Ein recht sicherer Weg für erste, eigene Rezepte führt über bestehende oder über die Basisrezepturen. Dort sind Fett- und Wasserphasen bereits auf einander abgestimmt und mit passenden Emulgatoren kombiniert. Tauschen Sie Öle aus, variieren Sie behutsam die Anteile an Ölen und Buttern, so sollten Ihre ersten eigenen Emulsionen gelingen. Neben der Rubrik »Rezepte« auf Olionatura finden Sie weitere Rahmenrezepturen bei vielen Rohstoffen oder im Rezeptbuch der »Rührküche« (dieses ist jedoch aus urheberrechtlichen Gründen nur für aktive Mitglieder zugänglich). Konkrete Hilfe bei der Rezeptentwicklung erhalten Sie ebenfalls in der Rührküche.
Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem Sie Lust bekommen, eigene Rezepte zu entwickeln. Die erste Entscheidung, die Sie treffen müssen, ist: welche Vorstellung haben Sie von der Funktion der Creme, wie soll sie in der Konsistenz und im Rückfettungsgrad sein? Diese folgende Grafik bietet Anhaltspunkte zu geeigneten Phasenanteilen für Ihren Hautzustand:

Spielen wir ein Szenario einmal durch: Sie wünschen sich eine klassische Feuchtigkeitscreme, mit ausgewogenem Fett- und Feuchtigkeitsanteil, und es sollen 50 Gramm Creme werden. Ausgehend von der oben angesprochenen Grafik wählen wir 30 % Fettphase (inklusive Konsistenzgeber und Emulgator), 70 % Wasserphase plus Wirkstoffe (wenn gewünscht). Nun benötigen Sie den Fett- und Wasserphasen-Rechner. Wie Sie mit diesem Rechner Ihre eigenen Rezepte planen können, ist im Folgenden beschrieben. Grundsätzlich sind es immer die gleichen Schritte:
Beginnen Sie zunächst nur mit den Gramm-Eingaben für »Basisöle (gesamt)« und »Wasser, Hydrolate, Pflanzengele u. a. (gesamt)«. Es geht hier nur um prinzipielle Anteile an Fett und Wasser; die exakte Auswahl an Basis- und Wirkstoffölen kommt später und spielt für die Berechnung keine Rolle.

Nach der Eingabe lassen Sie sich das Ergebnis ausrechnen; in der linken Spalte sehen Sie nun das Ergebnis. Variieren Sie die Anteile an Ölen und Wasser, bis das Ergebnis Ihren Wünsche entspricht, hier also 30 % Fettphase und 70 % Wasserphase. Der Rechner schlägt Ihnen einen durchschnittlichen Emulgatoranteil vor: 2,5 %. Zusätzlich gibt er Tipps, wie Sie Konsistenzgeber auf diese Menge anrechnen können. Sie können übrigens ohne Weiteres runden, auf 0,2 g kommt es nicht an. Beachten Sie bitte, dass die Menge an Konsistenzgebern ohne Weiteres erhöht werden kann, wenn sie feste Cremes wünschen. Meine Rezepturen arbeiten mit wenig Emulgator und Koemulgator, daher sind sie eher lotionartig bzw. sehr leicht in der Textur.

Der Emulgatoranteil und geeignete Emulgatoren für diese Phasenverhältnisse sind Ihnen vorgeschlagen worden. Ziehen Sie ihn von der Ölmenge ab, setzen Sie diesen Wert in das Feld »Emulgatoren (gesamt)« und korrigieren Sie die Angabe für die Basisöle, hier auf 12,5 g.

Wenn wir nun neu berechnen, bestätigt uns der Rechner, dass unsere Eingaben im »grünen Bereich« liegen und nennt den Anteil des Emulgators auf gesamt, 5 %, und den an der Fettphase, hier 17 %. Das ist ein guter Wert:

Nun gilt es, einen passenden Emulgator auszuwählen. Der Rechner führt in der linken Spalte verschiedene geeignete O/W-Emulgatoren auf und ergänzt, wo notwendig, wichtige Informationen (z. B. auch, wenn ein spezieller Emulgator geringer dosiert werden sollte). Wir entscheiden uns für Glycerinstearat SE:

Ein wichtiger Aspekt ist die Konservierung der Emulsion. Vom Fett- und Wasserphasenrechner aus können Sie nun sofort die Konservierung ausrechnen lassen. Klicken Sie auf den entsprechenden Link; erführt die direkt zum Konservierungsrechner und »nimmt« die Werte der Wasserphase mit:


Die beiden unteren Felder müssen nun ausgefüllt werden. Wir planen eine 15%ige Konservierung der Wasserphase (also setzen wir »15« in Feld 2, »Gewünschte Konservierung der wasserphase in %vol.«), und wir haben zuhause 70%igen Alkohol. Diese Konzentration tragen wir in Feld 3 ein (»Konzentration des vorhandenen Alkohols in %vol.«).

Nun lassen wir uns die Konzentration des Alkohols ausrechnen. Der Rechner berücksichtigt die geringere Dichte des Alkohols gegenüber Wasser und bietet korrekte Werte sowohl in g als auch in ml. Wir benötigen demnach 6,6 g Alkohol; es verbleiben 28,4 g Wasser:

Diese Werte notieren wir uns und kehren über den Link »zurück« oben links oder über den »Back-Button« Ihres Browsers (eventuell müssen Sie mehrere Schritte zurück gehen) wieder zum Fett- und Wasserphasen-Rechner zurück und tragen dort die Werte für den Konservierer ein; die Wasserphase wird entsprechend reduziert. Unten sehen Sie das bisherige Ergebnis:

Für eine Feuchtigkeitscreme bietet sich der Zusatz eines hydratisierenden Wirkstoffs an. Ich habe mich für diese erste Creme für pflanzliches Glycerin entschieden, das ausgesprochen verträglich ist, ausgezeichnet Feuchtigkeit bindet und zudem problemlos verarbeitet werden kann. In einer leichten Feuchtigkeitscreme sind 3 % Glycerin völlig ausreichend. Diese 3 % entsprechen bei 50 g Emulsion 1,5 g – wir runden ein wenig und ziehen von den 28,4 g Wasser 1,4 g Glycerin ab, denn dieser Wirkstoff wird zur Wasserphase gerechnet. Es verbleiben also 27 g Wasser.

Jetzt kommt ein sehr schöner Teil der Planungsarbeit: Sie suchen sich passende Öle aus – 12,5 g sind »zu vergeben«. Ein wenig Konsistenzgeber ist vorteilhaft, um die Emulsion stabil zu halten, pflegende unverseifbare Anteile, Phytosterole, gesättigte Fettsäuren zu ergänzen und sie nicht zu dünn wirken zu lassen. Sheabutter ist ausgesprochen pflegend und feuchtigkeitsspendend – wir dosieren Sie mit ca. 25–30 % der Ölmenge und ziehen diesen Anteil vom Öl ab (mit 3 g Sheabutter liegen wir »gut im Rennen«; es verbleiben 9,5 g Öle), dafür tragen wir die Menge der Sheabutter in das Feld »Konsistenzgeber« ein (demnach 3 g). In der Rubrik »Öle« können Sie sich über einzelne Öle und ihre Charakteristika informieren. Ich empfehle Ihnen, zwei bis drei Öle zu mischen, weil Sie auf diese Weise ein ausgewogenes Fettsäurespektrum erhalten. Für eine einfache Feuchtigkeitscreme bieten sich z. B. Mandelöl, Nachtkerzenöl und etwas Jojobaöl an:
Hier sehen Sie alle Einträge, in den korrekten Feldern eingetragen. Für das Rechenergebnis ist das irrelevant, da Basisöle, Wirkstofföle und Konsistengeber von dem Rechner intern addiert werden:

So sieht sie aus, Ihre erste Creme: mit etwas ätherischem Rosenöl beduftet erhalten sie eine einfache, aber schöne Feuchtigkeitscreme, die Gesicht und Körper pflegt. Die genaue Herstellung der »Mandelcreme« finden Sie in der Rubrik »Rezepte«.

Es ist wirklich nicht schwer; probieren Sie es einfach aus. Gerade am Anfang müssen es nicht die seltenen und teuren Öle sein – nehmen Sie Öle aus der Küche. Wenn Ihnen die ersten Rezepturen gelungen sind, werden Sie Schritt für Schritt Ihre optimalen Wirkstoffe und Öle finden und naturkosmetische Produkte herstellen, die keinen Vergleich mit hochwertiger Kaufkosmetik scheuen muss. Das verspreche ich Ihnen.