Naturkosmetik selber machen
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Heike Käser
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Olionatura, Naturkosmetik selber machen Olionatura | Basiswissen · Theoretische Grundlagen

Der Aufbau einer Emulsion

Das Herstellen der eigenen Naturkosmetik umfasst viele mögliche Produkte, vom Kräuter-Gesichtswasser über eine milde Reinigungsmilch oder eine sahnige Körperlotion bis hin zum duftenden Hautöl. Das kosmetische Produkt, das in der Liste der Wunschprodukte in der Regel an erster Stelle steht, ist eine Pflegecreme für das Gesicht. Kurz: Wer vom Naturkosmetik-Selbermachen spricht, meint oft vor allem das Herstellen von Emulsionen, einem Produkttyp, bei dem Wasser und Fette mit einem Emulgator verbunden sind. Aus diesem Grund konzentriere ich mich im Folgenden auf die Charakteristik von Emulsionen. Vertiefende Informationen warten im Menue Emulsionen herstellen (links) auf Sie.

Damit Sie übliche Rezepturen für Cremes und Lotionen nachvollziehen können, möchte ich Ihnen zunächst den Aufbau einer Emulsion erläutern. Cremes und Lotionen bestehen im Wesentlichen aus folgenden Hauptkomponenten:

Klassischer Aufbau einer Emulsion

Fettphase

  • Öle und Buttern
  • Emulgatoren
  • Konsistenzgeber
    • Cetylalkohol
    • Cetylpalmitat
    • Cetearylalkohol
    • Myristylalkohol
    • Wachse
  • weitere Lipide
    • Avocadin®
    • Lanolin, Wollwachsalkohol
    • Gamma-Oryzanol
    • Squalan

Wasserphase

  • Wasser
  • (Hydrolate)
  • Wirk- und Hilfsstoffe
    • Wirkstoffe
    • Gelbildner
    • Konservierungsstoffe
    • pH-Wert-Regulatoren
    • Antioxidantien
    • Duftstoffe

Erläuterungen zu den Phasen

Die Fettphase:

Öle bilden das Herz unserer Pflegeemulsionen. Buttern gestalten eine Emulsion im Hautgefühl reichhaltiger und rückfettender. Sind festere Cremekonsistenzen gewünscht, plant man konsistenzgebende Wachse, Wachsester und Fettalkohole ein, die die Viskosität einer Emulsion erhöhen, z. B. Cetylalkohol, Cetylpalmitat (»Walratersatz«), Glycerolmonostearat und Myristylmyristat. Der Vorteil ist, dass diese sogenannten Fettalkohole und Wachsester mitemulgieren (»koemulgieren«). Wachse (Bienenwachs, Mimosen-, Reiswachs usw.) geben ebenfalls spürbar Konsistenz; wir setzen sie in der Regel aus haptischen Gründen in sehr geringen Dosierungen von 0,5–1 % ein. Unsere naturkosmetischen Emulgatoren auf Basis auf pflanzlicher Fette (in der Regel Kokos- und Palmkernöl, selten Rapsöl) werden ebenfalls zur Fettphase gerechnet. Auch Lecithine, Squalan sowie Phytosterole (z. B. Avocadin®) sowie Lanolin bzw. Wollwachsalkohol sind Fette.

Die Wasserphase:

Zur Wasserphase zählen im Wesentlichen alle wässrigen Komponenten wie Wasser und Hydrolate. Rein rechnerisch werden die im Folgenden ergäzten Wirk- und Hilfsstoffe subsummierend zur Wasserphase gezählt. Das liegt daran, dass viele dieser Stoffe wasserlöslich sind.

Wirkstoff- und Zusatzstoffe

Daneben enthält eine Emulsion in der Regel wasser-, manchmal auch fettlösliche Wirkstoffe, Konservierungsstoffe, pH-Wert-Regulatoren und Antioxidantien (Substanzen, die die Oxidationsneigung von Lipiden mindern) sowie Duftstoffe. Gelbildner werden hinzugefügt, um die Emulsion zu stabilisieren und sie in der Konsistenz leicht anzudicken.

Welche Funktion haben diese Begriffe?

In der kosmetischen Industrie spielen Begriffe wie »Fettphase« oder »Wasserphase« in Formulierungen keine Rolle. Sinnvoll sind sie vor allem da, wo es um Löslichkeiten von Ingredienzien geht und man fett- und wasserlösliche Inhaltsstoffe berechnen möchte. Für die Einschätzung der »Reichhaltigkeit« eines kosmetischen Produkts – dem Grad seiner Rückfettung und der spürbaren Filmbildung – ist es sinnvoll, die enthaltene Menge an Lipiden (Öle, Buttern, Wachse, Emulgatoren) anzugeben, eben die Fettphase  – und den Rest der Einfachheit halber als Wasserphase zu bezeichnen.

Wenn Sie also eine Rezeptur lesen, die mit »Fettphase: 25 %« gekennzeichnet ist, enthält sie 25 % Lipide  – und einen »Rest« von 75 % an Wasser, Wirkstoffen und Zusatzstoffen wie Antioxidantien, Gelbildner, Konservier- und Duftstoffen. Dies ist im Hinblick auf die Charakteristiken mancher Substanzen nicht ganz korrekt (so zählen z. B. Tocopherole chemisch zu den Lipiden), erweist sich aber in unserem Bereich als akzeptable Vereinfachung, zumal viele Wirkstoffe in sehr geringen Mengen eingesetzt werden (und manche sensibel auf höhere Temperaturen reagieren und daher nicht zusammen mit anderen Fetten in der Fettphase erhitzt werden sollten).

Ich habe mir bereits vor langer Zeit (wie in der kosmetischen Industrie bewährt) angewöhnt, Phasen gemäß ihrer verarbeitungsrelevanten Abfolge im Herstellungsprozess zu benennen. Ich kennzeichne sie z. B. gerne mit Buchstaben (Phase A, Phase B usw.).

Konsequenzen für die Planung einer Rezeptur

Mein Tipp: Planen Sie Emulsionen von der Fettphase aus. Dann überlegen Sie sich, welche und wieviele Wirk- und Zusatzstoffe sie benötigen – der Rest ist Wasser. So einfach ist das!

Das richtige Produkt für Ihre Haut

An erster Stelle entscheiden Sie, welche Phasenanteile an Fett und Wasser überhaupt zu Ihrer Haut passen. Die folgenden Abbildungen zeigen klassische Produkttypen und ihre bevorzugte Eignung für bestimmte Hautsituationen. Sehen Sie die Grafiken als Orientierung für die Auswahl der verfügbaren Basisrezepturen. Die meisten kommerziellen Produkte liegen übrigens in einem Fettphasenbereich von 15–30 %.

Serum, leichtes Hydrodispersionsgel (5–10 % Fettphase)

Emulsionsaufbau: Serum, Hydrodispersionsgel
Vorwiegend niedrigviskose Öle, keine bis geringe Anteile an Konsistenzgebern, selten Wachse. Mit 0,8–1,2 % Gelbildner stabilisiert. Gerne Lipoderminzusatz. Eignet sich als Solo-Pflege für fettende, unreine Hautzustände, als Feuchtigkeitsserum für normale und trockene Haut.

Reichhaltiges Hydrodispersionsgel, Cremefluid (10–20 % Fettphase)

Emulsionsaufbau: Hydrodispersionsgel, Fluid
Vorwiegend Öle und geringer Zusatz an Buttern, geringe Anteile (bis 1 %) an Konsistenzgebern, keine oder geringe Menge (bis 1 %) Wachse. Mit Gelbildner stabilisiert. Gerne Lipoderminzusatz. Eventuell Einsatz von Emulprot®, Sucrosestearat und/oder Emulmetik (ca. 2–3 %). Eignet sich als Solo-Pflege für fettende Hautzustände und Mischhaut, als Feuchtigkeitspflege für normale und leicht trockene Haut (letztere kann mit etwas Hautöl oder einem Oleogel gezielt zusätzliche Lipide angeboten bekommen), als Gelmaske oder leichtes Körperfluid.

Lotion, Cremefluid, leichte Creme (15–25 % Fettphase)

Emulsionsaufbau: Lotion, Cremefluid, leichte Creme
Vorwiegend Öle, Buttern und geringe Anteile an konsistenzgebenden Lipiden (1–1,5 % Fettalkohole und Wachsester), kein bis geringer Wachsanteil, d. h. 0,5–1 %). Mit 0,2–0,4 % an Gelbildnern stabilisiert. Eignet sich als Solo-Pflege für normale und leicht fettende Hautzustände oder für zu Unreinheiten neigende reife Haut sowie als Körperlotion.

Feuchtigkeitscremes, »Tagescremes« (25–35 % Fettphase)

Emulsionsaufbau: Feuchtigkeitscreme, Tagescreme
Öle und Buttern (20–30 % Butteranteil auf die Öle gerechnet), mittlerer Anteil an Konsistenzgebern (bis 3 % Fettalkohole und Stearate), geringer Wachsanteil (0,5–1,5 %). Eignet sich als Tages- oder Nacht-Pflege für normale und leicht trockene Hautzustände und als reichhaltige Körperlotion.

Reichhaltige Cremes, »Nachtcremes«, Körpercremes (über 35 % Fettphase)

Emulsionsaufbau: Reichhaltige Creme
Öle und höherer Butter-Anteil, Zusatz konsistenzgebender Lipide (Fettalkohole, Stearate, Wachse, Stearinsäure usw.). Eignet sich als Tages-Pflege für trockene Hautzustände oder als Nachtpflege für normale bis leicht trockene Hautzustände, für Crememasken oder Körpercremes.