
Wir haben im Wesentlichen folgende Hauptkomponenten einer Emulsion:
Bei der Herstellung von Emulsionen habe ich mir (wie in der kosmetischen Industrie seit langem bewährt) angewöhnt, die Phasen gemäß ihrer verarbeitungsrelevanten Abfolge im Herstellungsprozess anzugeben. Dort tauchen Begriffe wie »Fettphase« oder »Wasserphase« in Formulierungen schlichtweg nicht auf. Sie spielen da eine Rolle, wo es um Löslichkeiten von Ingredienzien geht und man fett- und wasserlösliche Anteile eines kosmetischen Produkts kennzeichnen und subsummieren möchte. Dennoch macht es für die Einschätzung der »Reichhaltigkeit« eines kosmetischen Produkts – dem Grad seiner Rückfettung und der spürbaren Filmbildung – Sinn, die enthaltene Menge an Lipiden (Öle, Buttern, Wachse, Emulgatoren) anzugeben, eben die Fettphase – und den Rest der Einfachheit halber als Wasserphase zu bezeichnen. Wenn Sie also auf Olionatura eine Rezeptur lesen, die mit »Fett-/Wasserphase: 25:75 %« gekennzeichnet ist, enthält sie 25 % Lipide und einen »Rest« von 75 % an Wasser, Gelbildnern sowie Wirkstoffen, Antioxidantien, Konservierern, Parfum. Dies ist im Hinblick auf die Charakteristiken mancher Substanzen nicht korrekt (so zählen z. B. Tocopherole zu den Lipiden), erweist sich aber in unserem Bereich als akzeptable Vereinfachung, zumal viele Wirkstoffe in sehr geringen Mengen eingesetzt werden. In Abbildung 1 unten sehen Sie die oben genannten, klassischen Komponenten einer Emulsion:

Das Endprodukt bewegt sich in seiner Konsistenz demnach in einem weiten Spektrum an möglichen Viskositäten. Auch die spürbare »Reichhaltigkeit« einer Emulsion korreliert stark (neben den Lipiden an sich) mit der Höhe der Fettphase. Mit wachsender Erfahrung werden Sie Ihre bevorzugten Kombinationen entwickeln.
Meine eigenen Rezepturen sind im Vergleich zu Kaufkosmetik, aber auch
zu anderen Rezepturen aus dem Internet oder aus Büchern vergleichsweise
niedrigviskos; meine Emulsionen ergeben bevorzugt Lotionen oder cremige
Fluids. Feste Cremes (im O/W-Bereich, also Öl-in-Wasser-Emulsionen)
habe ich kaum im Repertoire. Das hat hautphysiologische und haptische
Gründe: Konsistenz erhält eine Emulsion primär durch Fett-,
Wachsalkohole und Stearate wie Cetylalkohol, Cetylpalmitat, Glycerolmonostearat,
Myristylmyristat (separat eingeplant oder als Bestandteil von Komplexemulgatoren
wie Xyliance oder Montanov™ 68, die diese bereits enthalten), hohe
Wachsanteile und/oder durch (höher dosierte) Gelbildner. Diese Strategie bedeutet
jedoch, dass die Gesamtformulierung in ihrer Zusammensetzung zugunsten von
Fettkomponenten geändert wird, die viele als wachsig, schwer, »schwitzig«,
komedogen erleben.
Meine persönliche Strategie ist seit 2007, Pflegeprodukte ohne oder
nur mit geringen Anteilen an Emulgatoren, Fett- und Wachsalkoholen zu
planen. Die gewünschte kosmetische »Reichhaltigkeit« erziele
ich durch eine fein abgestimmte, durchdachte Komposition der Öle,
Buttern und Wachse, vor allem jedoch durch feinst dosierte hautphysiologische Lipidkomponenten,
die aufgrund ihrer physikalisch-chemischen Wechselwirkung mit der Hautbarriereschicht den
transepidermalen Wasserverlust reduzieren und die Hautbarriere stärken, u. a.
Ceramide, hydrierte Lecithine, Ferulasäureester (Gamma-Oryzanol) und Phytosterole.
Dies hat jedoch zur Folge, dass meine Produkte in der Konsistenz nicht »echten
O/W-Cremes« entsprechen, ihnen in der kosmetischen Wirkung aber in keiner Weise nachstehen.
Im Gegenteil: meine O/W-Fluids und -Lotionen sind hochwirksam. Mittlerweile finden sich immer mehr
Basisrezepturen im Internet, die diesem Konzept folgen.
Bevor Sie eine Emulsion konzipieren, ist es sinnvoll festzulegen, welche Phasenanteile an Fett und Wasser überhaupt zu Ihrer Haut passen. Abbildung 2 zeigt, als grobe Anhaltspunkte dargestellt, Fett- und Wasserphasen-Anteile von Emulsionen und ihre bevorzugte Eignung für bestimmte Hautzustände (ich spreche lieber von Hautzuständen als von Hauttyp, weil sich die Bedürfnisse der Haut im Jahresverlauf durchaus ändern können). Sehen Sie die Grafik als Orientierung für die Auswahl der verfügbaren Basisrezepturen. In üblichen Rezepturen, auch hier auf Olionatura, sind diese Phasenverhältnisse angegeben: 20:80 meint beispielsweise eine Emulsion mit 20 % Fettphase und 80 % Wasser (plus Wirkstoffe, Konservierung usw.). Kosmetische Kauf-Emulsionen weisen in der Regel nicht mehr als 40 % Fettphase auf; die meisten Produkte liegen zwischen 15–30 % Fettphase.

Empfindliche Haut ist ein Sonderfall, auch wenn Menschen mit trockenem (fett- oder feuchtigkeitsarmen) Hautzustand dieses Attribut häufiger für sich in Anspruch nehmen. Empfindliche Haut ist reaktiver als normale Haut; dies hat jedoch keine zwingenden Konsequenzen für die Anteile an Fett- und Wasserphase, sondern betrifft eher die Auswahl der Ingredienzien. Daher habe ich sie in der Abbildung nicht berücksichtigt. Wenn Sie empfindliche Haut haben, sollten Sie zumindest in den ersten Rezepturen auf Wirkstoffe und ätherische Öle verzichten, damit Sie sich langsam an »Ihre« Ingredienzien herantasten können.
Als Anhaltspunkt soll folgende exemplarische Auflistung typischer kosmetischer Emulsionen und ihrer grundsätzlichen Konzeption dienen. Ich habe nur Öle und Konsistenzgeber, Emulgatoren und die Wasserphase berücksichtigt; Wirkstoffe und Konservierung sind hier nicht dargestellt, sie werden in der Regel zur Wasserphase gerechnet (wie die Wirkstoffe) bzw. sind so niedrig dosiert, dass sie nicht ins Gewicht fallen. Orientieren Sie sich an ca. 5–10 % Wirkstoffen auf gesamt und ca. 0,5–1 % Konservierungsmittel (je nach Handelsprodukt).





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