (vor allem die Deckel, in denen sich gerne Reste des vorherigen Inhalts festsetzen). Ich lege Küchenrollen-Papier aus, auf die ich die gereinigten Utensilien ablege. Bewährt hat es sich, den 70%igen Alkohol in eine kleine Sprühflasche zu füllen und alles großzügig (!) und sorgfältig auszusprühen. Es reicht, die Utensilien dann an der Luft trocken zu lassen; der Alkohol verfliegt schnell. Bitte nichts mehr mit den Fingern berühren, was mit den Rohstoffen Kontakt hat!
  2. Legen Sie sich einige Küchenrollen-Tücher bereit. Man braucht sie manchmal zwischendurch.
  3. Legen Sie sich das Rezeptblatt (und einen Stift) bereit – warum den Stift, erkläre ich später.

Zutaten

Jetzt kommen die Ingredienzien des Rezepts. Viele Rezepte arbeiten mit den Mess-Löffeln der Hobbythek, geben manche Zutaten in Gramm, andere in ml an. Leider gibt es verschiedene Messlöffel auf dem Markt, und so ist es oft schwer, die korrekten Mengenverhältnisse abzuschätzen. Da ich Rezepte gerne gezielt plane, was Fett-,  Wasserphase und Emulgatoranteil angeht, arbeite ich grundsätzlich nur mit der Feinwaage und mit Grammangaben. Das macht es anderen zudem leichter, eine Rezeptur nachzuarbeiten.

Wiegen Sie alle Zutaten ab und stellen Sie sie bereit:

  1. Geben Sie das Wasser in ein Becherglas. Nehmen Sie (falls notwendig) 5–10 g Wasser zum Auflösen temperaturempfindlicher Wirkstoffe ab und stellen es beiseite. Eine Orientierung bezüglich der Hitzeempfindlichkeit von Wirkstoffen gibt Ihnen diese Rohstofftabelle.
  2. Geben Sie die flüssigen Basisöle, Buttern, Konsistenzgeber (Wachse, Cetylalkohol, Stearinsäure), fettartige Wirkstoffe (Avocadin®, Gamma-Oryzanol) und den/die Emulgator(en) in das andere Glas. Wirkstofföle werden optimal erst bei Handwärme hinzugegeben. Es ist als Anfänger sinnvoll, die Zutaten einzeln abzuwiegen anstatt sie direkt auf der Waage zusammenzugießen, manchmal rutscht etwas mehr ins Glas als gewollt. Mit der Zeit werden Sie routinierter und können vieles direkt ins Becherglas geben.

So stellen Sie O/W-Emulsionen her:

Hier möchte ich einige Worte voranschicken: Es gibt viele Diskussionen um die »richtige Form des Rührens«. Fakt ist, dass wir sehr viel Energie benötigen, um möglichst schnell möglichst kleine, fein dispergierte Tröpfchen in einer Emulsion zu erzeugen. Dazu bedarf es hoher Scherkräfte in den ersten 1–2 Minuten. Mit dem Glasstab zu emulgieren bringt nicht annähernd die gewünschte Energie. In meinen Augen bewährt hat sich der Stabmixer oder Dremel (1 Minute Powerrühren), ein Rührwerk (Unguator®, IKA u. a., 2 Minuten Powerrühren, das sind allerdings eher Werkzeuge für Selbstrührer, die dieses Hobby sehr intensiv betreiben) oder der elektrische Knethaken (mit 800–1200 rpm, hier bitte 4 Minuten, für die erste Phase des Emulgierens – danach gilt es, die untergeschlagene Luft wieder zu entfernen und die Emulsion kontinuierlich kalt zu rühren. Ich stelle mein Rührgerät nach dem »Powerrühren« zunächst 2 Minuten auf eine mittlere Umdrehungszahl; anschließend wird die Emulsion sanft kalt gerührt. Wenn Ihre Emulsionen zu dünnflüssig bleiben oder sich wieder trennen, kann es durchaus daran liegen, dass Sie – physikalisch betrachtet – zu wenig Energie beim Rühren eingebracht haben.

Nun aber geht es an die Praxis: Alle im Folgenden genannten Schritte gelten für Montanov™ 68, Montanov™ L, Montanov™ 202, Xyliance, Glycerinstearat SE, Emulsan, Tegomuls, Lamecreme, TEGO® 450 und TEGO® PSC-3.

Schritt 1: Fett- und Wasserphase erhitzen

  • Phasen auf gleiche Temperatur erhitzen
    Alle Komponenten der Fettphase und das Wasser werden nun im Wasserbad oder auf der Herdplatte erhitzt. Soweit möglich sollten Sie gerade als Einsteiger die Temperatur kontrollieren und sich an die Hinweise in den Emulgatorportraits orientieren: das Öl mit den Emulgatoren muss klar aufgeschmolzen sein und eine dem Emulgator entsprechende Temperatur aufweisen, die in der Regel zwischen 65–85 °C liegt. Keine Angst vor der Temperatur, dieses kurze Erhitzen schadet den Rohstoffen nicht.

Schritt 2: Emulsion herstellen

  • Phase B zu Phase A geben
    Die auf die gleiche Temperatur erhitzte Wasserphase wird zur Fettphase gegeben. Dabei gibt es zwei Methoden:
    1. das Wasser unter Rühren nach und nach in kleinen Schlucken oder in einem dünnem Strahl dazugeben oder
    2. beide Phasen zusammengießen und dann erst mit dem Emulgieren beginnen. Also: Wasser- ganz in die Fettphase gießen, dann erst emulgieren. Diese Methode nennt man »One-Pot-Methode«.
  • Beide Phasen werden hochtourig dispergiert
    Dabei kommt die Kraft ins Spiel: dispergieren Sie hochtourig. In dieser Zeit zerschlagen wir die Öltröpfchen so klein wie möglich, um eine stabile und homogene Emulsion mit angenehmer Haptik zu erhalten.
  • Beide Phasen werden handwarm gerührt
    Rühren Sie anschließend die Emulsion handwarm. Jetzt bieten sich Rührwerkzeuge (z. B ein Handrührgerät) mit niedriger Umdrehungszahl an, um eventuell untergeschlagene Luft wieder herauszurühren. Manche bevorzugen einen Spatel und rühren per Hand weiter. Wichtig: Die Emulsion bitte nicht direkt ins kalte Wasserbad stellen, da ansonsten Fettpartikel zu früh auskristallisieren und unschöne Batzen in der Emulsion bilden können.

Schritt 3: Bei Handwärme Wirk- und Hilfsstoffe hinzufügen

  • Bei Handwärme kommen Wirkstoffe hinzu
    Bei Handwärme geben Sie dann, soweit angeben, in etwas warmem Wasser aufgelöste Vitamine, Hyaluronsäure, wärmeempfindliche Wirkstofföle, Pflanzentinkturen und andere Wirkstoffe hinzu. Optimal ist, zu diesem Zeitpunkt einen Gelbildner in etwas Glycerin, Panthenol oder Alkohol (mindestens 70 % vol.) zu verrühren und der Emulsion hinzuzufügen. Rühren Sie sanft ohne Wasserbad weiter, bis die Emulsion vollkommen abgekühlt ist und geschmeidig, opak und glatt wirkt. Ja, ohne Wasserbad: unsere kleinen Chargen kühlen von alleine sanft aus. Meine Erfahrung ist, dass diese Geduld sich auszählt und zu besonders schönen, stabilen Emulsionen führt.

Schritt 4: Konservierung und pH-Wert-Kontrolle

  • Nun wird die Emulsion mit Alkohol (12–15 % auf die Wasserphase gerechnet oder mit naturkosmetik-konformen Konservierungsstoffen konserviert. Kontrollieren Sie den pH-Wert und stellen Sie ihn mit Milch- oder Zitronensäure ein. Füllen Sie zum Abschluss die abgekühlte Emulsion in ein desinfiziertes Behältnis.

Halten Sie Ihre Beobachtungen fest:

Garantiert werden Sie die Emulsion sofort ausprobieren, am Spatel ist ja noch genügend Rest. Jetzt kommt der Stift ins Spiel, den ich zu Beginn nannte: Notieren Sie sie auf dem Rezeptblatt: wie fühlt sich die Emulsion an? Zieht sie schnell ein oder liegt sie eher wie ein Film auf der Haut? Gefällt Ihnen die Haptik, ist sie geschmeidig, weich, fest, stumpf? Wie ist die Konsistenz? Diese Beobachtungen helfen, Rezepte mit der Zeit und wachsender Erfahrung an eigene Bedürfnisse anpassen zu können – etwas mehr Konsistenzgeber oder eben weniger, kein Wachs mehr, Öle austauschen … Duftkombination gelungen, sofort notieren! Wichtig: Prüfen Sie die Emulsion nach 24–48 Stunden noch einmal; direkt nach dem Rühren ist die Bildung der stabilisierenden »Gerüste« innerhalb der Emulsion noch nicht abgeschlossen. Sie muss noch mindestens 24 Stunden »reifen«; richtig ausgebildet sind sie oft erst nach mehreren Tagen. Daher: prüfen Sie die Emulsion nach einer Woche erneut nach oben genannten Kriterien und notieren Sie Ihre Eindrücke. Es lohnt sich: mit der Zeit entwickeln Sie auf Basis Ihrer Beobachtungen wertvolle Erfahrungen für Ihre weiteren Experimente.