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Rührkurs
Hier erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie Ihre erste Creme rühren.
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Jeder Emulgator hat bestimmte Eigenschaften: diese Tabelle zeigt Ihnen auf einen Blick, welche.

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Der Aufbau einer Emulsion

Wir haben im Wesentlichen folgende Hauptkomponenten einer Emulsion:

  1. Fette (Öle, Buttern, Wachse, Konsistenzgeber wie Cetylpalmitat, Cetylalkohol, Myristylmyristat u. a., Emulgatoren),
  2. Wasser (pur, in Form von Hydrolaten, eventuell mit Gelbildnern versehen),
  3. Wirkstoffe, Antioxidantien, Konservierungsstoffe, Parfum.

Bei der Herstellung von Emulsionen habe ich mir (wie in der kosmetischen Industrie seit langem bewährt) angewöhnt, die Phasen gemäß ihrer verarbeitungsrelevanten Abfolge im Herstellungsprozess anzugeben. Dennoch macht es für die Einschätzung der »Reichhaltigkeit« eines kosmetischen Produkts  – dem Grad seiner Rückfettung und der spürbaren Filmbildung  – Sinn, die enthaltene Menge an Lipiden (Öle, Buttern, Wachse, Emulgatoren) anzugeben, eben die Fettphase  – und den Rest der Einfachheit halber als Wasserphase zu bezeichnen. Wenn Sie also auf Olionatura eine Rezeptur lesen, die mit »Fett-/Wasserphase: 25:75 %« gekennzeichnet ist, enthält sie 25 % Lipide und einen »Rest« von 75 % an Wasser, Gelbildnern sowie Wirkstoffen, Antioxidantien, Konservierern, Parfum. Dies ist im Hinblick auf die Charakteristiken mancher Substanzen nicht korrekt (so zählen z. B. Tocopherole zu den Lipiden), erweist sich aber in unserem Bereich als akzeptable Vereinfachung.

In Abbildung 1 unten sehen Sie die oben genannten, klassischen Komponenten einer Emulsion:

Klassische Phasen einer Emulsion
Abb.1: Klassischer Aufbau einer Emulsion (© H. Käser)

Öle, mit Wasser emulgiert, ergeben niedrigviskose, lotionartige Emulsionen. Sind festere Cremekonsistenzen gewünscht, gibt man konsistenzgebende Fette dazu, die die Viskosität einer Emulsion erhöhen und z. T. leicht koemulgierende Eigenschaften aufweisen, wie z. B. Cetylalkohol, Walratersatz (Cetylpalmitat). Auch Pflanzenbuttern wie Shea-, Kakao-, Cupuaçubutter geben leichte Konsistenz, noch ausgeprägter natürlich Wachse (Bienenwachs, Mimosen-, Reiswachs usw.), aber man verwendet sie in O/W-Emulsionen aus haptischen Gründen in der Regel nur in geringen Dosierungen, die für eine spürbare Andickung nicht ausreichen. Die Wasserphase wird in der Regel mit Gelbildnern angedickt; dies erhöht daneben die Temperatur-Stabilität einer Emulsion. Das Endprodukt bewegt sich in seiner Konsistenz demnach in einem weiten Spektrum an möglichen Viskositäten. Auch die spürbare »Reichhaltigkeit« einer Emulsion korreliert stark (neben den Lipiden an sich) mit der Höhe der Fettphase. Mit wachsender Erfahrung werden Sie Ihre bevorzugten Kombinationen entwickeln.

Lotion oder Creme?

Meine eigenen Rezepturen sind im Vergleich zu Kaufkosmetik, aber auch zu anderen Rezepturen aus dem Internet oder aus Büchern vergleichsweise niedrigviskos; meine Emulsionen ergeben bevorzugt Lotionen oder cremige Fluids. Feste Cremes (im O/W-Bereich, also Öl-in-Wasser-Emulsionen) habe ich kaum im Repertoire. Das hat hautphysiologische und haptische Gründe: Konsistenz erhält eine Emulsion primär durch Fett-, Wachsalkohole und Stearate wie Cetylalkohol, Cetylpalmitat, Glycerolmonostearat, Myristylmyristat (separat eingeplant oder als Bestandteil von Komplexemulgatoren wie Xyliance oder Montanov™ 68, die diese bereits enthalten) und/oder durch (höher dosierte) Gelbildner. Ein sehr hoher Anteil an Buttern und Wachsen kann ähnliche Konsistenzen erzeugen. Beide Strategien bedeuten jedoch, dass ich die Gesamtformulierung in ihrer Zusammensetzung zugunsten von Fettkomponenten ändere, die viele als wachsig, schwer, »schwitzig«, komedogen erleben.
Meine persönliche Strategie ist seit 2007, Pflegeprodukte ohne oder nur mit geringen Anteilen an Emulgatoren, Fett- und Wachsalkoholen zu planen. Die gewünschte kosmetische »Reichhaltigkeit« erziele ich durch eine fein abgestimmte, durchdachte Komposition der Öle, Buttern und Wachse. Dies hat jedoch zur Folge, dass meine Produkte in der Konsistenz nicht »echten O/W-Cremes« entsprechen, ihnen in der kosmetischen Wirkung aber in keiner Weise nachstehen. Im Gegenteil: meine O/W-Fluids und -Lotionen sind hochwirksam. Mittlerweile finden sich immer mehr Basisrezepturen im Internet, die diesem Konzept folgen.

Die richtige Emulsion für Ihre Haut

Bevor Sie eine Emulsion konzipieren, ist es sinnvoll festzulegen, welche Phasenanteile an Fett und Wasser überhaupt zu Ihrer Haut passen. Abbildung 2 zeigt, als grobe Anhaltspunkte dargestellt, Fett- und Wasserphasen-Anteile von Emulsionen und ihre bevorzugte Eignung für bestimmte Hautzustände (ich spreche lieber von Hautzuständen als von Hauttyp, weil sich die Bedürfnisse der Haut im Jahresverlauf durchaus ändern können). Sehen Sie die Grafik als Orientierung für die Auswahl der verfügbaren Basisrezepturen. In üblichen Rezepturen, auch hier auf Olionatura, sind diese Phasenverhältnisse angegeben: 20:80 meint beispielsweise eine Emulsion mit 20 % Fettphase und 80 % Wasser (plus Wirkstoffe, Konservierung usw.).

Abbildung der Phasenanteile einer Emulsion
Abb. 2: Phasenanteile von Emulsionen und ihre Eignung für bestimmte Hautzustände. (© H.  Käser)

Empfindliche Haut ist ein Sonderfall, auch wenn Menschen mit trockenem (fett- oder feuchtigkeitsarmen) Hautzustand dieses Attribut häufiger für sich in Anspruch nehmen. Empfindliche Haut ist reaktiver als normale Haut; dies hat jedoch keine zwingenden Konsequenzen für die Anteile an Fett- und Wasserphase, sondern betrifft eher die Auswahl der Ingredienzien. Daher habe ich sie in der Abbildung nicht berücksichtigt. Wenn Sie empfindliche Haut haben, sollten Sie zumindest in den ersten Rezepturen auf Wirkstoffe und ätherische Öle verzichten, damit Sie sich langsam an »Ihre« Ingredienzien herantasten können.

Typische Phasenverhältnisse für O/W-Emulsionen:

Als Anhaltspunkt soll folgende Auflistung typischer kosmetischer Emulsionen und ihrer grundsätzlichen Konzeption dienen. Ich habe nur Öle und Konsistenzgeber (dunkelgrün), Emulgatoren (hellgrün) und die Wasserphase (blau) berücksichtigt; Wirkstoffe und Konservierung sind hier nicht dargestellt, sie werden in der Regel zur Wasserphase gezählt.

Emulsionsaufbau: Serum, Hydrodispersionsgel
Serum, leichtes Hydrodispersionsgel: 5–10 % Fettgehalt, vorwiegend niedrigviskose Öle, keine bis geringe Anteile an Konsistenzgebern, keine Wachse. Mit Gelbildner stabilisiert. Oft Lipoderminzusatz.
Emulsionsaufbau: Hydrodispersionsgel, Fluid
Reichhaltiges Hydrodispersionsgel, Fluid: 10–20 % Fettgehalt, vorwiegend niedrigviskose Öle, geringe Anteile an Konsistenzgebern, keine oder geringe Menge Wachse. Mit Gelbildner stabilisiert. Oft Lipoderminzusatz. Eventuell Einsatz von Emulprot® und/oder Emulmetik.
Emulsionsaufbau: Lotion
Lotion: 20–25 % Fettgehalt, ölbasiert mit geringen Anteilen an konsistenzgebenden Lipiden (Buttern, 1–1,5 % Cetylalkohol oder -palmitat, kein bis geringer Wachsanteil). Mit geringem Anteil an Gelbildnern stabilisiert.
Emulsionsaufbau: Leichte Creme
Feuchtigkeitscremes, »Tagescremes«: 25–35 % Fettgehalt, mittlerer Anteil an Konsistenzgebern (1,5–3 % Cetylalkohol oder -palmitat, 20–30 % Butteranteil auf die Öle gerechnet), geringer Wachsanteil (0,5–1,5 %)
Emulsionsaufbau: Reichhaltige Creme
Reichhaltige Cremes, »Nachtcremes«, Körpercremes: über 35 % Fettgehalt, konsistenzgebende Lipide (Buttern und Cetylalkohol, -palmitat, Wachse, Stearinsäure usw.).

Auf der nächsten Seite erfahren Sie, wie Sie neue Rezepte mit Hilfe des Fett- und Wasserphasen-Rechners entwickeln und den Emulgatoranteil berechnen können.

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