Für Einsteiger stehen bestimmte Fragen im Raum, die ich seit
Jahren immer wieder in Mails oder in Foren beantworte. Hier finden
Sie diese Fragen – und Antworten.
Selbst Rezepte planen: dieser Beitrag zeigt Ihnen Schritt für
Schritt, wie Sie mit dem Online-Fett- und Wasserphasen-Rechner eigene
Rezepte planen können.
Creme rühren ist kinderleicht – leichter als Kochen.
Unabhängig davon, dass man sich leidenschaftlich in Fragen nach
der richtigen Emulgator-Konzentration, der perfekten Rührmethode
und der Ausgewogenheit von Ölmischungen verlieren kann, ist nur
wenig Grundwissen nötig, um erfolgreich Cremes herzustellen. Dieser
Rührkurs will Ihnen eine Orientierung geben. Ergänzende Unterstützung
erhalten Sie im Forum »Einsteiger willkommen«
in der »Rührküche«,
dem Forum von olionatura.de.
Arbeitsschritte im Überblick
Bevor Sie alle Phasen Schritt für Schritt erläutert vorfinden,
möchte ich Ihnen mit Hilfe dieser Grafik (Abbildung 1) die
wesentlichen Arbeits-Phasen visualisieren. Sie sehen: es sind nur wenige,
immer gleiche »Handgriffe«, die Ihnen schnell in Fleisch
und Blut übergehen. Die Grafik steht Ihnen als
Download (PDF, DIN A4-Format, 32 KB) zur Verfügung: drucken
Sie sie aus und legen Sie sich die Skizze beim ersten Rühren bereit.
Sie gilt für die meisten aller Rezepturen, aus denen Öl-in-Wasser-Emulsionen
hervorgehen:
Abbildung 1: Alle Arbeitsschritte zur Herstellung einer O/W-Emulsion im Überblick
Zubehör
Für die ersten Rührversuche benötigen Sie kein besonderes
Zubehör, Sie werden alles in Ihrer Küche finden. Einzige mögliche
Ausnahme: eine Feinwaage, die möglichst in 0,1-g-Schritten wiegt
und mindestens 400 g tragen sollte. Grund: mit Glas oder Becher
kommen Waagen mit geringerer Akzeptanz schnell an ihre Grenzen, da Sie
die Zutaten oft direkt auf der Waage zusammen mischen. Diese Waagen erhalten
Sie günstig bereits ab ca. 10 Euro. Ich selbst verwende eine große,
die in 0,1 g-Schritten wiegt und eine kleine für sehr geringe Mengen
(50–100 g), die jedoch auf 0,01 g genau wiegt. Gute Erfahrungen
habe ich mit Waagen der Firma Tomopol gemacht.
Es ist sinnvoll, direkt ein Kalibriergewicht mitzubestellen.
Stellen Sie bitte folgende Utensilien zusammen:
1 Feinwaage zum Abwiegen der Ingredienzien,
2 feuerfeste Gläser (Marmeladengläser
z. B.), die man im Wasserbad erhitzen kann. Wenn Sie sich in dieses
Hobby »verliebt« haben, werden Sie Bechergläser schätzen,
die direkt auf die Herdplatte gestellt werden können.
Mehrere Löffelchen zum Abwiegen und Entnehmen der Zutaten (Metall
oder Kunststoff),
einen Stabmixer oder Knethaken zum ersten Emulgieren
der Wasser- und Fettphase (ein Schneebesen rührt zu viel Luft
unter),
eventuell ein Thermometer (ein digitales Braten-
oder ein Tee-Thermometer), ist aber nicht unbedingt notwendig (siehe
Abbildung 3).
70%igen Alkohol zum Desinfizieren der Geräte,
der Cremedosen und des Arbeitsplatzes. Sie können den günstigeren
vergällten Alkohol für diese Zwecke nehmen. Später,
bei größeren »Rühraktionen«, lohnt es sich,
die Bechergläser und Metall-Löffel (keinen Kunststoff!) 20 Minuten
im Dampfdrucktopf zu sterilisieren. Der Energieaufwand ist
bei modernen Herden gering und liegt sicher nicht höher als 5 Cent.
Cremedosen, Lotionflaschen usw. für die fertigen
Kosmetika.
Desinfizieren Sie die Hände, die Arbeitsplatte, alle Gerätschaften
(Stabmixeraufsatz nicht vergessen) und die Cremedosen oder -flaschen
(vor allem die Deckel, in denen sich gerne Reste des vorherigen Inhalts
festsetzen). Ich lege Küchenrollen-Papier aus, auf die ich die
gereinigten Utensilien ablege. Bewährt hat es sich, den 70%igen
Alkohol in eine kleine Sprühflasche zu füllen und alles großzügig
(!) und sorgfältig auszusprühen. Es reicht, die Utensilien
dann an der Luft trocken zu lassen; der Alkohol verfliegt schnell.
Bitte nichts mehr mit den Fingern berühren, was mit den Rohstoffen
Kontakt hat!
Stellen Sie ggfs. einen Topf mit kaltem Wasser bereit (darin kann
man Emulsionen schneller kalt rühren).
Legen Sie sich einige Küchenrollen-Tücher bereit. Man braucht
sie manchmal zwischendurch.
Legen Sie sich das Rezeptblatt (und einen Stift) bereit – warum
den Stift, erkläre ich später.
Zutaten
Jetzt kommen die Ingredienzien des Rezepts. Viele Rezepte arbeiten mit
den Mess-Löffeln der Hobbythek, geben manche Zutaten in Gramm, andere
in ml an. Leider gibt es verschiedene Messlöffel auf dem Markt,
und so ist es oft schwer, die korrekten Mengenverhältnisse abzuschätzen.
Da ich Rezepte gerne analysiere und gezielt plane, was Fett-, Wasserphase
und Emulgatoranteil angeht, arbeite ich grundsätzlich nur mit der
Feinwaage und mit Grammangaben.
Wiegen Sie alle Zutaten ab und stellen Sie sie bereit:
Geben Sie das Wasser (optimal: Hydrolat – kurz aufkochen –,
abgekochtes stilles oder destilliertes Wasser, ggfs. abgekochtes Leitungswasser – wenn Ihre
Wasserqualität zuhause gut ist, sprich Sie an Ihrem Wohnort weiches
Wasser haben) in ein Becherglas.
Vorher haben Sie etwas Wasser für temperaturempfindliche
Wirkstoffe abgenommen und es beiseite gestellt. Eine Orientierung
bezüglich
der Hitzeempfindlichkeit von Wirkstoffen gibt Ihnen diese tabellarische
Liste.
Geben Sie die flüssigen Basisöle (wenn im Rezept vorhanden,
auch Konsistenzgeber wie Wachse, Cetylalkohol, Stearinsäure, UdA)
und den/die Emulgator(en) in das andere Glas. Pflanzenbutter (Shea-,
Kakaobutter u. a.) und Wirkstofföle werden optimal erst später
hinzugegeben. Es ist als Anfänger sinnvoll, die Zutaten einzeln
abzuwiegen anstatt sie direkt auf der Waage zusammen zu gießen,
manchmal rutscht etwas mehr ins Glas als gewollt. Mit der Zeit werden
Sie routinierter und können vieles direkt ins Becherglas gießen.
Stellen Sie die Emulsion her:
Hier möchte ich einige Worte voranschicken: Es gibt viele Diskussionen
um die »richtige Form des Rührens«. Fakt ist, dass wir sehr viel
Energie benötigen, um möglichst schnell möglichst kleine,
fein dispergierte Tröpfchen in einer Emulsion zu erzeugen. Dazu
bedarf es hoher Scherkräfte in den ersten 1–2 Minuten.
Mit dem Glasstab zu emulgieren bringt nicht annähernd die
gewünschte Energie. In meinen Augen bewährt hat sich der Stabmixer
(1 Minute Powerrühren), ein Flügelrührer aus der
Unguator®-Serie (2 Minuten Powerrühren) oder der elektrische
Knethaken (aber einer mit viel Power, hier bitte 4 Minuten)
für die erste Phase des Emulgierens – danach gilt es,
die untergeschlagene Luft wieder zu entfernen und die Emulsion kontinuierlich
kalt zu rühren. Ich stelle
mein Rührgerät nach dem »Powerrühren« zunächst
2 Minuten auf eine mittlere Umdrehungszahl; anschließend wird die
Emulsion sanft kalt gerührt.
Wenn
Ihre Emulsionen zu dünnflüssig
bleiben oder sich wieder trennen, kann es
durchaus daran liegen, dass Sie – physikalisch betrachtet – zu
wenig Energie beim Rühren eingebracht haben. Nun aber geht es an
die Praxis.
1. Herstellung von Öl-in-Wasser-Emulsionen
(Emulgatoren: Montanov™ 68, Montanov™ L, Xyliance,
Glycerinstearat SE,
Emulsan, Tegomuls, Lamecreme)
Die beiden Bechergläser mit Fett- und Wasserphase werden nun
im Wasserbad oder auf der Herdplatte erhitzt. (Das vorher eventuell
entnommene Wasser für die hitzeempfindlichen Wirkstoffe steht
abseits und wartet auf seinen Einsatz).
Soweit möglich, gerade als Einsteiger die Temperatur kontrollieren
und sich an die Hinweise in den Emulgatorportraits orientieren:
das Öl mit den Emulgatoren muss aufgeschmolzen sein und eine dem
Emulgator entsprechende Temperatur aufweisen, die in der Regel zwischen
60–80 °C liegt. Keine Angst vor der Temperatur, dieses
kurze Erhitzen schadet den Rohstoffen ganz sicher nicht.
Das Glas mit der Fettphase vom Herd nehmen, nun Pflanzenbutter in
die Fettphase hinein geben und schmelzen lassen. Nicht mehr erhitzen
(im vom Herd gezogenen Wasserbad können Sie den Becher allerdings
stehen lassen). In die Wasserphase können nun je nach Rezept hitzeresistente
Wirkstoffe aufgelöst werden wie z. B. Sorbit, Glycerin, Allantoin.
(Wichtig: Hyaluronsäure, Harnstoff, Honig und Vitamine warten
separat in dem vorher abgenommenen Wasser aus der Wasserphase). In
dieser Liste sehen Sie die Temperatu-Empfindlichkeiten im Überblick.
Jetzt kommt ein wichtiger Moment: bei
klassischen Öl-in-Wasser-Emulgatoren (Emulsan,
Tegomuls®, Glycerinstearat SE, Montanov™ 68, Lamecreme
bei Fettphasen-Anteilen bis zu 50 %) haben sich zwei Methoden
bewährt:
beide Phasen zusammen gießen und dann erst mit dem Emulgieren
beginnen. Also: Wasser- ganz in die Fettphase gießen, dann
erst emulgieren oder
das Wasser nach und nach in kleinen Schlucken oder dünnem Strahl
dazugeben.
Dabei kommt die Kraft ins Spiel: dispergieren Sie hochtourig – ca. 4
Minuten mit dem Flügelrührer, nur etwa eine Minute mit dem
Stabmixer. In dieser Zeit zerschlagen wir die Öltröpfchen
so klein wie möglich, um eine stabile und homogene Emulsion mit
angenehmer Haptik zu erhalten.
Rühren Sie anschließend die Emulsion handwarm. Jetzt
bieten sich Rührwerkzeuge mit niedriger Umdrehungszahl an, um
eventuell untergeschlagene Luft wieder herauszurühren. Mein Flügelrührer
lässt sich auch mit einer sehr geringen Umdrehungszahl betreiben.
Manche bevorzugen einen Spatel und rühren per Hand weiter. Wichtig:
Die Emulsion bitte nicht direkt ins kalte Wasserbad stellen, da
ansonsten Fettpartikel zu früh
auskristallisieren und unschöne Batzen in der Emulsion bilden
können. Geben Sie dann, soweit angeben, in etwas warmem Wasser
aufgelöste Vitamine, Hyaluronsäure, wärmeempfindliche
Wirkstofföle, Pflanzentinkturen und andere Wirkstoffe hinzu. Rühren
Sie sanft (eventuell im kalten Wasserbad) weiter, bis die
Emulsion vollkommen abgekühlt ist und geschmeidig, opak und glatt
wirkt.
Ätherische Öle und Konservierer werden
ganz zum Schluss untergerührt, da sie schnell verfliegen. Ganz
zum Schluss wird bei Bedarf der pH-Wert mit Milchsäure eingestellt. Schönere
Emulsionen erhalten Sie durch kontinuierliches Rühren bei langsamem,
aber stetigem Abkühlen. Füllen Sie die abgekühlte Emulsion
in die desinfizierten Behältnisse.
Die beiden Bechergläser mit Fett- und Wasserphase werden im
Wasserbad oder auf der Herdplatte sanft erhitzt. (Das vorher eventuell
entnommene Wasser für die hitzeempfindlichen Wirkstoffe steht
abseits und wartet auf seinen Einsatz). Alle Fette müssen homogen
aufgeschmolzen sein.
Das Glas mit der Fettphase vom Herd nehmen, nun Pflanzenbutter in
die Fettphase hinein geben und schmelzen lassen. Nicht mehr erhitzen
(im vom Herd gezogenen Wasserbad können Sie den Becher allerdings
stehen lassen). In die Wasserphase können nun je nach Rezept hitzeresistente
Wirkstoffe aufgelöst werden wie z. B. Sorbit, Glycerin, Allantoin.
(Wichtig: Hyaluronsäure, Harnstoff, Honig und Vitamine warten
separat in dem vorher abgenommenen Wasser aus der Wasserphase). In
dieser Liste sehen Sie die Temperatur-Empfindlichkeiten im Überblick.
Bei Wasser-in-Öl-Emulgatoren (Dermofeel® PR,
Olivem 900, Lamecreme bei Fettphasen-Anteilen über 50 %)
geben Sie die Wasserphase nach und nach in sehr kleinen (!) Schlückchen
unter Rühren in die Fettphase und emulgieren jede Portion Wasser
gut auf, bevor die nächste dazu kommt; hier muss es nicht
hochtourig zugehen. Auch Lanolin und Wollwachsalkohole lassen sich
auf diese Weise gut verarbeiten. Es ist wirklich außerordentlich
wichtig, das Wasser sehr langsam einzuarbeiten, bis alles Wasser gebunden
ist.
Rühren Sie anschließend die Emulsion handwarm. Jetzt
bieten sich Rührwerkzeuge wie Spatel oder Löffel an, um die
eventuell mit dem elektrischen Rührstab untergeschlagene Luft
wieder heraus zu rühren. Wichtig: Emulsion nie direkt ins
kalte Wasserbad stellen, da ansonsten Fettpartikel zu früh
auskristallisieren und die Emulsion inhomogen können. Geben Sie
dann, soweit angeben, in etwas warmem Wasser aufgelöste Vitamine,
Hyaluronsäure, wärmeempfindliche Wirkstofföle, Pflanzentinkturen
und andere Wirkstoffe hinzu. Rühren Sie mit einem Spatel (eventuell
im kalten Wasserbad) weiter, bis die Emulsion vollkommen abgekühlt
ist und geschmeidig, opak und glatt wirkt. Besonders glatte Emulsionen
gelingen in der Fantaschale mit dem Pistill; auch mit dem Flügelrührer
gelingen gute Emulsionen.
Ätherische Öle und Konservierer werden
ganz zum Schluss untergerührt, da sie schnell verfliegen. Schönere
Emulsionen erhalten Sie durch kontinuierliches Rühren bei langsamem,
aber stetigem Abkühlen. Füllen Sie die abgekühlte Emulsion
in die desinfizierten Behältnisse.
3. Herstellen einer Lecithin-Emulsion
(Reinlecithin, Sojalecithin 63 %, Hydriertes Lecithin)
Lecithine profitieren von einer besondere Behandlung:
Geben Sie die benötigte Menge Lecithin in ein Becherglas und
lassen Sie es mit der gleichen, höchstens der doppelten Menge
(also 1:1 oder 1:2) quellen. Die Temperatur, bei der dieses Quellen
erfolgern muss, ist vom Lecithin abhängig. Hydriertes Lecithin
benötigt höhere Temperaturen um die 70 °C (ca. 20
Minuten), alle anderen Lecithine können bei Raumtemperatur vorquellen.
Das Quellen ermöglicht den Lecithinen, lamellare Strukturen auszubilden.
Geben Sie nun in die Lecithin-Wasser-Mischung nach und nach das gesamte Öl
und erzeugen Sie eine homogene Voremulsion.
Wenn diese Voremulsion ganz glatt und homogen erscheint, wird vorsichtig,
nach und nach das Wasser hinzugegeben, bis die Mischung opak und deckend
wird. (Oft beginnt sie an diesem Punkt, sich um den Knethaken oder
das Rührwerkzeug zu wickeln). Rühren Sie solange, bis Sie
den Eindruck einer homogenen, glatten und stabilen Emulsion haben.
Garantiert werden Sie die Emulsion sofort ausprobieren, am Spatel ist
ja noch genügend Rest. :-) Jetzt kommt der Stift ins Spiel, den
ich zu Beginn nannte.
Mein Tipp: Halten Sie Ihre Beobachtungen fest:
Notieren Sie sie auf dem Rezeptblatt: wie fühlt sich die Emulsion
an? Zieht sie schnell ein oder liegt sie eher wie ein Film auf der Haut?
Gefällt Ihnen die Konsistenz, ist sie geschmeidig, weich, fest,
stumpf? Wie ist die Konsistenz? Diese Beobachtungen helfen, Rezepte mit
der Zeit und wachsender Erfahrung an eigene Bedürfnisse anpassen
zu können – etwas mehr Konsistenzgeber oder eben
weniger, kein Wachs mehr, Öle austauschen … Duftkombination
gelungen, sofort notieren! Sie können dieses Rezeptblatt
als PDF (23 KB) herunterladen und verwenden, wenn Sie möchten.
Wichtig: Prüfen Sie die Emulsion nach 24–48 Stunden noch
einmal; direkt nach dem Rühren ist die Bildung der stabilisierenden »Gerüste« innerhalb
der Emulsion noch nicht abgeschlossen. Sie muss noch mindestens 24 Stunden »reifen«;
richtig ausgebildet sind sie oft erst nach mehreren Tagen. Daher: prüfen
Sie die Emulsion nach einer Woche erneut nach oben genannten Kriterien
und notieren Sie Ihre Eindrücke. Es lohnt sich: mit der Zeit entwickeln
Sie auf Basis Ihrer Beobachtungen wertvolle Erfahrungen für Ihre
weiteren Experimente.
Ich wünsche Ihnen in jedem Fall viel Erfolg bei Ihren ersten Rühr-Schritten!