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Das Handbuch

Naturkosmetik selber machen. Das Handbuch
Im Frühjahr 2012 wird mein neues Buch erscheinen: Das Handbuch kombiniert verständlich aufbereitete Theorie mit fundierter Herstellungspraxis und lädt mit über 100 Naturkosmetikrezepten zum Nachrühren und Selbstentwickeln ein. Sie können es bereits beim Verlag oder bei Amazon vorbestellen.

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Der Aufbau einer Emulsion

Wir haben im Wesentlichen folgende Hauptkomponenten einer Emulsion:

  1. Fette (Öle, Buttern, Wachse, Konsistenzgeber wie Cetylpalmitat, Cetylalkohol, Myristylmyristat u. a., Emulgatoren,Unverseifbares wie Avocadin®, Lecithine, Gamma-Oryzanol),
  2. Wasser (pur, in Form von Hydrolaten, eventuell mit Gelbildnern versehen),
  3. Wirkstoffe, Antioxidantien, Konservierungsstoffe, Parfum.

Bei der Herstellung von Emulsionen habe ich mir (wie in der kosmetischen Industrie seit langem bewährt) angewöhnt, die Phasen gemäß ihrer verarbeitungsrelevanten Abfolge im Herstellungsprozess anzugeben. Dort tauchen Begriffe wie »Fettphase« oder »Wasserphase« in Formulierungen schlichtweg nicht auf. Sie spielen da eine Rolle, wo es um Löslichkeiten von Ingredienzien geht und man fett- und wasserlösliche Anteile eines kosmetischen Produkts kennzeichnen und subsummieren möchte. Dennoch macht es für die Einschätzung der »Reichhaltigkeit« eines kosmetischen Produkts  – dem Grad seiner Rückfettung und der spürbaren Filmbildung  – Sinn, die enthaltene Menge an Lipiden (Öle, Buttern, Wachse, Emulgatoren) anzugeben, eben die Fettphase  – und den Rest der Einfachheit halber als Wasserphase zu bezeichnen. Wenn Sie also auf Olionatura eine Rezeptur lesen, die mit »Fett-/Wasserphase: 25:75 %« gekennzeichnet ist, enthält sie 25 % Lipide und einen »Rest« von 75 % an Wasser, Gelbildnern sowie Wirkstoffen, Antioxidantien, Konservierern, Parfum. Dies ist im Hinblick auf die Charakteristiken mancher Substanzen nicht korrekt (so zählen z. B. Tocopherole zu den Lipiden), erweist sich aber in unserem Bereich als akzeptable Vereinfachung, zumal viele Wirkstoffe in sehr geringen Mengen eingesetzt werden. In Abbildung 1 unten sehen Sie die oben genannten, klassischen Komponenten einer Emulsion:

Klassische Phasen einer Emulsion
Abb.1: Klassischer Aufbau einer Emulsion (© H. Käser)
  1. Die Fettphase: Öle alleine, mit Wasser emulgiert, ergeben niedrigviskose, lotionartige Emulsionen. Sind festere Cremekonsistenzen gewünscht, gibt man konsistenzgebende Fette dazu, die die Viskosität einer Emulsion erhöhen und leicht koemulgierende Eigenschaften aufweisen, wie z. B. Cetylalkohol, Cetylpalmitat, Glycerolmonostearat und Myristylmyristat. Pflanzenbuttern wie Shea-, Kakao-, Cupuaçubutter geben nur gering Konsistenz, ausgeprägter tun dies Wachse (Bienenwachs, Mimosen-, Reiswachs usw.), aber man verwendet sie in O/W-Emulsionen aus haptischen Gründen in der Regel nur in geringen Dosierungen, die für eine spürbare Andickung nicht ausreichen.
    Schließlich wird der Emulgator zur Fettphase gerechnet, da unsere naturkosmetischen Emulgatoren auf pflanzlichen Fetten (in der Regel aus Kokos- und Palmkernöl) basieren. Auch Lecithine, Lanolin und Wollwachsalkohole sind Fette.
  2. Die Wasserphase: zu ihr zählen im Wesentlichen alle wässrigen Komponenten wie Wasser und Hydrolate; sie wird häufig mit Gelbildnern angedickt. Dies erhöht gleichzeitig die Temperatur-Stabilität einer Emulsion.
  3. Daneben kann eine Emulsion Wirkstoffe enthalten
  4. und, je nach Konzeption des Produkts, Antioxidantien (Substanzen, die die Oxidationsneigung von Lipiden vermindern), in der Regel Konservierungsstoffe und eventuell Duftstoffe.

Das Endprodukt bewegt sich in seiner Konsistenz demnach in einem weiten Spektrum an möglichen Viskositäten. Auch die spürbare »Reichhaltigkeit« einer Emulsion korreliert stark (neben den Lipiden an sich) mit der Höhe der Fettphase. Mit wachsender Erfahrung werden Sie Ihre bevorzugten Kombinationen entwickeln.

Lotion oder Creme?

Meine eigenen Rezepturen sind im Vergleich zu Kaufkosmetik, aber auch zu anderen Rezepturen aus dem Internet oder aus Büchern vergleichsweise niedrigviskos; meine Emulsionen ergeben bevorzugt Lotionen oder cremige Fluids. Feste Cremes (im O/W-Bereich, also Öl-in-Wasser-Emulsionen) habe ich kaum im Repertoire. Das hat hautphysiologische und haptische Gründe: Konsistenz erhält eine Emulsion primär durch Fett-, Wachsalkohole und Stearate wie Cetylalkohol, Cetylpalmitat, Glycerolmonostearat, Myristylmyristat (separat eingeplant oder als Bestandteil von Komplexemulgatoren wie Xyliance oder Montanov™ 68, die diese bereits enthalten), hohe Wachsanteile und/oder durch (höher dosierte) Gelbildner. Diese Strategie bedeutet jedoch, dass die Gesamtformulierung in ihrer Zusammensetzung zugunsten von Fettkomponenten geändert wird, die viele als wachsig, schwer, »schwitzig«, komedogen erleben.
Meine persönliche Strategie ist seit 2007, Pflegeprodukte ohne oder nur mit geringen Anteilen an Emulgatoren, Fett- und Wachsalkoholen zu planen. Die gewünschte kosmetische »Reichhaltigkeit« erziele ich durch eine fein abgestimmte, durchdachte Komposition der Öle, Buttern und Wachse, vor allem jedoch durch feinst dosierte hautphysiologische Lipidkomponenten, die aufgrund ihrer physikalisch-chemischen Wechselwirkung mit der Hautbarriereschicht den transepidermalen Wasserverlust reduzieren und die Hautbarriere stärken, u. a. Ceramide, hydrierte Lecithine, Ferulasäureester (Gamma-Oryzanol) und Phytosterole. Dies hat jedoch zur Folge, dass meine Produkte in der Konsistenz nicht »echten O/W-Cremes« entsprechen, ihnen in der kosmetischen Wirkung aber in keiner Weise nachstehen. Im Gegenteil: meine O/W-Fluids und -Lotionen sind hochwirksam. Mittlerweile finden sich immer mehr Basisrezepturen im Internet, die diesem Konzept folgen.

Die richtige Emulsion für Ihre Haut

Bevor Sie eine Emulsion konzipieren, ist es sinnvoll festzulegen, welche Phasenanteile an Fett und Wasser überhaupt zu Ihrer Haut passen. Abbildung 2 zeigt, als grobe Anhaltspunkte dargestellt, Fett- und Wasserphasen-Anteile von Emulsionen und ihre bevorzugte Eignung für bestimmte Hautzustände (ich spreche lieber von Hautzuständen als von Hauttyp, weil sich die Bedürfnisse der Haut im Jahresverlauf durchaus ändern können). Sehen Sie die Grafik als Orientierung für die Auswahl der verfügbaren Basisrezepturen. In üblichen Rezepturen, auch hier auf Olionatura, sind diese Phasenverhältnisse angegeben: 20:80 meint beispielsweise eine Emulsion mit 20 % Fettphase und 80 % Wasser (plus Wirkstoffe, Konservierung usw.). Kosmetische Kauf-Emulsionen weisen in der Regel nicht mehr als 40 % Fettphase auf; die meisten Produkte liegen zwischen 15–30 % Fettphase.

Abbildung der Phasenanteile einer Emulsion
Abb. 2: Phasenanteile von Emulsionen und ihre Eignung für bestimmte Hautzustände. (© H.  Käser)

Empfindliche Haut ist ein Sonderfall, auch wenn Menschen mit trockenem (fett- oder feuchtigkeitsarmen) Hautzustand dieses Attribut häufiger für sich in Anspruch nehmen. Empfindliche Haut ist reaktiver als normale Haut; dies hat jedoch keine zwingenden Konsequenzen für die Anteile an Fett- und Wasserphase, sondern betrifft eher die Auswahl der Ingredienzien. Daher habe ich sie in der Abbildung nicht berücksichtigt. Wenn Sie empfindliche Haut haben, sollten Sie zumindest in den ersten Rezepturen auf Wirkstoffe und ätherische Öle verzichten, damit Sie sich langsam an »Ihre« Ingredienzien herantasten können.

Typische Phasenverhältnisse für O/W-Emulsionen:

Als Anhaltspunkt soll folgende exemplarische Auflistung typischer kosmetischer Emulsionen und ihrer grundsätzlichen Konzeption dienen. Ich habe nur Öle und Konsistenzgeber, Emulgatoren und die Wasserphase berücksichtigt; Wirkstoffe und Konservierung sind hier nicht dargestellt, sie werden in der Regel zur Wasserphase gerechnet (wie die Wirkstoffe) bzw. sind so niedrig dosiert, dass sie nicht ins Gewicht fallen. Orientieren Sie sich an ca. 5–10 % Wirkstoffen auf gesamt und ca. 0,5–1 % Konservierungsmittel (je nach Handelsprodukt).

Emulsionsaufbau: Serum, Hydrodispersionsgel
Serum, leichtes Hydrodispersionsgel: 5–10 % Fettgehalt, vorwiegend niedrigviskose Öle, keine bis geringe Anteile an Konsistenzgebern, keine Wachse. Mit 0,8–1 % Gelbildner stabilisiert. Gerne Lipoderminzusatz. Eignet sich als Solo-Pflege für fettende, unreine Hautzustände, als Feuchtigkeitsserum für normale und trockene Haut.
Emulsionsaufbau: Hydrodispersionsgel, Fluid
Reichhaltiges Hydrodispersionsgel, Fluid: 5–20 % Fettgehalt, vorwiegend Öle und geringer Zusatz an Buttern, geringe Anteile (bis 1 %) an Konsistenzgebern, keine oder geringe Menge (bis 1 %) Wachse. Mit Gelbildner stabilisiert. Gerne Lipoderminzusatz. Eventuell Einsatz von Emulprot®, Sucrosestearat und/oder Emulmetik (ca. 2–3 %). Eignet sich als Solo-Pflege für fettende Hautzustände und Mischhaut, als Feuchtigkeitspflege für normale und leicht trockene Haut (letztere kann mit etwas Hautöl oder einem Oleogel gezielt zusätzliche Lipide angeboten bekommen), als Gelmaske oder leichtes Körperfluid.
Emulsionsaufbau: Lotion
Lotion, Cremefluid: 15–25 % Fettgehalt, vorwiegend Öle, Buttern und geringe Anteile an konsistenzgebenden Lipiden (1–1,5 % Fettalkohole und Stearate, kein bis geringer Wachsanteil, d. h. 0,5–1 %). Mit 0,2–0,4 % an Gelbildnern stabilisiert. Eignet sich als Solo-Pflege für normale und leicht fettende Hautzustände oder für zu Unreinheiten neigende reife Haut sowie als Körperlotion.
Emulsionsaufbau: Leichte Creme
Feuchtigkeitscremes, »Tagescremes«: 25–35 % Fettgehalt, Öle und Buttern (20–30 % Butteranteil auf die Öle gerechnet), mittlerer Anteil an Konsistenzgebern (bis 3 % Fettalkohole und Stearate), geringer Wachsanteil (0,5–1,5 %). Eignet sich als Tages- oder Nacht-Pflege für normale und leicht trockene Hautzustände und als reichhaltige Körperlotion.
Emulsionsaufbau: Reichhaltige Creme
Reichhaltige Cremes, »Nachtcremes«, Körpercremes: über 35 % Fettgehalt, Öle und höherer Butter-Anteil, Zusatz konsistenzgebender Lipide (Fettalkohole, Stearate, Wachse, Stearinsäure usw.). Eignet sich als Tages-Pflege für trockene Hautzustände oder als Nachtpflege für normale bis leicht trockene Hautzustände, für Crememasken oder Körpercremes.

Auf der nächsten Seite erfahren Sie, wie Sie neue Rezepte mit Hilfe des Emulsions-Rechners entwickeln und den Emulgatoranteil berechnen können.