

Um zu verstehen, wie und in welchem Rahmen kosmetische Produkte Wirkungen entfalten können, sind Kenntnisse über die Haut, ihren Aufbau und hautphysiologische Prozesse unabdingbar, die ihre Integrität und Gesundheit gewährleisten. Auch wenn ich Zusammenhänge kürzen muss, werden Sie nach dieser Einführung verstehen, warum native pflanzliche Öle so wunderbare Ingredienzen für eine natürliche Kosmetik sind. Im Text sind viele Fachbegriffe mit Hyperlinks unterlegt, die Sie gezielt zu den betreffenden Artikeln im Glossar führen.
Unsere Haut besteht im Wesentlichen aus drei Schichten: der Unterhaut (Subcutis), der Lederhaut (Dermis) und der Oberhaut, der Epidermis. Kosmetisch interessant ist vor allem die Epidermis, da Kosmetika primär dort ihre Wirkung entfalten. Sie ist die eigentliche Schutzhülle, die uns vor Umwelteinflüssen bewahrt. Da sie selbst keine Blutgefäße besitzt, wird sie durch die darunter liegende Dermis versorgt, die gut durchblutet und mit Nerven und Lymphbahnen ausgestattet ist. Meine Ausführungen konzentrieren sich im Folgenden auf die Prozesse in der Oberhaut.
Die untere Abbildung zeigt einen Querschnitt durch die Oberhaut (Epidermis) und einige ihrer wesentlichen Schichten, die ich im Folgenden näher erläutern werde:

Ganz unten bildet die Basalschicht (das ist die dünne graue Linie am unteren Rand der Abbildung) die Grenze zwischen der Oberhaut (Epidermis) und der tiefer liegenden Dermis, die hier nicht dargestellt ist (in Wirklichkeit ist sie nicht gerade wie eine Linie, sondern wölbt sich in Ausstülpungen in die Basalschicht hinein). Diese Basalschicht, das Stratum basale, ist die unterste Schicht der Epidermis; in ihr liegen die Basalzellen, die durch Zellteilung (die so genannte Proliferation) neue Tochterzellen, die sogenannten Keratinozyten bilden und nach oben Richtung Hautoberfläche schieben.
In dieser ca. 4–8 Zellschichten umfassenden Zone befinden sich zum Teil bereits die Odland Bodies, kleine Organellen, in denen verschiedene Lipde gebildet werden, die später die Barriereschicht der Haut bilden. Sie sind über Corneodesmosome verknüpft, das sind kleine »Nieten« aus Proteinen, die die Zellen mit einander verknüpfen und ihren Zusammenhalt stabilisieren. Die Keratinozyten (Hornzellen) sind in dieser Schicht bereits leicht in ihren oberen Bereichen abgeflacht.
Diese Verflachung verstärkt sich auf ihrem Weg durch die Hautschichten an die Oberfläche: die Keratinozyten werden zunehmend flacher und verhornen. Dieser Verhornungsprozess (die Keratinisierung) beginnt im Stratum granulosum und gibt ihr den Namen »Körnerzellenschicht«, da die Zellen zunehmend granuliert (gekörnt) aussehen; gleichzeitig entleeren die Keratinozyten ihren lipiden (aus Fetten zusammen gesetzten) Zellinhalt, der aus Phospholipiden, Cholesterin, Ceramiden und freien Fettsäuren besteht, aus den oben bereits genannten Odland Bodies in den interzellulären Raum; diese Lipide bilden im weiteren Verlauf auf dem Weg zur Hautoberfläche die Lipidschichten der Hornschicht, des Stratum corneum, in die die Keratinozyten eingebettet sind.
An der Hautoberfläche angekommen, im Stratum corneum, sind aus ihnen ca. 12–16 Schichten von sogenannten Korneozyten geworden, d. h. zellkernlose (also »tote«), abgeflachte, verhornte Zellen, die sich überlappen und bei gesunder Haut unmerklich abschilfern. Sie haben keine Zellmembran mehr, sondern eine Hornhülle (»cornified envelope«), die primär aus Proteinen besteht und die Fähigkeit zur Wasserbindung besitzt (Keratinozyten enthalten bis zu 50 % Wasser, das allerdings fest an sie gebunden ist). In ihrem Zellinneren befindet sich der NMF, der so genannte Natural Moisturizing Factor aus hygroskopischen Substanzen. Dennoch ist die Hornschicht nicht »tot« – Enzyme in den Korneozyten ermöglichen immer noch gewisse Stoffwechselaktivitäten. Die Hornschicht selbst wird noch einmal in zwei »Zonen« unterteilt, das Stratum corneum conjunctum, bestehend aus einem kompakten Zellverband, und einem Stratum corneum disjunctum, in der die Korneozyten locker auf einander liegen und nach und nach abgeschilfert werden. Dies ist der Prozess, den wir durch ein Peeling intensivieren.
Die Korneozyten sind über eine dünne Lipidhülle (»lipid envelope«), bestehend aus langkettigen ω-Ceramiden, die kovalent (durch Atombindungen) an die Strukturproteine der Korneozyten gebunden sind, in Lipidschichten (einer so genannten Lipidmatrix) eingelagert. Diese Lipidschichten bestehen (wie bereits weiter oben beschrieben) primär aus ca. 45–50 % Ceramiden, 25 % Cholesterol und 10–15 % freien Fettsäuren, aber auch aus Wachestern und Triglyceriden. Diese Lipide ordnen sich innerhalb des Stratum Corneum zu einem aus parallel angeordneten Lamellenschichten bestehenden System (Doppelmembrane, Bilayer) mit fettliebenden (nach innen weisenden) und wasserliebenden (nach außen weisenden) Regionen, die sich abwechseln. Man kann sich das so vorstellen: Ceramide, Cholesterol und freie Fettsäuren (insbesondere Linol-, Öl-, Palmitin- und Palmitoleinsäure) bilden das Grundgerüst, wobei die Ceramide (insbesondere das so genannte Ceramid 1) mit ihren langkettigen Fettsäuren durch die wässrigen Regionen »greifen« und die Bilayer (Bi= »zwei«, eben Doppelmembrane) stabilisieren. Die Undurchlässigkeit der Hornschicht für Wasser wird vor allem durch die hydrophoben (wasserabweisenden) Ceramide bewirkt, die molekular mit Linolsäure verbunden sind.
Die untere Abbildung zeigt den Aufbau der Bilayer in der Lipidschicht, in die die Korneozyten eingelagert sind: blau sind die wasserliebenden (hydrophilen) Köpfe, gelb die fettliebenden (lipophilen) Schwänze; die in die Lipidlayer eingebauten Ceramide greifen mit ihren langen Fettsäureketten (orange) durch die wässrigen Regionen in die benachbarte Lipiddoppelschicht und stabilisieren so beide vertikal.

Eine intakte Lipidschicht (Lipidmatrix) ist die Basis für eine gesunde Haut: sie hält die Feuchtigkeit in der Haut, vermindert einen übermäßigen Wasserverlust (transepidermaler, durch die Oberhaut stattfindender Wasserverlust, kurz: TEWL) und hält die Haut geschmeidig. Diese Schutzfunktion hat den Namen Barriereschicht geprägt. Eine vertiefende Behandlung der Barriereschicht finden Sie in einem der nächsten Basic-Beiträg, aber lesen Sie in Ruhe alle Artikel nach und nach; er folgt als dritter Beitrag.
Auf der Hautoberfläche existiert ein dünner Film, der sich aus Hautfetten aus den Talgdrüsen, freigesetzten Lipiden aus den zunehmend verhornten Keratinozyten und Bestandteilen des Schweißes zusammensetzt: der sog. Hydro-Lipid-Film. Hauptbestandteile, chemisch betrachtet, sind Squalen, Wachsester, Triglyceride, Aminosäuren, Salze und Cholesterol. Die Fettsäuren werden auf der Hautoberfläche teilweise durch Lipasen (fettspaltende Enzyme) zersetzt; dadurch sinkt der pH-Wert der Haut auf 5,5–6,5, also ins leicht saure Milieu. Daher stammt der Begriff »Säureschutzmantel«. Er hat primär eine antimikrobielle Schutzfunktion und unterstützt die Geschmeidigkeit der Haut. Im Hinblick auf die Feuchtigkeitsversorgung spielt der Hydro-Lipid-Film keine tragende Rolle: diese Funktion übernimmt im Wesentlichen die oben beschriebene Lipidschicht.
Was bedeutet dies für eine sinnvolle Pflege? Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Feuchtigkeit in der Haut gebunden wird.